November, 2023

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Nicki und Klaus 16

Donnerstag, 16. Dezember

Nicki ließ sich den ganzen Tag nicht blicken. Sein Frühstück und Mittagessen hatte er sich schnell aus der Küche geholt und war dann sofort wieder im Gästezimmer verschwunden. Klaus war so neugierig, dass immer wieder im Flur auf und ab ging, sein Ohr lauschend an die Tür hielt und dann wieder seines Weges ging.
»Wenn ich doch bloß wüsste, was der Bengel da drinnen ausheckt. Nur zu gern würde ich hinein stürmen und nachschauen.«
Also klopfte er an und drückte die Klinke herunter.
»Draußen bleiben.«, war Nickis kurze Reaktion darauf. Klugerweise hatte er hinter sich abgeschlossen.
»Nicht schlecht.«, murmelte Klaus.
»Er ist ziemlich schlau.«
Es blieb dem Weihnachtsmann also nichts weiter übrig, als im Arbeitszimmer zu warten.

Nicki hatte es fast geschafft. Ein letzter Brief lag auf dem kleinen Tisch und wartete darauf, gelesen zu werden. Er öffnete den Umschlag und holte einen Zettel hervor, auf dem die Tinte schon leicht verwischt war. Offensichtlich hatte das Kind beim Schreiben geweint.

Lieber Weihnachtsmann.
Mein Wunsch ist in diesem Jahr ganz anders als sonst. Ich will gar keine Spielzeuge oder Bücher von dir haben. Dieses Mal brauche ich deine Hilfe.
Mein bester Freund, der Nicki, ist auf der Suche nach dir. Jeder hat ihm erzählt, dass es dich nicht gibt. Also will er es allen anderen beweisen. Kannst du ihm nicht einfach mal ein Foto von dir schicken oder ihm einen Besuch abstatten, auch wenn deine Zeit an Weihnachten sehr knapp ist?
Nicki war zwar vor ein paar Tagen sehr böse zu mir. Er hat behauptet, dass es den Osterhasen nicht gibt. Ich weiß, dass er das nicht absichtlich gemacht hat. Trotzdem hat es mich sehr verletzt, dass er mich ein Baby genannt hat.
Ich habe ihm das mittlerweile verziehen, konnte es ihm aber noch nicht sagen, da er nicht mehr zur Schule kommt. Er ist krank geworden. Gerade deswegen wäre es doch schön, wenn du zu ihm kommen würdest, denn mit einer Grippe kann er nicht nach dir suchen.
Mehr wünsche ich mir gar nicht in diesem Jahr. Ich möchte einfach nur, dass mein Freund seinen größten Wunsch erfüllt bekommt.

Dein Leon.

P.S.: Solltest du den Osterhasen persönlich kennen, dann richte ihm doch einen Gruß von mir aus. Ich freue mich schon sehr darauf, wenn er nächstes Jahr wieder zu mir kommt.

Nicki wusste gar nicht, was er denken sollte. So vieles ging ihm nun durch den Kopf. Plötzlich tat es ihm Leid, dass er seinem Freund so in den Rücken gefallen war. Ihm lief eine Träne über die Wange.
»Ich weiß doch schon längst, dass es den Weihnachtsmann gibt. Das haben schon viele für unmöglich gehalten. Warum sollte es dann nicht auch den Osterhasen geben? Das werde ich Leon sagen, wenn ich wieder zu Hause bin.«
Er nahm sich ein Blatt Papier und begann mit den Buntstiften ein Bild des Osterhasen zu malen.
»Ich bin mir sicher, dass ihm das als Antwort gefallen wird. Und nächstes Jahr werde ich mit ihm zusammen auf die Suche nach dem Osterhasen gehen, egal ob mich dann alle auslachen. Freunde lassen sich niemals allein.«

Nicki und Klaus 15

Mittwoch, 15. Dezember

Der Tag war anstrengend gewesen. Mehrere tausend Geschenke hatten die Wichtel und Elfen in der großen Halle hergestellt und verpackt. Der Sack des Weihnachtsmanns füllte sich immer mehr.
Am Abend kam Nicki, der kräftig mit angepackt hatte, zurück ins Haus und fand Klaus in dessen Büro.
»Was machst du denn hier?«, wollte Nicki wissen und setzte sich auf die andere Seite des großen Schreibtischs, der mit riesigen Papierstapeln bedeckt war.
Klaus zog sich Brille zur Nasenspitze herunter und sah über die Ränder hinweg zu seinem jungen Gast.
»Das hier sind alles Wunschzettel, die mir die Kinder aus der ganzen Welt geschickt haben. Jeden Abend sitze ich hier nach der Arbeit und versuche, sie zu beantworten, was bei dieser Menge gar nicht so einfach ist.«
Eine Antwortkarte nach der anderen ging durch die Hände des Weihnachtsmanns. Es dauerte immer nur ein paar Sekunden, bis er etwas geschrieben hatte.
»Viel zu Lesen bekommen die Kinder aber nicht, kann das sein?«, fragte Nicki.
Klaus nickte und seufzte.
»Nach so vielen Jahrzehnten und Jahrhunderten, die ich diesen Job bereits mache, fällt mir nicht mehr viel ein. Es ist alles irgendwie zur Routine geworden.«
Nicki nahm sich einen Wunschbrief und las ihn sich durch. Dann nahm er die dazu passende Antwortkarte und las sie ebenfalls.
›Ich hoffe, dir gefällt dein Geschenk. Liebe Grüße vom Weihnachtsmann.‹
Nicki schüttelte den Kopf.
»Das ist ganz schön lieblos. Ich bin mir sicher, dass sich die Kinder über ein paar Zeilen mehr richtig freuen würden.«
Nicki und Klaus sahen sich schweigend an, bevor der Junge plötzlich von einem Ohr zum anderen grinste.
»Ich hab da eine Idee.«
Er griff sich einen großen Stapel Wunschzettel, klemmte sie sich unter die Arme und verschwand damit.
»Wir sehen uns Morgen.«, rief er laut, bevor in das Gästezimmer flitzte und die Tür hinter sich verschloss.

Nicki und Klaus 14

Dienstag, 14. Dezember

Nicki war zusammen mit den Elfen und Wichteln aufgestanden und nach dem Frühstück in die Geschenkehalle gegangen. Es musste noch ein riesiger Berg voller Wunschzettel abgearbeitet werden.
»Möchtest du auch mal die Geschenkemaschine bedienen?«, fragte der Chefwichtel.
Nicki war überrascht. Er hatte zwar schon ein paar Mal darüber nachgedacht und es sich insgeheim gewünscht, aber hätte im Traum nicht daran gedacht, dass er es auch wirklich machen dürfte.
»Ja.«, flüsterte er mit zittriger Stimme.
Gemeinsam gingen die zwei hinüber zu den Materialien.
»In Ordnung. Was willst du herstellen?«, fragte der Wichtel.
»Einen Teddybären.«, antwortete Nicki.
»Gut. Dann brauchen wir Garn, Teddystoff, Füllmaterial und Knopfaufgen.«
Sie sammelten die nötigen Sachen zusammen und legten sie auf ein Fließband. Direkt daneben war ein Feld mit nummerierten Knöpfen. Der Code für einen Teddy lautete zweiundvierzig. Dieser musste eingetippt und bestätigt werden.
Nach dem Drücken auf einen roten Knopf, begann die Maschine zu arbeiten und holte sich über das Fließband die Materialien in sich hinein. Nicki lief langsam daneben her und besah sich alles ganz genau. Kurz bevor die Sachen in der Maschine verschwanden, eilten bereits ein paar weitere Wichtel heran und wollten die nächsten Geschenke vorbereiten.
»Vorsicht! Aus dem Weg! Eilige Geschenke!«, riefen sie und hasteten durch die Halle.
Leider konnten sie nicht genau sehen, wohin sie liefen. Die Sicht war ihnen von einigen Kartons versperrt, die sie vor sich her schoben.
Nicki versuchte ihnen aus dem Weg zu gehen und stolperte. Rückwärts fiel er auf das Fließband und verschwand in der Maschine.
»Du meine Güte. Was machen wir denn jetzt?«, brüllte der Chefwichtel verzweifelt und suchte nach einer Öffnung, um den Jungen zu befreien. Doch da war nichts. Man konnte die Maschine nicht einmal abschalten.
»Da bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als auf der anderen Seite zu warten und zu hoffen, dass ihm nichts passiert ist.«
Sofort eilte er um die große Maschine herum. Der Ausgang war bereits beleuchtet. Es konnte sich also nur noch um wenige Sekunden handeln. Es öffnete sich eine Tür und ein großes Geschenk kam zum Vorschein.
Sofort holte der Wichtel eine Schere aus seiner Arbeitstasche und schnitt die rote Schleife auf. Er öffnete das Paket und fand einen riesigen Teddybären vor sich.
»Wo ist bloß der Junge geblieben? Ob er sich in der Maschine verklemmt hat?«
Verzweifelt warf er einen vorsichtigen Blick in die Maschine, konnte aber nichts sehen.
»Ich bin hier.«, rief Nicki mit dumpfer Stimme.
»Wo ist hier?«, fragte der Wichtel.
»Ich stecke im Teddybären.«
»Wo steckst du?«, musste der Wichtel erneut fragen, weil er es nicht glauben wollte.
»Ich bin hier im Teddybären.«, erklang Nickis genervte Stimme ein weiteres Mal.
Erleichtert begann der Wichtel zu lachen und trennte den Bärenkopf vom restlichen Stofftier. Darunter kam dann ein Menschenkopf zum Vorschein.
»Ich bin in Ordnung.«, sagte Nicki und schnappte nach Luft.
»Mir ist nichts passiert. Aber so eine Fahrt will ich nicht noch einmal erleben. Da macht eine Achterbahn mehr Spaß.«

Nicki und Klaus 13

Montag, 13. Dezember

Am heutigen Morgen hatte sich Nicki extra einen Wecker gestellt, um pünktlich zu erwachen. Schon beim ersten Klingeln sprang der Junge aus dem Bett und machte sich schnell fertig.
»Heute will ich alles mitbekommen. Immerhin kommt Weihnachten langsam näher. Da gibt es doch bestimmt noch eine Menge zu tun.«
Nach einem schnellen Frühstück lief Nicki hinüber in die Geschenkehalle. Dort staunte er nicht schlecht, denn in der Nacht hatten die Weihnachtswichtel eine weitere Geschenkemaschine aufgestellt.
»Was ist denn hier los?«, fragte er neugierig.
In diesem Moment gesellte sich Klaus zu ihm und hatte sofort eine Antwort parat.
»Wir haben die erste Hälfte des Adventskalenders hinter uns gebracht. Heute beginnt die zweite Hälfte. Ab heute lassen es meine Jungs und Mädels so richtig krachen. Alles beginnt mit einer Wette.«
»Was für eine Wette?«, wollte Nicki wissen. Doch da hörte er bereits eine laute Stimme, die aus einem Lautsprecher ertönte.
»Herzlich Willkommen, meine Damen und Herren im Geschenkestadion des Nordpols. Ich darf sie zur zweiten Halbzeit des Weihnachtsspiels begrüßen. Die beiden Mannschaften haben sich bereits warm gemacht und warten nun auf den Anpfiff des Unparteiischen.«
Klaus nickte, steckte sich eine Trillerpfeife zwischen die Lippen und nahm seinen Platz vor den beiden Maschinen ein.
»Das heutige Spiel wird Schiedsrichter Klaus leiten, der für seine große Fairness bekannt ist. Er wird also keine Fouls und keine Tricks gestatten.«
Klaus holte tief Luft und blies in die Pfeife.
»Das Spiel hat begonnen. Auf der linken Seite rennen die Elfen sofort los, ergreifen sich ihre Arbeitsmaterialien und füttern damit die Geschenkemaschine. Die Wichtel auf der anderen Seite machen es ihnen gleich und legen sich ebenfalls mächtig ins Zeug. Es entwickelt sich ein Kopf an Kopf Rennen, das an Dramatik keinen Vergleich findet.«
Nicki war von den Vorgängen in der großen Halle gefesselt. Es war von Anfang an spannend.
»Die Maschinen beginnen zu rattern, zu schnaufen, zu arbeiten. In ihrem Inneren werden die ersten Geschenke hergestellt. Wir sind schon ganz gespannt darauf, was gleich am anderen Ende heraus kommen wird.«
In diesem Moment leuchteten ein paar Lampen auf, die auf die Ausgangsöffnungen der Maschinen gerichtet waren.
»Und da kommt das erste Geschenk. Es sind die Elfen, die den ersten Punkt vorlegen. Es ist … es ist … eine Holzeisenbahn. Das ist einfach unglaublich. Das müssen die Wichtel erst einmal überbieten. Und da sind sie auch schon und präsentieren ein blaues Schaukelpferd. Das ist ja noch besser als der Start im letzten Jahr. Da hatten sie nur eine braune Farbe geschafft. Meine Damen und Herren, sie werden hier wahrlich mit größten Höchstleistungen verwöhnt. Doch ruhen wir uns nicht darauf aus, denn schon kündigen sich die nächsten Geschenke an.«
Im Laufe der nächsten Minuten erschienen immer mehr Spielzeuge, die Kinder in der ganzen Welt glücklich machen würden. Nickis Augen begannen immer wieder zu leuchten.
»Und nun befindet sich das Match in der Schlussphase. Es ist unglaublich spannend. Bis jetzt halten beide Mannschaften ein wackliges Unentschieden. Aber wer wird am Ende gewinnen? Die Maschinen sind bereit, ihr Letztes zu geben.«
Doch plötzlich stieg aus der Elfenmaschine Rauch auf.
»Oh nein, was ist das? Sollte am Ende ein Getriebeschaden über Sieg und Niederlage entscheiden? Hoffentlich halten die Elfen noch ein paar Sekunden durch.«
Die Wichtel jubelten bereits und freuten sich auf ihr letztes Produkt. Ihre Maschine gurgelte laut und spuckte eine kleine Plüschmaus aus.
»Sehen sie sich das an, verehrte Zuschauer. Es ist nur eine kleine Maus geworden. Da hat wohl jemand an der Programmierung Mist gebaut. Das sieht unseren Wichteln aber gar nicht ähnlich. Jetzt können sie nur noch hoffen, dass die Elfen ausscheiden. Doch danach sieht es nicht mehr unbedingt aus. Die Maschine raucht immer mehr, aber es sollten wenige Sekunden reichen, um den Sieg perfekt zu machen. Und da öffnet sich der Ausgang und zum Vorschein kommt … Nein, das ist unglaublich. Das ist die Königsklasse. Es ist ein Teddybär mit roter Schleife. Damit haben sich die Elfen aber mächtig ins Zeug gelegt. So eine Leistung haben wir seit Jahren nicht mehr miterleben dürfen. Damit holen die Elfen zum vierten Mal in Folge den Jahressieg. Und schon liegen sich die Spieler in den Armen und jubeln.«
Nicki klatschte begeistert in die Hände. Das war viel spannender als jedes Fußballspiel gewesen.

Nicki und Klaus 12

Sonntag, 12. Dezember

Nicki erwachte irgendwann am Morgen. Als er auf seine Armbanduhr sah, schreckte er sofort hoch.
»Du meine Güte. Es ist ja schon viel zu spät.«
Er sprang aus dem Bett, zog sich seine Sachen an und machte sich im Bad fertig. Mit der Zahnbürste im Mund murmelte er die ganze Zeit vor sich.
»Wie konnte ich nur verschlafen. Das ist mir noch nie passiert. Ich werde bestimmt viel verpassen.«
Er spülte die Zahnpasta aus und verließ sein Zimmer. Mit schnellem Schritt lief er durch das Haus des Weihnachtsmanns und begab sich sofort in die große Geschenkehalle. Doch da gab es eine Überraschung.
»Was ist denn hier los?«, fragte sich Nicki.
Und genau das war das Problem. Es war nämlich gar nichts los. Alle Maschinen standen still. Von den vielen Wichteln und Elfen war nichts zu sehen. Die Halle war leer und still.
»Wo sind die denn alle?«
Nicki lief sofort zurück ins Haus und rief nach Klaus.
»Wo seid ihr denn alle?«
Klaus, der mittlerweile die laute Stimme des Jungen gehört hatte, kam in den Flur.
»Was ist denn mit dir los? Ist etwas passiert? Ist Rudolphs rote Nase erloschen oder ist an meinem Schlitten eine Kufe abgebrochen?«
Nicki schüttelte den Kopf.
»Keins von beidem. Aber es wird nicht gearbeitet. Die Geschenke werden nicht mehr hergestellt und in den Weihnachtssack gefüllt. Wie soll denn da das Fest rechtzeitig stattfinden können?«
Klaus musste grinsen. Er nahm den Jungen an die Hand und nahm ihn mit in sein kleines Büro, in dem sich unzählige Papierstapel aneinander reihten. Hier gab es keine Ordnung. Alles war ein wildes Durcheinander.
»Schau doch mal auf den Kalender.«
Nicki sah genau hin.
»Es ist der zwölfte Dezember. Es ist also die Hälfte der Zeit vorbei. Da muss doch was passieren.«
Klaus schüttelte den Kopf.
»Beruhig dich. Alles ist in bester Ordnung. Auch meine Elfen, Wichtel und ich brauchen hin und wieder einen Ruhetag. Heute ist Sonntag. Da wird nicht gearbeitet. Also komm mit mir mit. Wir werden jetzt ganz gemütlich frühstücken gehen.«
Zu zweit gingen sie durch das Haus und betraten einen riesigen Speisesaal. An den langen Tischen saßen alle Weihnachtshelfer. Gemeinsam aßen und tranken sie und erholten sich von der anstrengenden Woche.

