Märchen

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108. Scharf

Scharf

„Das duftet so frisch und lecker.“
Die Schlange kroch seit ein paar Minuten um ein Hustenbonbon herum, das ein Mensch hatte fallen lassen. Irgendwann entschloss sie sich, es zu verspeisen.
„Verdammt, ist das scharf. Meine arme Zunge.“
Sie kroch weiter, stieß gegen einen Kaktus. „Meine Zunge ist taub, ich sehe nichts mehr.“
Das war das Schlimmste überhaupt, denn sie nahm ihre Umgebung mit der Zungenspitze wahr.
Genervt besorgte sie sich eine Sehhilfe, wurde so zur ersten Brillenschlange.

(c) 2023, Marco Wittler

107. Verrückt

Verrückt

„Papa, können wir mal etwas Verrücktes machen, damit die Menschen über uns staunen, den Kopf schütteln, sich fragen, warum wir das tun? Fallschirmspringen, Wände bemalen oder was ganz anderes.“
Papa sah sein Kind nachdenklich an und nickte schließlich grinsend.
Zehn Minuten später hatte er sich ein riesiges Quietscheentchen und den einen Arm geklemmt, das Kind an der anderen Hand und spazierte lachend durch die Stadt.
„Das habe ich mir irgendwie anders vorgestellt, Papa. Das ist voll peinlich.“

(c) 2023, Marco Wittler

106. Das unbeugsame Wölkchen

Das unbeugsame Wölkchen

Es war ein sonniger und warmer Tag. Der Himmel war blau und keine einzige Wolke war zu sehen.
Wirklich keine? Nein. Ein unbeugsames Wölkchen schlich sich vor die Sonne und fiel in kleinen Tröpfchen zur Erde hinab.
„Was wird das denn? So war das Wetter aber nicht abgesprochen.“ Die Sonne schickte ihre warmen Strahlen aus, verdampfte jedes einzelne Tröpfchen und setzte die Wolke wieder zusammen. Dann schob sie sie fort.
„Du hast heute deinen freien Tag. Komm doch bitte Morgen wieder.

(c) 2023, Marco Wittler

105. Muse

Muse

Der Geschichtenerzähler saß noch spät vor einem leeren Blatt Papier.
„Verdammt! Mir fällt nichts ein.“
Er vergrub das Gesicht in den Händen und bemerkte nicht das Wesen, dass hinter einem Bild hervorlugte. Die kleine Muse schnappte sich zwei Büroklammern, ließ sie in der Hoffnung tanzen, den Erzähler zu einer Geschichte inspirieren zu können.
„Jetzt sehe ich schon lebendige Büroklammern.“ Er stand auf. „Ich brauche wohl eine Mütze voll Schlaf.“
Die Muse seufzte. „Dem ist nicht mehr zu helfen.“

(c) 2023, Marco Wittler

104. Gesang

Papa hörte am späten Abend Gesang aus dem Kinderzimmer. Lief noch das Radio? Die Kinder sollten schon längst schlafen.
Er schlich hinein, drückte den Abschaltknopf des Geräts. Es verstummte allerdings nicht.
„Was geht denn da vor?“
Er sah hinter das Radio und entdeckte dort den Hamster, der mit Leibeskräften sang.
„Ich weiß, dass du nachtaktiv bist, aber für dich gilt auch die Nachtruhe.“
Der Hamster stemmte die Pfoten in die Seiten. „Ich muss aber für Deutschland sucht den Superhamster üben.“

(c) 2023, Marco Wittler

103. Captain Scott Schimpanse schmeißt hin

Captain Scott Schimpanse schmeißt hin

Captain Scott Schimpanse stöhnte genervt. So hatte er sich den Job nicht vorgestellt.
„Ich bin der Kommandant des Raumschiffs BANANENSCHALE. Ich wurde zu Höherem geboren. Ich soll neue Welten erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Aber ständig zieht muss ich mich um Anderes kümmern. Ich mache das nicht mehr mit. Ich häng den Job an den Haken.“
Seine Frau kam in die Küche des gemeinsamen Quartiers. „Wenn du weiter Mittagessen auf dem Tisch willst, dann spülst du gefälligst weiter.“

(c) 2023, Marco Wittler

102. Captain Scott Schimpanse genießt die Sonne

Captain Scott Schimpanse genießt die Sonne

Captain Scott Schimpanse drehte sich in der Hängematte. In den letzten Stunden war die Sonne gewandert und hatte eine neue Position eingenommen. Um im Gesicht braun zu werden, musste sich der Kommandant des Raumschiffs BANANENSCHALE neu ausrichten.
Kaum war er eingeschlafen, veränderte sich die Richtung erneut. Dann wieder und wieder.
„Was soll das? Ich entspanne gerade.“
Die Pilotin stöhnte. „Die Hängematte und ihre künstliche Sonne stehen im Weg. Die gehören nicht auf eine Raumschiffbrücke.“

(c) 2023, Marco Wittler

101. Captain Scott Schimpanse ist umzingelt

Captain Scott Schimpanse ist umzingelt

Captain Scott Schimpanse war umzingelt. Nie hätte er gedacht, man könne ihn in einen Hinterhalt locken und zur Strecke bringen. Er war der Kommandant des Raumschiffs BANANENSCHALE. Er hätte die Falle wittern müssen.
„Weicht zurück.“ Er brüllte verzweifelt. „Weg mit euch, habe ich gesagt. Ich bin bewaffnet.“
In diesem Moment kam seine Frau in sein Quartier. „Ich habe dir gleich gesagt, dass ich viele Kinder habe und du dich auf Patchwork einstellen musst. Du wolltest mich trotzdem heiraten.“

(c) 2023, Marco Wittler

100. Captain Scott Schimpanse verhandelt hart

Captain Scott Schimpanse verhandelt hart

Captain Scott Schimpanse stand auf der Brücke des Raumschiffs BANANENSCHALE und blickte seinem Gegner auf dem Hauptschirm mit unbewegter Miene in die Augen. Dieser konnte ihm nicht standhalten. Er begann zu schwitzen, unruhig zu zwinkern, bis er sich abwandt
„Ist ja gut. Wir geben auf. Wir ziehen uns mit unserer Kampfflotte aus diesem Sektor zurück.“ Die Verbindung wurde beendet.
Scott Schimpanse kam hinter der seinem Sessel hervor. „Hab doch gesagt, dass der Pappaufsteller eine gute Idee ist.“

(c) 2023, Marco Wittler

099. Captain Scott Schimpanse pflegt diplomatische Beziehungen

Captain Scott Schimpanse pflegt diplomatische Beziehungen

Captain Scott Schimpanse war sich der Situation, in der er sich befand, sehr bewusst. Ein falsches Wort konnte die diplomatischen Beziehungen zu seinem Gegenüber zerstören, vielleicht einen interstellaren Krieg auslösen. Das durfte dem Captain des Raumschiffs BANANENSCHALE, einem Mitglied der Sternenflotte, nicht passieren.
„Du bist das süßeste Wesen, das ich bei allen meinen Missionen je kennengelernt habe.“
Er zwinkerte seinem Spiegelbild zu, ging zur Brücke und trat seine Schicht an.

(c) 2023, Marco Wittler