MicroFiction
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063. Lava
Lava
„Mit jedem Schritt steigt die Gefahr.“ Paul zeichnete alle Eindrücke mit seinem Handy auf. „Ich nähere mit dem Kraterrand des Vulkans. Es verbleiben nur wenige Meter, bis ich hinein und auf die Lava blicken kann.“
Plötzlich gab er Boden nach. Die Kante brach. Das Innere des Feuerbergs war nun nicht mehr zu stoppen und ergoss sich Richtung Tal.
„Verdammt! Was habe ich getan? Ich muss sofort weg!“
Mama seufzte erleichtert. „Dann kannst du ja endlich den Kartoffelpüreevulkan essen.“
(c) 2023, Marco Wittler
062. Marienkäfer
Marienkäfer
„Papa, lass das sein!“ Emily sah ihn mit strengem Blick an. „Leg die Zeitung weg. Du darfst dem Marienkäfer nichts tun. Wir fangen ihn vorsichtig ein und lassen ihn draußen wieder frei.“
Papa seufzte, während er die Zeitung gegen einen Becher tauschte. Er warf einen Blick auf das Fenster. Dort saßen noch mehrere Dutzend Käfer, die sich vor ein paar Minuten ins Haus verirrt haben.
„Dann hilfst du mir aber.“ Emily warf die Arme in die Luft und begann zu jubeln.
(c) 2023, Marco Wittler
061. Diebstahl
Diebstahl
Aus dem Schatten näherte sich eine schwarze Pfote dem geöffneten Kühlschrank. Kurz bevor er den Käse erreichte, wurde sie entdeckt.
„Kater Plusch! Du sollst nicht klauen.“
Unter lautem Protest zog der Kater die Pfote vom Kühlschrank zurück. Leise begann er zu kichern, denn zeitgleich hatte er sich aus dem Regal darunter die Tüte mit den Leckerlis geklaut. Die Menschen waren so leicht zu täuschen. Der Trick funktionierte immer wieder.
(c) 2023, Marco Wittler
060. Schlammgrube
Schlammgrube
Wehmütig blickte Schweinchen Paul auf den Hof zurück. Auf die Urlaubsfahrt hatte er sich seit Monaten gefreut, doch nun musste er seine geliebte Schlammgrube zurücklassen.
Er wischte sich eine Träne aus dem Gesicht, drehte sich um und betrat den Nachbarhof.
„Moin Kalle.“, begrüßte er seinen grunzenden Kumpel und hüpfte in den dessen Grube. „Ist fast so gemütlich wie Zuhause. Wenigstens kann ich meinen Lieblingsplatz von hier aus im Auge behalten. Dann kann sich niemand daran vergreifen.“
(c) 2023, Marco Wittler
059. Zahnfee
Zahnfee
Leise öffnete sich das Fenster. Eine schemenhafte Gestalt schwebte aus der Dunkelheit der Nacht zum Bett. Sie streckte eine Hand aus, fuhr damit unter das Kopfkissen und holte einen Zahn hervor. Zum Ausgleich schon sie einen Taler an dessen Platz.
Die Gestalt verstaute ihren Fund in einem Säckchen und seufzte.
„Hätte ich doch nur einen richtigen Job gelernt. Zahnfee klang so romantisch. Und nun sammle ich alte, stinkende Zähne, die niemand mehr haben will. Und dafr muss ich sogar noch bezahlen.“
(c) 2023, Marco Wittler
058. Lawine
Lawine
„Achtung Lawine!“
Die Leute um mich sprangen in alle Richtungen davon, um sich Schutz zu suchen, während ich die Gefahr noch nicht in Gänze verstanden hatte.
Ich blickte zum Berg, sah die große, weiße Kugel auf mich zu rollen. Für eine Flucht war es zu spät. Sie würde mich erwischen.
Ich schloss die Augen. Doch dann geschah … nichts.
„Moin!“
Ich öffnete die Augen wieder und sah, wie sich die Kugel entrollte und mich ein grinsender Eisbär anblickte. „Macht Spaß. Musst du auch mal probieren.“
(c) 2023, Marco Wittler
057. Pluto
Pluto
„Haha. Du gehörst nicht mehr zu uns. Du bist kein echter Planet mehr.“
Mars und Jupiter lachten. Sie machten sich über den kleinen Pluto lustig, der sich bereits von den anderen zurückzog.
„Ist mir doch egal. Mit euch arroganten Typen will ich nichts zu tun haben. Ihr tut mir eh leid. Zieht ganz allein eure Bahnen.“
Pluto sah sich um und freute sich. Im Gegensatz zu den anderen hatte er im Kuipergürtel ganz viele Asteroiden um sich herum. Er war nicht allein im All.
(c) 2023, Marco Wittler
056. Sonde
Sonde
In den Tiefen des Alls näherte sich eine Raumsonde der Sonne. Schon bald würde sie spektakuläre Bilder zur Erde schicken. Es machte Klick. Die erste Aufnahme war im Kasten.
Die überraschte Sonne drehte sich um, entdeckte das Raumgefährt und seufzte.
„Verdammte Paparazzi. Nicht mal in den Weiten des Alls hat man seine Ruhe.“
Sie schleuderte eine Protuberanz von sich und ließ die Sonne schmelzen.“
„Jetzt habe ich endlich wieder meine Ruhe. Wehe ich sehe später ein Bild von mir in der Bunten.“
(c) 2023, Marco Wittler
055. Seepferdchen
Seepferdchen
Auf dem Dressurplatz machte sich der nächste Reiter bereit. Jetzt galt es, um die heiß begehrte Goldmedaille zu kämpfen.
Das Startsignal ertönte, das Pferd setzte sich in Bewegung. Doch noch vor dem ersten Hindernis bockte es, warf seinen Reiter ab und verließ das Stadion. Nur wenige Meter davon entfernt sprang es in einen See und schwamm davon.
„Ich hab die Nase voll, ständig jemand auf mir durch die Gegend zu tragen. Ich schule um auf Seepferdchen. Das habt ihr jetzt davon.“
(c) 2023, Marco Wittler
054. Tarzan
Tarzan
„Schaut mich an! Ich bin Tarzan. Ich schwinge mich von Liane zu Liane, von Ast zu Ast.“
Todesmutig streckte die kleine Fliege ihre Arme aus und sprang. Beinahe hätte sie die nächste Wimper verfehlt, erreichte sie dann aber doch noch.
„Pah! Ich bin sogar noch besser als Tarzan.“
In diesem Moment näherte sich eine Hand. Die Fliege startete ihre Flügel und schwang sich in die Lüfte.
„Verdammt! Warum müssen diese Menschen immer genau dann wach werden, wenn es gerade besonders viel Spaß macht?“
(c) 2023, Marco Wittler