Märchen
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353. Mondlicht
„Verdammt! Was ist denn heute Nacht nur los?“ Die erste Mücke im großen Schwarm konnte nicht mehr. Sie war müde. Die Flügel schmerzten.
„Was macht das Mondlicht nur? Warum wandert es so schnell am Himmel entlang?“
Ein Insekt nach dem anderen fiel erschöpft zu Boden, bis sich der Schwarm aufgelöst hatte.
Nach und nach wurde ihnen bewusst, dass sie sich hatten täuschen lassen. Über Stunden waren sie dem Licht des Leuchtturms gefolgt.
(c) 2024, Marco Wittler
352. Jolly Roger
„Los!“
Die Matrosen zogen die Segel hoch. Das Schiff fuhr los. Es holte schnell auf, würde das andere bald erreichen.
Der Käpt’n hisste persönlich den Jolly Roger, die Flagge der Piraten und gab sich den Überfallenen zu erkennen.
Plötzlich drehte sein Schiff bei. „Hey, was soll das?“
Der Steuermann stand zitternd auf der Brücke, konnte sich nicht mehr bewegen.
Der Käpt’n schüttelte den Kopf und holte die Flagge wieder ein. Er hatte vergessen, dass sein Steuermann Angst vor Totenschädeln hatte.
(c) 2024, Marco Wittler
351. Überraschungsangriff
„Kommandantin, die Truppe steht bereit und kann jederzeit in den Kampf gehen.“
Die Kommandantin nickte zufrieden. Der Feind war völlig ahnungslos. Der Sieg würde ihnen gehören. Sie hob ihren Säbel hoch und ließ ihn sinken. Die Soldatinnen stürmten los.
Doch plötzlich wurde es über dem Schlachtfeld dunkel. Ein riesiger, roter Tropfen stürzte herab.
„Rückzug!“
Doch es war bereits zu spät. Die Ameisen wurden unter Kirschgrütze begraben. Wieder hatten sie das Picknick nicht erobern können.
(c) 2024, Marco Wittler
350. Mein kleiner Mond und ich
Der kleine Mond holte tief Luft und blies aus vollen Wangen in das Segel, das an seine Enden geknotet war. Er nahm Fahrt auf.
„Mehr nach links. Wieder zurück.“ Das kleine Mädchen, das auf ihm das Sternenmeer bereiste, dirigierte ihn zielsicher vorbei an Asteroiden und Kometen. „Vorsicht! Da vorn ist die Milchstraße.“
Es gab ein lautes Platschen. Die Milch spritze zu allen Seiten davon in große Milchkannen.
„Ohne eure Hilfe hätten wir das nicht geschafft.“, bedankte sich der Milchstraßenmann.
(c) Marco Wittler

349. Gespaltene Zunge
Der Frosch hörte ein Geräusch. Ängstlich blieb er stehen. Plötzlich kam eine Schlange aus dem Dickicht, blieb vor ihm stehen. Hatte sie ihn entdeckt? Jedes ihrer Enden ihrer gespaltenen Zunge schnellte an einer Seite ihres Opfers vorbei. