November, 2023
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Nicki und Klaus 26
Sonntag, 26. Dezember
Klaus war völlig erledigt. Vor einer Stunde hatte er seinen Schlitten geparkt und die Rentiere im Stall untergebracht. Um frisches Futter kümmerten sich nun die Elfen. Müde und zufrieden hatte sich der Weihnachtsmann in sein Arbeitszimmer geschleppt. Als er das erste Mal nach einer Tasse Kakao greifen wollte, ertasteten seine Finger ein kleines Päckchen und einen Brief.
»Nanu, was ist denn das?«
Klaus öffnete den Umschlag und holte einen großen Zettel daraus hervor.
Lieber Klaus.
Vielen Dank für die Schöne Zeit mit dir am Nordpol. Das war das schönste Geschenk, dass du mir machen konntest. Ich werde das niemals in meinem Leben vergessen.
Als ich erfuhr, dass du so gern Weihnachtsgeschichten liest, habe ich etwas für dich geschrieben.
Liebe Grüße,
dein Nicki.
Klaus musste lächeln. Er konnte gar nicht anders. Mit so einer Überraschung hatte er nicht gerechnet. Er drehte den Zettel um und fand dort tatsächlich eine Geschichte. Er lehnte sich gemütlich zurück, trank einen Schluck Kakao und begann zu lesen.
Der echte Weihnachtsmann
»Schau Mama, da ist der Weihnachtsmann.«
Leon verdrehte sich in seinem Kindersitz und versuchte das gefundene Objekt so lange wie möglich im Auge zu behalten.
»Aber warum hängt er denn dort zum Fenster raus? Er muss doch heute Nacht mein Geschenk unter den Baum legen.«
»Aber nein, mein Schatz. Das ist nicht der echte Weihnachtsmann. Das ist nur eine Figur, die jemand aus Spaß an sein Fenster gehängt hat.«
Leon war verwirrt. Ein falscher Weihnachtsmann? Er sah sich um und entdeckte noch fünf weitere dicke Männer in roten Mänteln.
»Und die sind auch alle nicht echt?«
Mama schüttelte den Kopf.
»Hoffentlich sieht der richtige Weihnachtsmann diese Puppen nicht, sonst wird er bestimmt sauer und bringt diesen Leuten keine Geschenke.«
Mama fuhr indes auf einen Parkplatz vor dem Einkaufszentrum und schaltete den Motor ab. Sie half Leon aus dem Kindersitz und gemeinsam gingen sie einkaufen.
Aus allen Ecken ertönte laute Weihnachtsmusik und in jedem Regal lagen Geschenke, bunte Baumkugeln, Lametta und noch vieles mehr. Doch in der Mitte des riesigen Gebäudes stand eine mehrere Meter hohe Tanne, die von oben bis unten geschmückt war.
»Da passen aber bestimmt ganz viele Geschenke drunter. Wollen wir den nicht in unser Wohnzimmer stellen?«, fragte Leon.
»Dann bekomme ich dieses Jahr extra große Geschenke.«
Doch eine Antwort wartete er nicht mehr ab, denn plötzlich entdeckte er jemanden. Vor dem Baum saß ein dicker Mann mit weißem Bart und rotem Mantel.
»Schau, da ist der richtige Weihnachtsmann. Der kann nur richtig sein. Er lebt und bewegt sich.«
Leon lief hin und sah zu, wie sich ein Kind nach dem anderen auf den Schoß des Weihnachtsmanns setzte. Daneben stand ein großes Schild.
»Was steht denn dort?«
Mama ging mit ihm ein paar Schritte näher und las laut vor, was dort stand.
»Lass dich mit dem Weihnachtsmann fotografieren. Je Foto nur fünf Euro.«
Leon war verwundert.
»Hat denn der Weihnachtsmann so viel Zeit? Er muss sich doch darum kümmern, dass alle Geschenke rechtzeitig in seinem Schlitten verstaut sind. Wie will er das denn noch schaffen?«
Mama schüttelte nur den Kopf.
»Das ist nicht der echte Weihnachtsmann. Das ist nur ein Angestellter der Kaufhauses.«
Leon war enttäuscht. Er konnte es gar nicht glauben, dass es so viele falsche Weihnachtsmänner auf der Welt gab.
Am späten Nachmittag ging es noch einmal in den Kindergarten. Die Ferien hatten zwar schon begonnen, aber für die Weihnachtsfeier öffneten die Kindergartentanten noch einmal die Türen.
Es wurde viel gespielt, gesungen und gelacht, bis kurz vor dem Abend noch jemand in den Raum trat.
»Der Weihnachtsmann ist da.«, riefen die vielen Kinder durcheinander und freuten sich riesig.
»Der ist doch bestimmt auch nicht echt, oder?«
Leon drehte sich fragend zu Mama um. Mittlerweile hatte er die Nase voll. Für seinen Geschmack gab es viel zu viele falsche Weihnachtsmänner.
»Kann es vielleicht sein, dass es überhaupt keinen richtigen Weihnachtsmann gibt?«, drängte sich ein Verdacht in seinen Kopf.
Doch diesmal schüttelte Mama ganz überzeugt den Kopf.
»Es gibt ihn schon, aber er würde bestimmt nicht bei einer Weihnachtsfeier auftauchen, denn dann hätte er gar keine Zeit mehr, um sich um die vielen Geschenke zu kümmern.«
Leon war sich nicht sicher, ob er das wirklich glauben sollte. Aber behielt er für sich.
Spät in der Nacht lag Leon noch immer wach im Bett und dachte über den Tag und die vielen falschen Weihnachtsmänner nach.
»Das ist so gemein, dass wir Kinder überall hereingelegt werden. Ich glaube nicht, dass es den Weihnachtsmann wirklich gibt.«
In diesem Moment hörte er ein Rumpeln auf dem Dach, wenige Moment später eine Etage tiefer im Wohnzimmer.
»Was ist denn da los? Ist jemand bei uns eingebrochen?«
Er holte sein Spielzeugschwert aus dem Schrank und schlich sich die Treppe hinunter.
Als er leise die Wohnzimmertür öffnete, sah er einen großen dicken Mann mit weißem Bart. Er war in einem roten Mantel gekleidet, legte ein paar hübsch verpackte Pakete unter den Weihnachtsbaum und ging zum Kamin. Bevor er darin verschwand, drehte er sich noch einmal um und lächelte.
»Hallo Leon. Wie du siehst, gibt es mich doch. Aber weil ich so unendlich viel zu erledigen habe, gibt es überall auf der Welt meine Stellvertreter. Die kannst du immer wieder sehen. Aber trifft man nur in einer Nacht im ganzen Jahr. Und nun schlaf gut und freu dich auf Morgen früh.«
Der Weihnachtsmann zwinkerte, kletterte den Kamin hinauf und verschwand.
Leon legte sich überglücklich ins Bett und schlief ganz schnell ein.
Klaus legte die Geschichte zur Seite. So etwas Schönes hatte er wirklich schon sehr lange nicht mehr gelesen. Doch nun musste er unbedingt das Päckchen öffnen. Ungeduldig riss er das bunte Papier auseinander und fand darunter ein Buch. Als er die erste Seite aufschlug, stellte er fest, dass es mit der Hand geschrieben war. Die Schrift stammte von einem kleinen Jungen. In großen Buchstaben war dort zu lesen:
Nicki und Klaus – eine Weihnachtsgeschichte
Klaus schmunzelte. Damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet.
»Schau mal einer an. Es gibt doch tatsächlich Menschen, die mich überraschen können. Dann will ich das mal lesen.«
Er machte es sich gemütlich und blätterte um. Mit Erstaunen stellte er fest, dass es sich um Nickis Weihnachtstagebuch handelte und es begann am ersten Dezember.
Mittwoch, 01. Dezember
Nicki saß in seinem Kindersitz und sah aus dem Fenster, während Mama das Auto durch die Straßen steuerte.
»Schau mal, Mama, da ist der Weihnachtsmann. Bekomme ich heute Abend meine Geschenke?«
Mama sah sich um und entdeckte eine rotweiße Puppe, die unter einem Fenster hing.
»Das ist nicht der Weihnachtsmann. Das ist nur eine Puppe.«
…
Nicki und Klaus 25
Samstag, 25. Dezember
Es war genau Null Uhr. Der Schlitten des Weihnachtsmanns überflog genau in diesem Moment die Datumsgrenze.
»Jetzt geht es los.«, rief Klaus grinsend.
Dann schnappte er sich das erste Päckchen, steuerte über eines der Häuser und mit einem lang geübten Sprung ging es hinab in den Kamin.
»Du meine Güte.«
Nicki stockte der Atem.
»Hoffentlich hat er sich nichts gebrochen.«
Vorsichtig sah er nach unten und versuchte, den Weihnachtsmann zu entdecken. Doch da raste ihm bereits etwas Rotes entgegen.
»Huiii!«, machte er und landete wieder auf seinem Platz.
»Da kannst du mal sehen, wie schnell das geht.«
Klaus nahm die Zügel in die Hand und steuerte das nächste Haus an. Nach und nach flogen sie von einer Insel zur nächsten. Sie klapperten immer neue Länder ab und näherten sich über die einzelnen Zeitzonen Europa.
»Da vorn ist die deutsche Grenze. Gleich werden wir alle deine Freunde und Schulkameraden beschenken.«
In diesem Moment wurde Nicki ganz hibbelig. Nur zu gern wäre er selbst in einen der Kamine gehüpft, traute sich aber nicht zu fragen.
»Dann lass mich mal schauen, wer als nächstes auf der Liste steht.«, murmelte Klaus und sah in sein goldenes Buch.
Doch Nicki wusste es bereits. Das große Haus kannte er nur zu gut.
»Dort wohnt Max Lehmann.«, sagte er traurig
Klaus nickte.
»Hey, du bist gut. Woher weißt du das?«
Doch dann fand er den Eintrag im Buch.
»Oh, ich verstehe. Das ist der Junge, der dich ein Baby genannt hat, nur weil du noch an mich glaubst. Also bekommt er dieses Jahr wohl kein Geschenk. Er war nicht artig genug?«
Der Weihnachtsmann sah den Jungen fragend an, der ein paar Sekunden nachdachte.
»Ist schon in Ordnung. Mittlerweile weiß ich ja, dass es dich gibt. Ich verzeihe ihm. Machen wir ihm ein Geschenk. Es ist schließlich Weihnachten und er soll Morgen nicht enttäuscht sein.«
Klaus grinste.
»Das wollte ich nur von dir hören. Du bist wirklich ein guter Junge. Dann machen wir uns mal auf den Weg.«
Er packte Nickis Hand und stürzte sich mit ihm in die Tiefe. Sie rutschten durch den Kamin ins Haus und standen kurz darauf in Max Zimmer.
»Was machen wir hier?«, flüsterte Nicki.
»Ich dachte, wir legen das Geschenk unter den Baum, essen Kekse, trinken Milch und verschwinden wieder.«
Aber Klaus schüttelte den Kopf.
»Wolltest du ihm nicht beweisen, dass es mich gibt? Jetzt hast du die Chance dazu.«
Und schon schüttelte er den Jungen im Bett aus dem Schlaf.
»Hilfe! Was ist denn hier los? Wer seid ihr?«
Max bekam Angst. Doch dann erkannte er Nicki trotz des Bartes.
»Was soll denn die Nummer? Ich ruf die Polizei.«
Doch da hatte er die Rechnung ohne den Weihnachtsmann gemacht.
»Dann musst du aber auch deinen Eltern erklären, woher dein eigener Weihnachtsbart stammt.«
Er tippte Max ins Gesicht, hüllte den Jungen in ein helles Glitzern und ließ ihm einen langen weißen Bart wachsen.
»Du bist es wirklich? Du bist der Weihnachtsmann?«
Klaus nickte.
»Ja, ich bin es. Du kannst mich aber ruhig Klaus nennen.«
Max stockte der Atem, während der Bart in seinem Gesicht langsam verschwand. Doch dann brach er plötzlich in Tränen aus.
»Ich wusste es. Ich habe es immer gewusst. Ich habe Nicki nur deswegen so aufgezogen, damit niemand merken konnte, wie enttäuscht ich selber war. Mein Bruder hat mir vorgelogen, dass es dich gar nicht gibt. Ich war …«
Er konnte nicht mehr weiter sprechen. Er schluchzte vor Glück und Erleichterung und drückte sich an den dicken Bauch des Weihnachtsmanns.
»Keine Ursache, mein Junge. Wir wünschen dir alles Gute und fröhliche Weihnachten.«
Er schüttelte Max noch einmal die Hand, bevor er sich mit Nicki wieder auf den Weg machte.
Die nächsten Besuche in der Stadt verbrachten Nicki und Klaus schweigend. Doch Nickis Lächeln sprach Bände. Irgendwann begann er dann das erwartete Gespräch.
»Du hast es die ganze Zeit gewusst. Habe ich Recht?«
Klaus machte ein unschuldiges Gesicht.
»Iiich? Gewusst? Niiiemals.«
Und dann musste er sich vor Lachen den Bauch halten.
»Halt dich bereit. Wir müssen das nächste Geschenk ausliefern. Es ist was ganz Besonderes.«
Der Weihnachtsmann griff in den Sack und holte ein seltsam geformtes Paket hervor.
»Was soll denn das sein?«
Nicki wurde neugierig.
»Vielleicht kannst du es ja erraten. Denn jetzt ist es deine ganz persönliche Aufgabe, es zu überbringen.«
Der Junge verstand zuerst nicht. Doch dann sah er unter sich das Haus von Leons Familie.
»Hast du etwa seinen Brief und meine Antwort gelesen?«
Klaus nickte.
»Und ich hielt es sofort für meine Pflicht, dir dabei zu helfen. Ich kenne da nämlich jemanden, der mit noch einen Gefallen schuldig ist.«
Nicki grinste.
»Dann steckt da drin …?«
Er beendete seine Frage nicht. Stattdessen griff er sich das Paket und sprang furchtlos in den Kamin. Auf leisen Zehenspitzen schlich er sich in das Zimmer seines Freundes und weckte ihn.
»Mensch Nicki. Was machst du denn hier?«, fragte Leon.
»Der Weihnachtsmann hat mich zu dir geschickt. Er war der Meinung, dass ich dir dein Geschenk persönlich bringen soll.«
Leon verzog beleidigt das Gesicht.
»Nimm mich bitte nicht auf den Arm. Heute ist Weihnachten. Da kann ich das echt nicht brauchen.«
Doch da bekam er plötzlich riesige Augen, als vor seinem Fenster der Schlitten herab schwebte.
»Wenn ich vorstellen darf. Das ist Klaus, der Weihnachtsmann.«
Nicki wollte keine Zeit vergeuden und zog das Geschenk heran. Mit einem Ruck entfernte er das Papier und sah ihn nun auch zum ersten Mal vor sich. Leon blieb die Spucke weg.
»Das glaub ich jetzt nicht.«
Da musste ihm sogar Nicki bepflichten.
»Dann muss ich mich wohl selbst vorstellen.«, sagte der Osterhase.
»Ich bin der Osterhase. Aber zur Feier des Tages dürft ihr Mümmel zu mir sagen.«
Hätte jetzt jemand an der Tür gelauscht, hätte man drei lachende und glückliche Stimmen hören können.
Kurz darauf machte sich Nicki wieder auf den Weg durch den Kamin hinauf in den Schlitten.
»Mümmel hat mir gesagt, wir sollen ihn am Ende der Tour auf unserem Rückweg abholen.«
Klaus war einverstanden.
»So hatte ich es mit ihm abgesprochen.«
Und schon ging die wilde Fahrt weiter um die zweite Hälfte der Erde.
Nach vierundzwanzig Stunden waren endlich alle Geschenke verteilt und der Sack des Weihnachtsmanns geleert. Nun stand ein allerletzter Besuch auf der Liste. Erneut steuerten sie Deutschland an. Dort war es mittlerweile hell geworden. Der Vormittag hatte begonnen.
»Ich muss dich noch zu Hause abliefern. So hatte ich es mit deiner Oma abgesprochen.«
Nicki lächelte glücklich und drückte sich an Klaus.
»Vielen Dank für alles. Du hast mich zum glücklichsten Menschen der ganzen Welt gemacht.«
Der Weihnachtsmann kramte in seiner Manteljacke und holte einen altertümlichen Fotoapparat hervor.
»Ja, ich weiß.«, sagte er entschuldigend.
»Es gibt heutzutage digitale Geräte. Aber irgendwie komme ich damit nicht zurecht. Mir ist meine alte Kamera einfach lieber.«
Er sah Nicki fragend an.
»Du willst doch immer noch ein Beweisfoto von mir?«
Nicki schüttelte den Kopf.
»Mir reicht es völlig, dass wir so viel Zeit zusammen verbringen konnten. Mehr Beweis brauche ich nicht.«
Sie verabschiedeten sich. Nicki sprang ein letztes Mal aus dem Schlitten und landete im Kamin seines eigenen Hauses. Als er im Wohnzimmer angekommen war, sah er sich seinen Eltern gegenüber, die gerade die letzten Vorbereitungen für das Fest trafen. Erschrocken sahen sie ihren Sohn an. Mit so einer Überraschung hatten sie nicht gerechnet.
»Ho ho ho?«
Mehr fiel Nicki nicht ein. Doch da bekam er Hilfe von draußen. Ein lautes Ho ho ho war von dort zu hören. Seine Eltern liefen zum Fenster und sahen noch gerade eben den Schlitten mit dem Mann im rotweißen Mantel Richtung Norden fliegen.
Nickis Mutter stolperte rückwärts in den Sessel.
»Ich fasse es nicht.«, stotterte sie.
»Der Junge hatte die ganze Zeit recht.«
Überglücklich trat Nicki an das Fenster und sah Klaus noch eine Weile nach.
»Ich bin gespannt, was du zu meinem Weihnachtsgeschenk sagen wirst.«, murmelte er noch vor sich hin.
Nicki und Klaus 24
Freitag, 24. Dezember
»Da vorn ist es. Das ist Kiribati.«, erklärte Klaus und steuerte Rentiere und Schlitten etwas tiefer.
»Und was machen wir jetzt?«, fragte Nicki.
Wir können doch nicht mit allen Kindern und Eltern reden, um heraus zu bekommen, ob sie das ganze Jahr über brav waren. Das dauert doch viel zu lange.«
Der Weihnachtsmann nickte und tippte mit dem Zeigefinger auf ein kleines Display, das vor ihnen in den Schlitten eingebaut war.
»Das ist die neueste Weihnachtstechnik. Mein Computerprogramm erfasst alle schlimmen Taten der Kinder automatisch und wertet sie aus. Es kann sogar feststellen, ob Kinder dabei sind, die sich dafür schämen und bereuen, was sie angestellt haben.«
Stolz tippte er ein paar Mal auf ein paar Tasten herum.
»Aber wenn du wissen willst, wie das Ganze funktioniert, dann bist du bei mir an der falschen Adresse. Ich habe nämlich nicht die geringste Ahnung von Computern.«
Klaus lachte und kramte im Geschenkesack herum.
»Am liebsten verlasse ich mich immer noch darauf.«
Stolz zeigte er Nicki sein dickes, goldenes Buch.
»Da schreibe ich alles rein, was mir zu Ohren kommt. Denn nicht nur die Kinder schreiben ihre Wunschzettel, auch die Eltern berichten mir von ihnen. Ich weiß über alles ganz genau Bescheid. Aber meine Elfen wollten mir zum Geburtstag unbedingt etwas Modernes schenken. Also hab ich sie einfach machen lassen.«
Nicki musste lachen, als er das hörte.
In den nächsten Stunden flogen sie von einer Zeitzone in die nächste. Sie kamen an wunderschönen Sehenswürdigkeiten vorbei. Doch leider reichte der enge Zeitplan nicht, um Pausen einzulegen.
Was Nicki besonders irritierte waren die ständigen Wechsel zwischen Wärme und Kälte. Mal flogen sie durch das tief verschneite Sibirien, dann wieder über Wüstengebiete. Überraschenderweise musste er seinen Weihnachtsmantel nicht ständig an- und ausziehen, denn der Stoff regulierte automatisch die Temperaturunterschiede.
»Ist das nicht komisch, wenn man Weihnachten feiert und kann nur in kurzer Hose und T-Shirt herum laufen?«
Klaus stimmte ihm zu.
»Ich finde das auch seltsam. Aber Weihnachten findet nun mal jedes Jahr zur gleichen Zeit statt. Außerdem kann man die Länder des Äquators und der südlichen Erdkugel nicht einfach nach Norden verschieben. Die Menschen die dort leben haben sich einfach daran gewöhnt. Außerdem kann ich, wenn meine Arbeit getan ist, wieder nach Hause zum Nordpol fliegen und eine Schneeballschlacht mit meinen Wichteln und Elfen veranstalten. Darauf freuen sie sich bestimmt schon.«
Gemeinsam flogen sie einmal um die ganze Welt, bis sie wieder über dem pazifischen Ozean ankamen.
»Schau, da vorn ist wieder der Inselstaat Kiribati.«, erklärte Klaus ein weiteres Mal.
»Wir sind genau im Zeitplan. In zehn Minuten beginnt Weihnachten. Wir sollten schon mal die ersten Geschenke aus dem Sack holen. Gleich geht es los.
Nicki und Klaus 23
Mittwoch, 23. Dezember
Der Tag mit den letzten Vorbereitungen war schneller vorbei gegangen als gedacht. Es hatte einfach unglaublich viel zu tun gegeben.
Ein letztes Mal wurden der Schlitten und die Schuhe des Weihnachtsmanns auf Hochglanz geputzt. Die Felle der Rentiere wurden gestriegelt und der Inhalt des Geschenkesacks nur zur Sicherheit noch einmal überprüft. Die Wichtel und Elfen waren in heller Aufregung. Jetzt sollte es bald losgehen. Ihre Maschinen hatten sie vor ein paar Minuten abgeschaltet. Das letzte Paket, das hergestellt worden war, enthielt eine elektrische Eisenbahn. Sorgsam war es verstaut worden.
»Wir sind fertig, Chef.«, ertönte es aus der großen Halle.
In diesem Moment kam Klaus herein. Seinen Mantel in den roten und weißen Farben und die dazu passende Mütze hatte er bereits angezogen. Nun schlüpfte er mit den Füßen in die schweren Stiefel und grinste in die Runde.
»Leute, ihr habt Großartiges geleistet.«, lobte er seine fleißigen Helfer.
»Ohne euch würde ich das alles gar nicht schaffen. Wir sind ein perfektes Team. Sehr gern würde ich euch alle mit auf meine Reise nehmen, aber leider ist auf dem Schlitten nicht genug Platz für alle. Deswegen muss ich mich auf einen Beifahrer beschränken.«
Sein Blick fiel sofort auf Nicki, der sofort zu strahlen begann.
»Nicki, die Zeit mit dir war wunderbar. Du hast sie zu etwas ganz Besonderem gemacht. Durch dich hat unsere Aufgabe ein ganz neues Gesicht bekommen. Ich denke, es ist nur gerecht, wenn du mich begleiten wirst.«
Er holte eine Tasche hinter sich hervor und drückte sie dem Jungen in die Hand.
»Das ist für dich. Zieh es an. Unterwegs wird es ziemlich kühl werden.«
Nicki bekam große Augen, als er in die Tasche blickte. Ganz langsam zog er einen langen Mantel und eine Mütze heraus. Beide waren rot und weiß.
»Damit sehe ich ja so aus wie du.«, flüsterte er andächtig.
»Richtig.«, sagte Klaus.
»Wenn du ab und zu mal für mich in einen Kamin klettern wirst, musst auch aussehen wie ich.«
Er wedelte zwei Mal mit den Fingern um Nickis Kopf herum. Es begann geheimnisvoll zu Glitzern und ein paar Sekunden später wuchs dem Jungen ein langer, weißer Bart.
»Dann wollen wir mal.«
Klaus nahm Nickis Hand und gemeinsam stiegen sie auf den Schlitten.
»Öffnet die Tore. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Weihnachten wartet auf uns. Die Kinder dieser Welt wollen beschenkt werden.«
Die Rentiere scharrten ungeduldig mit den Hufen. Sie konnten es kaum erwarten, hinaus zu laufen und in den Himmel zu fliegen.
»Rudolph, gib Gas, mein Junge. Bring uns fort von hier.«
Darauf hatte das Rentier mit der roten Nase nur gewartet. Er lief los und seine Artgenossen taten es ihm gleich. Langsam setzte sich der Schlitten in Bewegung und rutschte auf seinen Kufen hinaus in die Nacht. Nicki war unglaublich aufgeregt. Er war zwar schon zum Nordpol mit den Schlitten geflogen, doch dieses Mal war es etwas ganz anderes. Dieses Mal würden sie um die ganze Welt reisen und alle Kinder geschenken.
»Juhuu, wir sind Weihnachten.«, rief er laut und lachte so glücklich, wie schon lange nicht mehr.
Nicki und Klaus 22
Mittwoch, 22. Dezember
Nicki saß in seinem Gästezimmer am Schreibtisch und dachte nach. So vieles hatte er seit Monatsanfang erlebt. Sein ganzes Leben hatte sich verändert. Dafür war er Klaus unglaublich dankbar.
»Ich möchte ihm ein Weihnachtsgeschenk machen. Als Weihnachtsmann bekommt er bestimmt keine. Es ist ja niemand da, der ihn beschenken kann. Das ist schließlich sein Job. Ich werde mir etwas ganz Besonderes überlegen.«
Also stand er auf und machte sich auf den Weg in das Arbeitszimmer.
»Dann schauen wir mal, wofür sich Klaus interessiert.«
Nicki warf vorsichtige Blicke in Schränke und Vitrinen. Das erste, was ihm auffiel, waren die vielen Bücher, die überall standen. Die meisten von ihnen waren schon stark abgegriffen. Sie sahen aus, als wären sie schon dutzende, wenn nicht gar hunderte Male gelesen worden.
»Lesen ist sein ganz großes Hobby.«, hörte Nicki plötzlich eine Stimme hinter sich.
Erschrocken drehte er sich um und sah einen Wichtel, der hinter ihm stand.
»Ich wollte nichts anfassen. Ehrlich.«, entschuldigte sich Nicki.
»Keine Angst. Der Weihnachtsmann ist da nicht so streng. Wir dürfen alle in seinen Büchern stöbern, so lange wir sie nicht kaputt machen.«
Der Wichtel nahm eines der Bücher zur Hand und blätterte darin herum.
»Er liebt Weihnachtsgeschichten. Leider hat er schon alle guten Bücher in seiner Sammlung. Es ist gar nicht so einfach guten Nachschub zu bekommen, deswegen liest er die alten Sachen immer wieder.«
Nicki nickte.
»Ich habe auch ein paar Bücher zu Hause, die wirklich schlecht sind. Da bekommt man große Lust, etwas zu schreiben, das viel besser ist.«
Mit dem Wichtel zusammen verließ er das Arbeitszimmer und unterhielt sich noch eine ganze Weile. Sie tauschten ihre Erfahrungen über Bücher aus, erzählten sich von den schönsten Geschichten, die sie kannten und träumten von den Erzählungen, die sie gern einmal lesen wollten, die aber in keinem einzigen Buch zu finden waren.
»Mensch, das ist es. Das ist die Idee, nach der ich gesucht habe.«
Nicki grinste über das ganze Gesicht.
»Ich werde Klaus eine Weihnachtsgeschichte schreiben. Darüber wird er sich bestimmt sehr freuen.«
»Oh ja.«, stimmte der Wichtel zu.
»Das wird ihm sehr viel besser gefallen, als die vielen Milchgläser und Kekse, die jedes Jahr in den Wohnzimmern auf ihn warten. Er kann sie schon nicht mehr sehen. Aber den Kindern zu liebe futtert und trinkt er alles weg. Deswegen hat er auch immer so einen dicken Bauch.«
Die beiden mussten lachen.
»Vielen Dank für deine Hilfe.«
Nicki schüttelte die Hand des Wichtels und verzog sich anschließend in sein Zimmer. Dort holte er Papier und Stifte hervor und begann zu schreiben.
Nicki und Klaus 21
Dienstag, 21. Dezember
»Nur noch drei Mal schlafen.«
Nicki war mittlerweile schon sehr aufgeregt. Er konnte an nichts anderes mehr denken. Schon bald würde er Klaus begleiten dürfen, um Geschenke an die Kinder der Welt zu verteilen.
»Nur noch drei Nächte.«, murmelte er wieder.
»Also eigentlich sind es sogar nur noch zwei, wenn wir es ganz genau nehmen wollen.«
Es war Klaus, der gerade seinen Kopf in das Gästezimmer gesteckt hatte.
»Warum sind es nur noch zwei?«, wollte Nicki wissen.
»Die Erklärung ist ganz einfach. Wir werden Heiligabend sehr viel zu tun haben. Das schaffen wir nicht in ein paar Stunden. Also brechen wir bereits in der Nacht vorher auf und machen uns auf den Weg. Und sobald es ganz weit im Osten zum ersten Mal Heiligabend wird, beginnen wir mit unserem ersten Rundflug um die Erde.«
Nicki runzelte die Stirn.
»Zum ersten Mal? Wird es denn mehrmals nacheinander Heiligabend?«
»Oh ja. Ganze vierundzwanzig Mal, denn die Erde ist in so viele Zeitzonen eingeteilt. Es beginnt im Pazifischen Ozean. Die Inseln des Staates Kiribati sind als erste dran. Deutschland braucht dann noch weitere elf Stunden, bis es in die Weihnachtstage rutscht.«
Nicki war beeindruckt. Das hatte er tatsächlich nicht gewusst.
»Und warum redest du von einem Rundflug? Verteilen wir dann noch keine Geschenke?«
Klaus schüttelte den Kopf.
»Hast du jemals in deinem Leben ein Weihnachtsgeschenk am Morgen des Heiligabend bekommen?«
er Junge schüttelte den Kopf.
»Ich musste immer bis zum nächsten Tag warten.«
Klaus nickte.
»An Heiligabend fliege ich in der Nacht um die Welt und schaue noch einmal nach allen Kindern. Ich kann dann noch die letzten Einträge in mein goldenes Buch schreiben, wer nun wirklich brav war, wer nicht und wer sich vor den Feiertagen noch einmal für seine schlechten Taten entschuldigt. Das ist alles sehr wichtig. Wenn wir dann vierundzwanzig Stunden später erneut bei Kiribati ankommen, beginnen wir mit der Verteilung der Geschenke.«
Nicki war erstaunt.Er hatte nicht gedacht, dass die Arbeit des Weihnachtsmanns so anstrengend sein konnte.
»Dann haben wir ja zwei richtig harte Tage vor uns. Aber ich werde dir dabei helfen.«
Klaus bedankte sich.
»Darauf habe ich die ganze Zeit gehofft.«
Nicki und Klaus 20
Montag, 20. Dezember
»Endspurt.«, rief Klaus, als er die Geschenkehalle betrat.
»Die letzte Woche hat begonnen. Wir müssen uns also ordentlich ins Zeug legen, damit wir im Zeitplan bleiben und rechtzeitig fertig werden.«
Nicki spuckte in die Hände und packte kräftig mit an. Die Elfen und Wichtel fütterten die Geschenkemaschinen und die Rentiere trainierten auf den Laufbändern. Klaus hatte sich einen Eimer und Lappen besorgt, mit denen er seinen Schlitten putzte und auf Hochglanz polierte. Nicki hatte es sich neben dem großen Sack gemütlich gemacht und holte noch einmal alle Geschenke hervor. An jedes einzelne Paket hängte er einen Antwortbrief, die er am Tag zuvor mit den Helfern des Weihnachtsmanns geschrieben, gemalt und gebastelt hatte. Dann legte er sie vorsichtig wieder zurück in den Sack.
»Ich kann es kaum erwarten, wenn wir in ein paar Tagen von Haus zu Haus fliegen und allen Kindern ihre Geschenke bringen.«
Klaus stimmte erfreut zu.
»Das ist auch für mich immer wieder ein tolles Erlebnis. Aber wir werden nicht nur die Kinder beschenken.«
Nicki sah ihn verwirrt an.
»Wen denn noch?«
»Auch wenn du mir das vielleicht nicht abkaufst, aber es gibt hier und da ein paar wenige Erwachsene, die immer noch an mich glauben. Und die kann ich doch nicht enttäuschen.«
Jetzt musste Nicki lachen.
»Ich habe in den letzten paar Tagen so viel erlebt und bin immer wieder davon überzeugt worden, dass es viel mehr Dinge gibt, als man heutzutage glaubt. Warum sollte ich gerade jetzt davon ausgehen, dass du mich anlügst. Vielleicht lasse ich mich irgendwann sogar noch davon überzeugen, dass es den Osterhasen gibt.«
Nicki und Klaus 19
Sonntag, 19. Dezember
Nicki hatte sich Zeit gelassen. Das Frühstück ließ er aus und kam erst eine Stunde später aus dem Gästezimmer. Mit einer Kiste voller Wunschzettel, leeren Briefbögen und Buntstiften kam er in den Essenssaal. Doch noch in der Tür bleib er verdutzt stehen. Alle Wichtel, alle Elfen und auch Klaus saßen noch an den Tischen und warteten geduldig auf ihn. Der einzige Unterschied zum Freitag war, dass schon alle erwartungsvoll schwiegen und warteten.
»Du hast uns aber ganz schön hingehalten.«, scherzte Klaus und nahm dem Jungen die Kiste ab.
»Was hast du denn nun mit uns vor?«
Nicki setzte sich und breitete ein paar Sachen vor sich aus.
»Wir werden jetzt gemeinsam die Wunschzettel lesen. Am besten machen wir das in Kleingruppen. Immer drei oder vier von uns setzen sich zusammen, lesen und überlegen sich gemeinsam, wie man eine passende Antwort aufs Papier bekommen könnte. Schreibt, malt, bastelt etwas. Es spielt keine Rolle, ob ihr besonders gut seid oder viel macht. Das Wichtigste ist, dass ihr es mit Liebe macht. Denkt daran, dass die Kinder an uns glauben. Sie wollen nicht enttäuscht werden. Sollten sie eines Tages den Glauben an uns verlieren, werden sie uns nicht mehr brauchen und wir stehen irgendwann alleine da. Und das werden wir hier und heute verhindern.«
Großer Jubel brandete durch den Saal und alle stürzten sich auf die Stifte und Wunschzettel. Klaus nahm Nicki zur Seite und streckte ihm den Daumen in die Höhe.
»Das war eine geniale Ansprache von dir. So eine Begeisterung habe ich seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt. Sie sind wie ausgewechselt. Ich glaube das wird das erfolgreichste Weihnachtsfest seit langer Zeit.«
Nicki und Klaus 18
Samstag, 18. Dezember
In der großen Geschenkehalle hatte sich über Nacht einiges getan. Die letzten freien Plätze zwischen den Maschinen, großen Geschenkebergen und dem Schlitten waren nun von Sportgeräten belegt worden. Da standen Trimmräder, Laufbänder, unzählige Hanteln und mehr.
»Was ist denn hier los?«, wunderte sich Nicki und sah sich verwirrt um.
»Wir haben nur noch eine Woche übrig. Dann ist Weihnachten. Es wird Zeit, dass wir die letzten Vorbereitungen beginnen lassen.«, erklärte Klaus.
Mit einem Grinsen auf den Lippen, das hinter seinem dichten Bart versteckt war, klatschte er laut in die Hände. Nur einen kurzen Augenblick später verstummten alle Elfen und Wichtel. Sie alle sahen nun zu den Eingangstoren, die sich langsam öffneten.
Mit majestätisch gehobenem Kopf und bedächtigen Schritten kam ein Rentier herein. An seiner roten Nase sah man sofort, dass es Rudolph war. Dicht hinter ihm folgten seine Freunde. Dasher und Dancer, Pracer und Vixen, Comet und Cupid, Donner und Blitzen.
Nacheinander kamen sie zum Weihnachtsmann, verneigten sich vor ihm und verteilten sich anschließend vor den Laufbändern.
