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010. Der rote Faden

Der rote Faden

„Da beißt die Maus keinen Faden ab.“, sagte die Maus resignierend und blickte ihr Gegenüber enttäuscht an.
Der große Adler öffnete langsam seinen Schnabel, fuhr plötzlich pfeilschnell damit herab und biss den Faden in zwei Hälften.
„Was bin ich froh, dass ich dich an meiner Seite habe.“ Die Maus klopfte dem Adler anerkennend gegen den Schnabel. „Allein wäre ich sicherlich kein so erfolgreicher Schneider.

(c) 2023, Marco Wittler

009. Mitten ins Ziel

Mitten ins Ziel

Majestätisch glitt der Adler mit ausgebreiteten Flügeln durch die Lüfte. Geschickte nutzte er die Thermik aus, um sich ohne viel Krafteinsatz in die Höhe zu schrauben.
In schwindelnder Höhe suchte er sich sein Ziel und stürzte sich hinab.
Der Adler wusste, dass er ins Schwarze treffen würde. Er hatte es mehr als einmal unter Beweis gestellt.
Und dann traf er mit seinem Schnabel die Zielscheibe genau in der Mitte.
„100 Punkte“, rief der Schiedsrichter. Die Gegner nickten dem Adler anerkennend zu.

(c) 2023, Marco Wittler

008. Was die Zukunft bringen mag

Was die Zukunft bringen mag

Langsam hob Pina die durchsichtige Kugel, die auf ihrer Handfläche lag, nach oben. Für ein paar Sekunden schloss sie dabei die Augen und murmelte unverständliche Worte und Formeln. Erst dann blickte sie in das Innere der Kugel.
„Ich sehe eine großartige Zukunft für dich. Du wirst schon bald auf eine Reise gehen und dich in warmen Wassern entspannen können.“
Mama, die ihrer Tochter zugehört hatte, verdrehte die Augen. „Dann solltest du endlich aus der Badewanne kommen und mir Platz machen.“

(c) 2023, Marco Wittler

007. Leuchtfeuer

Leuchtfeuer

Ein Geist schwebte über das Meer hinweg und blickte sich unsicher um.
»Wenn es bloß nicht so dunkel wäre. Man sieht kaum die Hand vor Augen. Wie soll ich den rechten Weg finden? Gäbe es doch jemanden, der mir die Richtung zeigt.«
Er hielt inne. Ihm fielen mehrere hohe Türme ein, die er am Tag an der Küste gesehen hatte. Er kehrte um.
Nach und nach suchte der Geist die Türme auf, durchdrang deren Mauern und schaltete die Lichter ein.
»Das ist viel besser. Jetzt muss ich keine Angst mehr haben.«

(c) 2023, Marco Wittler

006. Sturmgepeitscht

Sturmgepeitscht

Ein Sturm fegte über die Küste. Im Dorf wurden Dächer abgedeckt. Nur einer hielt dem Wetter tapfer stand. Der Leuchtturmwärter kontrollierte die Fenster, als der Wind das Glas zerbrach und das Leuchtfeuer erlosch.
„Verdammt! Wat nu?“
Der nasse Docht ließ sich nicht wieder entzünden.
„Zeit für Notfallplan B!“
Der Leuchtturmwärte griff nach einem Eimer und kippte ihn durch eines der Fenster aus. Bunte Neonfarben ergossen sich über den Leuchtturm, die ihn zum Strahlen brachten.
„So geht’s auch.“

(c) 2023, Marco Wittler

005. Kaffeeklatsch

Wie jeden Donnerstag saß die Damenrunde im Garten an einer gedeckten Kaffeetafel. Das leise säuselnde Geräusch, das sich langsam näherte, bemerkte niemand.
„Angriff!“, rief eine laute Stimme. Augenblicklich stürzte sich ein Vogelschwarm auf den Tisch und machte sich über den frisch gebackenen Kuchen her.
Mitten in der Bewegung stockten die Tiere und blickten die Gastgeberin finster an. „Was soll das denn sein? Ist ja völlig trocken. Merk dir gefälligst für nächste Woche: Aber bitte mit Sahne!“

(c) 2023, Marco Wittler

004. Sommerhitze

Sommerhitze

„Puh, was ist das heute für eine unerträgliche Hitze. Das hält man ja im Kopf nicht aus.
Die Sonne blickte zur Erde hinab, sah die vielen verdorrten Flächen, deren Oberflächen schon lange tiefe Risse zeigten. Nur in weiter Ferne konnte man das kühle Meer erahnen.
Sie wischte sich mit einem riesigen Taschentuch die Schweißperlen von der Stirn.
„Mir reicht es jetzt. Ich brauche eine Abkühlung.“
Viel früher als sonst ging sie unter und gönnte sich hinter dem Horizont eine Abkühlung im Meer.

(c) 2023, Marco Wittler

003. Riesenfuß

Riesenfuß

Ein Schatten legte sich über den Dorfplatz und näherte sich mit donnernden Schritten der Hütte des Schmieds.
Eine Hand griff zum Dach und riss es mit Leichtigkeit fort. Dafür senkte sich ein übel stinkender Fuß herab.
„Zehennägel schneiden!“, rief der Riese zum Schmied.
„Och nee. Nicht schon wieder.“ Der Schmied seufzte. „Nur weil ich Äxte herstelle, heißt das nicht, dass ich auch eine Podologiepraxis führe. Die steht immer noch nebenan. Also verzieh dich, Herbert und reparier mein Dach.“

(c) 2023, Marco Wittler

002. Mafia-Methoden

Mafia-Methoden

Kater Paul stand am Ufer eines Waldsees. Gern hätte er drin gebadet, doch die düsteren Gerüchte um diesen Ort hielten ihn auf. Hier sollte die Mafia das Sagen haben.
Plötzlich kam jemand auf ihn zu. Ein Krokodil in Nadelstreifenanzug mit Hut und Goldzahn im Gebiss, grinste den Kater an.
„Ich mache dir ein Angebot, dass du nicht ablehnen kannst.“
Paul schluckte zitternd.
„Freibad-Eintritt nur drei fuffzich.“ Das Krokodil reichte Paul die Eintrittkarte und winkte den nächsten Badegast herbei.

(c) 2023, Marco Wittler

001. Zielplanet

Zielplanet

Captain John saß im Kommandosessel und starrte auf den großen Hauptschirm. Die lange, interstellare Reise war zu einem Ende gekommen. Er hatte den Zielplaneten endlich erreicht.
„Hoffen wir, dass er bewohnbar ist. Die Siedler brauchen eine neue Welt.“
In diesem Moment stürmte ein riesiges Wesen aus den Tiefen des Alls herbei und schleuderte den Planeten fort.
John rieb sich die Augen. Das Monster war seine Katze, der Planet ein Wollknäuel. Hätte er Gestern bloß nicht so tief ins Glas geschaut.

(c) 2023, Marco Wittler