MicroFiction
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036. Bohnen
Bohnen
„Wo willst du denn mit der Dose hin?“
Mama sah ihrer Tochter Emily neugierig hinterher, immerhin standen Herd und Mikrowelle in der Küche, nicht im Bad.
„Die Bohnen esse ich in der Badewanne, ich habe nämlich etwas vor.“
Bohnen? Badewanne? Sehr seltsam. Mama ging neugierig hinterher und fand Emily essend in der Wanne. „Was wird denn das?“
Emily grinste. „Papa will keinen Whirlpool kaufen, deswegen pupse ich mir einfach einen.“
(c) 2023, Marco Wittler
035. Briefträger
Briefträger
Während Briefträger Martin auf das nächste Haus zuging, griff er in seine große Tasche und holte das nächste Kuvert hervor.
Bevor er es in den Briefkasten steckte, wollte er noch einmal die Namen vergleichen. Er stutzte. Dort stand „an den netten Briefträger“.
Neugierig öffnete er den Umschlag, holte einen Zettel hervor und las, was dort stand.
„Vielen Dank, dass du uns jeden Tag die Post bringst. Du machst das ganz toll. Du bist der Beste.“
Martin bekam vor Freude rote Wangen.
(c) 2023, Marco Wittler
034. Kaugummi
Kaugummi
„Das schaffen wir niemals.“ Die kleine Ameinse blickte verängstigt auf den breiten Wasserstrom, den der starke Regen gebildet hatte und sich nun durch den Wald zog. „Wir sind von den anderen abgeschnitten.“
„Du musst nur an dich glauben und eine geniale Idee haben. Dann ist alles möglich.“ Ihr Begleiter, ein Käfer, zog einen Kaugummi aus der Tasche, steckte ihn in den Mund und machte eine große Blase. Er nahm die Ameise an der Hand und flog mit ihr zum anderen Ufer.
(c) 2023, Marco Wittler
031. Heiße Schokolade
Heiße Schokolade
Wie startet man gut in einen neuen Morgen? Richtig! Mit einem Becher heißer Schokolade. Lecker.
Ich bereitete mir nur noch meine Brote zu und setzte mich damit an den Tisch.
Dort war ich allerdings nicht allein. Auf dem Rand meiner Tasse hatten sich mehrere Fliegen niedergelassen.
Moment mal. Trugen sie Bademode?
In diesem Moment sprang eine los und landete im Kakao. „Arschbombe!“
Eine zweite Fliege blies in eine Pfeife. „In meinem Schwimmbad wird nicht vom Beckenrand gesprungen!“
(c) 2023, Marco Wittler
030. Lieferung
Lieferung
Es klingelte. Draußen stand der Bote mit einem Paket.
„Gleich ist es so weit. Ich kann es kaum noch abwarten.“
Vor Aufregungen hibbelte die kleine Fliege am Fenster hin und her und steckte ihre Artgenossin damit an.
Die Hausherrin öffnete die, nahm das Paket entgegen und packte es aus. Das Polstermaterial ließ sie achtlos liegen.
„Es ist so weit.“ Die erste Fliege ließ sich in die Luftpolsterfolie fallen und wurde wieder in die Höhe geschleudert.
„Endlich ist das neue Trampolin da. Juhuu!“
(c) 2023, Marco Wittler
029. BÄMM!
BÄMM!
„Oh nein, nicht schon wieder. Ich bin es langsam wirklich satt.“
Aus den Tiefen des Alls sah die Erde eines dieser verhassten Dinger mit hoher Geschwindigkeit auf sie zukommen. Der Zusammenstoß war nicht mehr zu verhindern und würde jeden Augenblick geschehen.“
BÄMM! Der Queue stieß sie an und beförderte sie in das nächste schwarze Loch.
„Wäre ich doch nur im Sonnensystem geblieben. Den Job als Billardkugel der Götter habe ich mir irgendwie anders vorgestellt.“
(c) 2023, Marco Wittler
028. Wagemut
Wagemut
„Jetzt zeig ich euch, was ein wagemutiger Pilot alles kann.“
Der Captain übernahm die Kontrollen des Raumschiffs. „Wir werden die Milchstraße streifen.“
Die Milchstraße streifen? Den Brückenoffizieren stockte der Atem. Das hatte sich noch niemand gewagt.
Sie rasten los. Der weiße Schimmer kam immer näher. Der Captain zog das Schiff rum, kurbelte das Fenster runter und hielt seinen Kaffeebecher raus.
„Perfekt. Und beim nächsten Einkauf wird nicht wieder die Milch vergessen. Ich werd sonst sauer.“
(c) 2023, Marco Wittler
027. Schwarzes Loch
Schwarzes Loch
„Captain, wir sind im Schwerefeld gefangen. Der Antrieb ist nicht stark genug, um uns von hier wegzubringen. Es zieht uns rein.“
Der Captain nickte grimmig und schlug mit der Faust auf die Lehne seines Sessels. Dieses Mal waren sie dem schwarzen Loch zu nah gekommen. Das rächte sich nun. „Möchte noch jemand letzte Worte sagen, bevor es uns zermalmt?“
„Maxi? Was machst du da?“ Mama war ins Bad gekommen und sah ihn grimmig an. „Hast du schon wieder eine Erbse ins Waschbecken geworfen?“
(c) 2023, Marco Wittler
026. Chips
Chips
Im Nachbarbüro krachte es. Der Chef stand genervt auf und ging rüber.
„Müller, was soll das? Essen sie schon wieder Chips? Warten sie damit bis zur Pause.“
Müller schüttelte den Kopf. „Das war ich nicht.“
Ein paar Minuten später krachte es erneut. Dieses Mal blieb der Chef sitzen. „Müller! Letzte Verwarnung!“
Müller packte die Chipstüte, um sie abzuliefern. „Moment mal. Essen sie etwa Kuchen?“
Der Chef wurde rot im Gesicht. „Wie kommt der denn hierher? Den muss hier jemand vergessen haben.“
(c) 2023, Marco Wittler
025. Warten
Warten
Mama kam in die Küche und blieb verwundert stehen. „Was machst du da?“
„Ich warte“. Ihre Tochter Fine lag am Boden und bewegte sich nicht.
„Ist das nicht ungemütlich? Ich bin mir sicher, dass das Sofa viel weicher sind.“
Fine grinste. „Nö. Ich bin genau an der richtigen Stelle. Dauert auch nicht mehr lange.“
Mama runzelte die Stirn.
„Jetzt!“ Fine riss den Mund auf. Ein Pfannkuchen fiel ihr ins Gesicht.
„Den hat Papa beim Umdrehen zu hoch geworfen. Ich hab gewartet, bis ich ihn essen kann.“
(c) 2023, Marco Wittler