Klaus holte ein Schweißband aus der Hosentasche, legte es sich um den Kopf und steckte sich eine Trillerpfeife in den Mund.
»Auf geht’s, Jungs. Jetzt machen wir euch fit für den Flug des Jahres.«
Er blies in die Pfeife und gab das Startsignal. Sofort rannten die Rentiere los. Ihre Hufe wurden von Sekunde zu Sekunde schneller, bis man ihnen mit den Augen fast nicht mehr folgen konnte.
Die Elfen und Wichtel feuerten die Tiere an. Scheinbar gab es hier sogar einige Fanclubs. Die meisten Zurufe gab es aber eindeutig für Rudolph. Er war mit Abstand der beliebteste Schlittenzieher des gesamten Nordpols.
»Na, was meinst du, wer die längste Strecke von allen schafft?«, fragte Klaus.
Nicki besah sich alle Rentiere ganz genau.
»Du denkst bestimmt, dass ich mich für Rudolph entscheide, weil er so beliebt, aber ich glaube nicht, dass er es schafft.«
Klaus sah ihn verdutzt an.
»Wie kommst du denn darauf, dass er es nicht schaffen könnte? Er ist das Leittier. Er ist der Kräftigste der ganzen Herde.«
Aber Nicki schüttelte den Kopf.
»Er ist vielleicht kräftiger als die anderen. Aber er weiß auch, dass er eine Sonderstellung hat. Also ruht er sich auf seinem Ruhm aus. Er geht einfach davon aus, dass ihn niemand schlagen kann. Daher strengt er sich auch nicht so richtig an.«
Nicki hatte bereits gesehen, dass Rudolph nicht ins Schwitzen kam. Die anderen Rentiere mühten sich dafür umso mehr ab.
»Ich tippe auf Donner. Seine Beine sind besonders flink.«
Klaus nickte und blies ein weiteres Mal in die Trillerpfeife.
»Und der Gewinner ist mit großem Vorsprung: Donner!«
Großer Jubel brach unter den Fans des Gewinners aus, während von den anderen Teams Buhrufe ertönten.
»Dann sollten wir die Rentiere mal in Ruhe für die heilige Nacht trainieren lassen. Sie haben einen wirklich anstrengenden Flug vor sich. Was hältst du davon, wenn wir uns in mein Arbeitszimmer zurück ziehen und bei einer Tasse Kakao ein paar Wunschzettel beantworten?«
Den Vorschlag nahm Nicki nur zu gern an.
Nicki und Klaus 17
Freitag, 17. Dezember
Erst am Morgen kam Nicki aus seinem Zimmer. Die Wichtel, Elfen und auch Klaus verstummten, als er den großen Speisesaal betrat.
»Guten Morgen.«, sagte er, als wüsste er nicht, was alle dachten.
Wortlos stellte er einen großen Karton auf einen kleinen Beistelltisch und setzte sich dann an seinen Platz. Er nahm sich eine Müslischale, füllte sie mit Cornflakes, Kakaopulver und Milch. Ganz ruhig und gemütlich rührte er um und steckte sich dann den ersten Löffel in den Mund.
»Jetzt sag schon.«, platzte es plötzlich aus Klaus heraus.
»Was hast du denn die letzten beiden Tage gemacht und was steckt in der Kiste.«
Nicki begann zu lachen und die anderen stimmten mit ein.
»Na endlich. Ich dachte, du wirst mich nie fragen.«
Der Junge stand auf, holte die Kiste und verteilte daraus an jeden Elfen, jeden Wichtel und an Klaus Briefumschläge.
»Ich habe die ganze Zeit Wunschzettel gelesen und mir überlegt, wie man sie beantworten könnte. Es reicht einfach nicht aus, wenn wir die Geschenkemaschinen programmieren und dann einen kurzen Gruß an die Pakete hängen. Die Kinder, die uns schreiben, haben sehr viel Zeit und Liebe in diese Briefe gesteckt. Sie erwarten einfach, dass wir das bei unserer Antwort auch machen.«
Er holte einen Brief aus dem Umschlag und zeigte ihn vor. In der Mitte des Blattes war ein Teddybär gemalt, der von ein paar handschriftlichen Sätzen umrandet war.
»So etwas ist doch viel schöner.«
Alle nickten.
»Und deswegen habe ich mir gedacht, dass wir uns am Sonntag, wenn der freie Tag ist, hier zusammen an die Tische setzen und gemeinsam die Briefe beantworten. Wenn sich das unter den Kindern herum spricht, werden auch wieder viel mehr an den Weihnachtsmann glauben und noch mehr Wunschzettel schreiben. Ihr werdet von ihnen nicht mehr so schnell vergessen werden.«
Großer Jubel hallte durch den Saal und Nicki bekam große Zustimmung zu seinem Plan.
»Dann werde ich mal schauen, wo ich meine Buntstifte gelassen habe.«, sagte Klaus zufrieden und stand auf.
Als er am Beistelltisch vorbei kam, fiel ihm ein Umschlag auf, der zu Boden gefallen war. Er hob ihn an und warf einen Blick drauf.
›An Leon‹ stand darauf.
»Dann schau ich doch mal, was da als Antwort drin steht.«, murmelte er und steckte den Brief ein.