Nicki und Klaus 11

Samstag, 11. Dezember

Nicki wachte am frühen Morgen auf und rieb sich die Augen. Der gestrige Tag war ihm gut in Erinnerung geblieben. Der Rundgang durch die große Geschenkehalle des Weihnachtsmanns war sehr beeindruckend gewesen.
Am einen Ende stand eine große Maschine, die ununterbrochen von den Weihnachtselfen mit Holz, Stoffe, kleine Metallteile, Farben Geschenkpapier, Klebeband, bunte Schleifen und mehr gefüttert wurde. Die ganze Zeit summte, brummte und rumorte sie vor sich hin, bis schließlich am Ende fertig verpackte Geschenke von den Weihnachtswichteln entgegen genommen und im großen Sack des Weihnachtsmanns verstaut wurden.
In einer Ecke der Halle stand eine sehr kleine Maschine. Zwischendurch wurde sie mit Papier, Pappe und tütenweise kleinen Buchstaben gefüttert.
»Was passiert denn dort drin?«, hatte Nicki gefragt.
»Das ist die Maschine, die schöne Kinderbücher druckt. Aber weil nicht mehr so viele Kinder lesen, sondern viel lieber vor dem Fernseher oder Computer sitzen, reicht ihre Größe völlig aus.«, hatte einer der Wichtel traurig erklärt.
Es herrschte ein buntes Treiben in wilder Hektik. Nicki konnte sich gar nicht vorstellen, dass hier alles seine Ordnung hatte. Daher hatte er sich vorgenommen, mit Klaus beim Frühstück darüber zu reden. Nach einem großen Schluck Kakao aus einer noch viel größeren Tasse, stellte er die neugierige Frage.
»Woher weißt du eigentlich, welchem Kind du welches Geschenk geben sollst? Ich habe nur den riesigen Sack und die unglaublich vielen Geschenke gesehen. Kommst du denn da nicht durcheinander?«
Klaus grinste und strich sich gemütlich über seinen üppigen Bart.
»Wenn ich mit meinem Schlitten unterwegs bin, habe ich immer einen meiner Weihnachtswichtel bei mir, der dann für die richtige Reihenfolge der Geschenke zuständig ist. Das ist eine ehrenvolle, aber auch extrem anstrengende Aufgabe. Deswegen machen sie das auch nur ein einziges Mal. Dadurch kommt jeder einmal dran. Wie sie das dann während des Fluges schaffen, weiß ich selbst nicht. Das ist ein großes Wichtelgeheimnis.«
Diese Antwort reichte Nicki völlig aus. Aber da fiel ihm bereits eine weitere Frage ein.
»Ich habe vor ein paar Jahren einen Hamster auf meinen Wunschzettel geschrieben, aber keinen bekommen. War ich damals nicht artig genug?«
Klaus schüttelte den Kopf.
Ich verschenke schon lange keine Haustiere mehr. Viele Kinder wünschen sich eins, aber nach ein paar Tagen wird es ihnen zu anstrengend, sich darum zu kümmern. So ein Lebewesen braucht viel Zeit und Liebe. Also wollen sie es nachher wieder umtauschen. Am Ende sah es so aus, dass wir hier ein Tierheim hatten, das größer als die Geschenkehalle war. Das war gar nicht schön und für die Tiere tat es mir viel zu Leid. Also überlasse ich das lieber den Eltern. Wenn sie meinen, ein Tier verschenken zu müssen, dann sollen sie auch die Verantwortung dafür tragen.«
Nicki nickte und trank einen weiteren Schluck Kakao, bevor er sich wieder auf den Weg in die große Halle machte, in der er den Rest des Tages den Wichteln und Elfen bei der Arbeit zusah.

Nicki und Klaus 10

Freitag, 10. Dezember

Die Nacht war noch nicht ganz vorüber, als sie Die Ränder der Arktis erreichten. Nicki hatte sich eigentlich vorgenommen, noch etwas zu schlafen, aber dafür war er dann doch viel zu aufgeregt gewesen. Es gab zu viel zu sehen.
Bei ihrem Flug zum Nordpol hatten sie Deutschland, Dänemark, Schweden und Norwegen hinter sich gelassen. Von nun an gab es bis zum Ziel nur noch Eis und Schnee.
Nicki sah auf seine Armbanduhr und dann wieder in die Ferne.
»Klaus, wo bleibt denn die Sonne? Sollte sie nicht langsam aufgehen?«
Klaus musste laut lachen und schüttelte den Kopf.
»Wir befinden uns hier in der Nähe des Nordpols. Während des Winters bleibt es rund um die Uhr dunkel. Die Sonne befindet sich jetzt auf der anderen Seite der Erde. Über der Antarktis scheint sie nun ohne Pause. Aber in ein paar Monaten ist es wieder umgekehrt.«
Nicki wunderte sich. In allen Filmen, in denen die Spielzeugfabriken des Weihnachtsmannes gezeigt wurden, war es tagsüber hell.
»Du kennst es aus dem Fernseher anders, stimmt’s?«
Der Junge nickte und brachte Klaus ein weiteres Mal zum Lachen.
»Das liegt daran, dass die Filmemacher aus Hollywood alle keine Ahnung haben. Ich hab schon ein paar Mal versucht, ihnen zu erklären, was richtig ist, aber sie wollte mir nie glauben, wer ich bin. Kannst du dir das vorstellen?«
Sie flogen weiter und weiter, bis hinter dem Horizont ein kleines Licht auftauchte, das mit jeder Minute größer wurde.
»Das ist unser Flugziel. Der Nordpol. Dort lebe und arbeite ich. Wenn du magst, werde ich dir alles zeigen.«
Der Schlitten setzte zur Landung an und blieb schließlich vor einem großen Gebäude stehen.
»Werden mich meine Eltern eigentlich nicht vermissen, wenn ich ein paar Tage nicht nach Hause komme?«
Klaus schüttelte den Kopf.
»Dafür habe ich gesorgt. Deine Großmutter kümmert sich um alles. Sie wird deinen Eltern erzählen, dass du ein paar Tage bei ihr schlafen wirst, weil du noch immer sauer bist.«
Nacheinander stiegen sie vom Schlitten herab und betraten das Gebäude.

