Minutengeschichten

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219. Wilhelm lebt Halloween

Wilhelm lebt Halloween

Wilhelm blickte auf den Kalender. Im Kalender der Geisterschule stand HALLOWEEN.
„Hui. Die Nacht der Nächte.“ Er freute sich schon. Im Lehrbuch für junge Geister hatte er viel dazu gelesen. „Heute werde ich den Menschen das Fürchten lehren.“
Er durchdrang das alte Gemäuer, wollte gerade ein schauriges Boo in die Dunkelheit rufen, als ihn ein teuflisches Lachen erschrak. Wilhelm schrie und floh zurück in die Schule.
„Anfänger!“ Der geschnitzte Kürbis auf der Schultreppe schmunzelte zufrieden.

(c) 2023, Marco Wittler

218. Wilhelms Sommerspuk

Wilhelms Sommerspuk

Wilhelm schlug das dicke Lehrbuch der Geisterschule auf und las sich die nächste Lektion durch: ‚Wie man als Geist durch den Sommer kommt.‘
„Wie? Die Nacht ist im Sommer so kurz, dass nur wenig Zeit zum spuken bleibt? Dann muss ich sehr ausgeruht sein, um mein Pensum zu schaffen.“
Er legte sich auf seine Luftmatratze im Pool und verschlief die Nacht.
„Egal.“ Wilhelm grinste. „Zu viel Stress ist ungesund. Ich kann auch im Herbst die Nacht bespuken.“
Er griff zum Cocktail und seufzte wohlig.

(c) 2023, Marco Wittler

217. Wilhelm trifft ins Ziel

Wilhelm trifft ins Ziel

Wilhelm war sicher, die heutige Lektion des englischen Lehrbuchs der Geisterschule verstanden zu haben. Im Frühling brauchte es besondere Ausrüstung, um Menschen zu erschrecken.
Er schwebte in die Waffenkammer, griff nach Pfeil und Bogen.
Kaum sah er einen Menschen, schoss er mit seinem Bogen einen Pfeil und traf. Augenblicklich verliebte sich dieser in einen anderen.
Wilhelm seufzte. „Im Buch stand ‚weapons and armor‘, nicht ‚Amor‘. Hatte er glatt den Liebsgott mit einer Rüstung verwechselt.

(c) 2023, Marco Wittler

216. Wilhelm ist der Vielfach-Schreck

Wilhelm ist der Vielfach-Schreck

Wilhelm schlug das Lehrbuch der Geisterschule zu. Den Winter zum spuken und erschrecken der Menschen benutzen, war sowas von einfach. Er stellte sich bereits vor, wie er sich in jeder Schneeflocke spiegelte und tausendfach Schrecken verbreitete.
Wilhelm verließ das Gebäude, sah sich um. „Oh nein. Wie schön ist das hier draußen. Ich liebe den Winter.“
Er tanzte, fing Schneeflocken mit der Zunge und schnappte sich einen Schlitten, um damit ins Tal zu rodeln.

(c) 2023, Marco Wittler

215. Wilhelm macht Gewitter

Wilhelm macht Gewitter

‚Lektion 3: Erzeuge ein kräftiges Gewitter und erschrecke die Menschen damit.‘
Nichts leichter als das. Wilhelm schlug das Buch der Geisterschule zu und blickte aus dem Fenster zu den Wolken hinauf. „Das ist aber ganz schön hoch. Das wird nichts mit meiner Höhenangst. Ich brauche eine Alternative.“
Er sah sich um. Sein Blick fiel auf den Lichtschalter. „Das ist besser.“ er drückte drauf. An. Aus. An. Aus. Wilhelm grinste. Er begann zu singen und zu tanzen.
„I like to move it move it.“

(c) 2023, Marco Wittler

214. Wilhelm erstarrt

Wilhelm erstarrt

Wilhelm schlug das Buch der Geisterschule zu. ‚Wie man jemanden erstarren lässt.‘ Nichts einfacher, als das.
Er grinste, durchdrang die Wand seines Zimmers und baute sich vor sich dem erstbesten Menschen auf, der ihm begegnete. „Booooh!“
Doch statt zu erstarren, begann der Mensch zu lachen und ging dann weiter.
Wilhelm kratzte sich am Kopf. Was hatte er nur falsch gemacht?
Und schon war er selbst erstarrt. Ohne es zu merken, war er im Nachbargebäude in einem Tiefkühlschrank mit Glastür gelandet.

(c) 2023, Marco Wittler

213. Alpakas

Alpakas

„Endlich Da vorn liegt eine Alpakaherde ganz eng aneinander gekuschelt.“ Katha griff zum Handy. Diesen Augenblick musste sie unbedingt festhalten. Der Flug nach Südamerika hatte sich jetzt schon gelohnt.
„Ob den Tieren wohl kalt ist und sie sich gegenseitig aufwärmen?“
Katha ging näher und hörte plötzlich mehrere der Tiere flüstern. „O.M.G. Wie kann man nur so ein weiches Fell haben. Ich werde nie wieder aufhören, mit euch zu kuscheln. Wir Alpakas sind die Besten.“

(c) 2023, Marco Wittler

212. Milchstraße

Milchstraße

Paolo holte eine Flasche Hafermilch aus dem Kühlschrank.
„Was hast du vor?“ Seine Schwester legte ihre Stirn in Falten. „Die magst du doch gar nicht.“
Paolo legte den Zeigefinger auf die Lippen. „Stör mich nicht. Ich bin kreativ.“
Er öffnete die Flasche und kippte mehrere Schluck auf dem Küchentisch. Dann nahm er ein paar Schokostreusel und ließ sie in die Flüssigkeit fallen. Er griff zum Handy und machte ein Foto.
„Wir sollen ein Bild der Milchstraße machen und ich hab keine Lust zu malen.“

(c) 2023, Marco Wittler

211. Im Sturm

Im Sturm

Ein Sturm tobte über dem Meer und peitschte die Wellen auf.
Ein Boot war noch draußen und nun den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert.
„Der Orkan wird immer stärker. Wir halten das nicht mehr lange durch. Wir werden es nicht mehr nach Hause schaffen.“
Da sprang ein Hund ins Wasser, schnappte sich das Boot und brachte es aufs Trockene.
„Fido!“, beschwerte sich Mia. „Du darfst nicht mit in die Badewanne. Du störst mich beim Unwetter spielen.“

(c) 2023, Marco Wittler

210. Wilhelm kann sich nicht entscheiden

Wilhelm kann sich nicht entscheiden

Wilhelm kratzte sich am Kopf. Na gut, er versuchte es nur, denn die Hand durchdrang ihn einfach, denn Willy war ein Geist.
Noch einmal blickte er in das Lehrbuch aus der Zauberschule. Dort stand: Such dir eine alte Burg und schwebe durch ihren Eingang.
„Mist.“ Er blickte auf die drei Tür vor sich. „Da steht was von EIN GANG, und nicht dreien. Welche muss ich denn jetzt nehmen? Sind wir hier bei Geh aufs Ganze, oder was?“
Enttäuscht kehrte er in den Klassenraum zurück. Das war nicht seine Nacht.

(c) 2023, Marco Wittler