Nicki und Klaus 09

Donnerstag, 9. Dezember

Die Schule konnte gar nicht früh genug vorbei sein. Nicki fieberte dem nächsten Treffen mit Klaus entgegen.
Nur zu gern hätte er auch seinen beiden Freunden erzählt, dass er nun ganz genau wusste, dass es den Weihnachtsmann gab. Aber er hatte leider das Versprechen abgegeben zu schweigen. Trotzdem konnte er sich sein breites Grinsen nicht verkneifen.
»Was lachst du denn so unverschämt?«, fragte Leon.
»Ach, es ist nichts.«, antwortete Nicki.
Das waren die einzigen zwei Sätze, die die beiden miteinander wechselten, bevor sie sich wieder anschwiegen.
Nach dem Mittagessen setzte sich Nicki sofort an seine Hausaufgaben. Mama wollte es gar nicht glauben, aber so schnell war ihr Sohn noch nie damit fertig geworden.
»Bist du krank? Stimmt was nicht mit dir? Du trödelst doch sonst mit deinen Aufgaben so lange rum.«
Aber Nicki grinste nur, schwieg und schrieb weiter.
Als er fertig war, setzte er sich ans Fenster und wartete. Nur für den Fall legte er sich seine dicke Jacke, Mütze, Schal und Handschuhe bereit. Er wollte sich nicht lange aufhalten müssen, wenn Klaus kam.
»Wo bleibt er denn?«, fragte sich Nicki alle paar Minuten.
Immer wieder sah er zur Uhr hoch, die über seiner Tür hing und langsam vor sich hin tickte.
Es wurde drei, es wurde vier Uhr. Bald war es fünf. Um sechs gab es Essen. Doch Nicki hatte Angst, sein Treffen zu verpassen. Also machte er sich schnell seine Brote fertig und flitzte dann wieder in sein Zimmer.
Um sieben Uhr wurde Nicki langsam müde. Bis acht gähnte er minütlich vor sich hin.
»Nun wird es aber Zeit fürs Bett.«, sagte Papa, als er seinen Kopf zur Tür herein steckte.
»Soll ich dir noch eine Geschichte vorlesen?«
Aber Nicki lehnte ab. Er sei schon zu müde.
Im Bett wartete er noch eine ganze Stunde. Aber es kam niemand. Um zehn schlief er dann traurig ein.
Es klopfte.
Es klopfte ein zweites Mal.
Nicki wurde langsam wach und rieb sich die Augen. Er gähnte laut und sah sich dann um.
War da etwas gewesen?
Schon wollte er sich wieder hinlegen, als es ein drittes Mal am Fenster klopfte.
»Wer ist da?«, rief er in die Dunkelheit.
»Ich bin es.«, kam die Antwort durch das Glas.
Nicki wollte es fast nicht glauben. War das vielleicht …?
Er warf einen Blick auf die Uhr. Es war drei Minuten vor Mitternacht.
»Er hat sein Wort gehalten. Er ist doch noch gekommen.«
Sofort stand er auf und öffnete das Fenster.
»Na, mein Junge? Hast du schon auf mich gewartet?«
Klaus kletterte umständlich in das Zimmer und setzte sich im Schneidersitz auf den Boden.
»Ich musste bis zur Dunkelheit warten. Es durfte mich niemand sehen, denn ich bin mit dem Schlitten gekommen.«
»Mit dem Schlitten?«, fragte Nicki ungläubig und stürmte sofort ans Fenster.
»Du meine Güte, du hast Recht. Da schwebt er in der Luft. Können wir damit einmal um das Haus fliegen?«
Klaus musste lachen, als er wieder aufstand.
»Du darfst nicht nur, du sollst sogar mit mir fliegen. Es wird Zeit, dass wir uns auf den Weg zum Nordpol machen. Es wartet viel Arbeit auf uns zwei.«
Gemeinsam kletterten sie in den Schlitten.
»Anschnallen nicht vergessen.«, ermahnte Klaus mit einem Augenzwinkern.
Dann machte er eine Bewegung mit dem Zeigefinger. Wie von Geisterhand berührt schloss sich das Fenster.
»Los geht’s Rudolph. Auf nach Hause.«
Und schon begann die wilde Fahrt durch den Himmel.

Nicki und Klaus 08

Mittwoch, 8. Dezember

Nicki saß am Schreibtisch über seinen Hausaufgaben. Es ärgerte ihn, dass nun seine beiden engsten Freunde nicht mehr mit ihm sprachen. Den zweiten Tag schon. Es hatte nicht einmal mehr Streit gegeben. Sie schwiegen sich gegenseitig an.
»Was denken sich die beiden eigentlich? Ich komme auch ganz gut ohne sie zurecht.«
In diesem Moment flog etwas gegen das Fenster. Nicki sah hoch, glaubte aber sich geirrt zu haben. Also schrieb er weiter an seinem Aufsatz.
»… ging der kleine Junge mit seiner Mutter über den Weihnachtsmarkt, als …«
Da war das Geräusch schon wieder. Es klang, als würde jemand Kieselsteine gegen die Glasscheibe werfen.
»Wer, zum Kuckuck, ist das denn?«
Verärgert stand Nicki auf und ging zum Fenster. Er hatte bereits seine Freunde im Verdacht, die sich bei ihm reumütig entschuldigen wollten.
»Na, den beiden werd ich es schon zeigen.«
Doch als er nach draußen sah, stand da niemand im Vorgarten.
»Das ist ja seltsam. Wer hat denn dann die Steine geworfen?«
Nicki war verwundert und wollte sich bereits wieder an seinen Schreibtisch setzen, als ein weiteres Steinchen gegen die Scheibe flog und eine Stimme zu hören war.
»Hey, kleiner Mann.«, sagte die Stimme.
»Ich bin hier oben.«
Nicki sah etwas höher und entdeckte, wonach er suchte. Da saß tatsächlich ein Mann im Baum vor seinem Zimmer. Es war Klaus, Omas freundlicher Nachbar.
Nicki riss das Fenster auf.
»Was machst du denn da in unserem Baum?«, wollte er wissen.
»Ich möchte dich besuchen.«, antwortete Klaus.
»Darf ich zu dir rein kommen?«
Und schon machte er einen großen Sprung und landete auf dem Fensterbrett.
»Wie hast du das denn gemacht?«, fragte Nicki.
Er war sich felsenfest sicher, dass niemand so weit aus dem Stand springen konnte. Was ging hier nur vor sich?
Klaus kam herein, schloss hinter sich das Fenster und setzte sich auf einen Stuhl.
»Ich bin gekommen, um dir etwas ganz Wichtiges zu erzählen.«
Nun wurde Nicki neugierig und er drängte Klaus dazu, sofort weiter zu reden.
»Bevor ich am Sonntag zu euch gekommen bin, hat mir deine Großmutter erzählt, was deine Eltern mit dir angestellt haben. Ich konnte es gar nicht glauben, dass sie dir erzählt haben, dass es keinen Nikolaus und keinen Weihnachtsmann gibt. Ungeheuerlich ist das.«
Nicki ließ die Schultern sinken und erinnerte sich wieder an diesen schrecklichen Tag in der letzten Woche.
»Wem sagst du das. Ich habe geheult wie ein Schlosshund.«
Vor Schreck bekam er große Augen, blickte hin und her, bevor er verschwörerisch auf Klaus sah.
»Das darfst du aber niemandem erzählen. Es soll keiner denken, dass ich eine Memme bin.«
Klaus nickte.
»Ich bin zu dir gekommen, um dir ein Geheimnis anzuvertrauen. Ich bin kein Geringerer als der Nikolaus und Weihnachtsmann in einem.«
Nicki sah ihn ungläubig an und schüttelte dann den Kopf.
»Ja, klar. Und ich bin der Osterhase.«
Klaus war verdutzt.
»Du? Und wo sind deine langen Ohren? Du siehst so gar nicht wie ein Hase aus.«
»Dafür bist du niemals der Weihnachtsmann.«, konterte Nicki.
Da stand Klaus auf und klatschte einmal laut mit seinen Händen.
Zuerst geschah nichts, doch dann glitzterte es um den großen Mann herum. Das Licht wurde heller und intensiver. Er war gar nicht mehr zu erkennen. Es dauerte fast eine halbe Minute, bis es wieder erloschen war.
Nicki fielen fast die Augen aus dem Kopf. Vor ihm stand nun tatsächlich der echte Weihnachtsmann in seinem Mantel in rot und weiß.
»Du bist es wirklich.«
Klaus nickte.
»Aber du darfst es niemandem erzählen.«
Er ging zurück zum Fenster und kletterte wieder nach draußen.
»Ich komme Morgen wieder. Dann habe ich eine wichtige Aufgabe für dich.«
Mit diesen Worten sprang er zum Boden und war verschwunden.
»Aber Weihnachtsmann … Klaus, du kannst doch nicht so einfach abhauen. Ich hab doch noch so viele Fragen.«
Doch es war zu spät. Nicki blieb nichts anderes übrig, als ganz gespannt auf den nächsten Nachmittag zu warten.

Nicki und Klaus 07

Dienstag, 07. Dezember

In der Nacht war der erste Schnee gefallen. Nicki hatte es sofort gesehen, denn das Licht der Straßenlaternen glitzerte durch das Fenster herein.
»Juhuu, der Winter ist da.«, rief er begeistert.
Beim Anziehen legte er sich dann auch sofort Mütze, Schal und Handschuhe bereit.
»Heute Nachmittag kann ich mit meinen Freunden eine große Schneeballschlacht machen.«
Mama freute sich darüber, dass ihr Sohn nun andere Gedanken im Kopf hatte. Endlich war die Trauer um den verlorenen Weihnachtsmann vorbei.
»Es wurde auch endlich Zeit, dass der Bengel auch im Kopf älter wird.«, murmelte sie vor sich hin.
»Er ist ja schließlich kein Kindergartenkind mehr. Ein Grundschüler sollte nicht mehr an diese albernen Märchen glauben.«
Es klang schon fast wie eine Entschuldigung. Mit diesen Worten suchte sie wahrscheinlich nach einer Rechtfertigung für sich selbst, denn ein kleiner Rest eines schlechten Gewissens steckte in ihrem Herzen. Manchmal dachte sie sogar, dass es ein Fehler gewesen war, ihm die Wahrheit zu sagen.
»“Ach, wenn doch bloß nicht die anderen Kinder wären, die schon so aufgeklärt sind. Wenn er es nicht von mir erfahren hätte, hätten sie es getan.«
In der Schule war kaum an Unterricht zu denken. Die Kinder konnten sich nicht auf den Lehrer konzentrieren. Viel zu groß war die Vorfreude auf den Schnee. Die einen wollten sich mit Schneebällen duellieren, andere zum ersten Mal in diesem Jahr mit dem Schlitten einen Hang hinab fahren. Und jeder wollte den größten Schneemann des Winters bauen.
Allerdings waren nicht alle Kinder so glücklich. Während sich Nicki in seinem Glauben an den Weihnachtsmann und Nikolaus bekräftigt fühlte, sprach Leon kein einziges Wort mit seinem Freund. Er nahm es ihm immer noch übel, die Existenz des Osterhasen angezweifelt zu haben.
Tim war es ebenfalls nicht wohl zumute. Er fühlte sich in seiner Haut gar nicht mehr so gut, denn nun stand er zwischen seinen beiden Freunden, die nicht mehr miteinander sprachen. Er wusste einfach nicht, zu wem er halten sollte.
»Ach, kommt schon Jungs. Vertragt euch doch wieder.“«
Nicki und Leon schwiegen.
»Ihr könnt euch doch nicht so lange streiten.“«
Es gab keine Reaktion.
»Wir haben doch noch einen Plan, den wir gemeinsam umsetzen wollen.«
Es war Leon, der als erster die Still brach.
»Von einem ›Wir‹ kann hier gar nicht die Rede sein. Das kann Nicki ganz für sich allein durchziehen. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, dass er wirklich noch an den Weihnachtsmann glaubt. Immerhin zweifelt er ja auch daran, dass es einen Osterhasen gibt.«
Jetzt platzte es auch aus Nicki heraus.
»Pass bloß auf, was du sagst, sonst hast du gleich eine dicke Nase und ein blaues Auge.«
Er nahm eine bedrohliche Haltung an und ballte die Fäuste.
Doch Tim ging sofort dazwischen.
»Muss das denn sein? Könnt ihr denn nicht nach beiden suchen? Vielleicht werdet ihr dann gemeinsam glücklich.«
Doch darauf wollten sich die Streithähne einfach nicht einlassen.
»Dann seht doch zu, wie ihr mit eurem Kram fertig werdet.«, sagte Tim eingeschnappt.
»Ich helfe euch gerne, aber nur, wenn wir als Freunde zusammen halten.«
Dann verließ er ohne ein weiteres Wort den Klassenraum und ging an diesem Tag einen anderen Weg nach Hause.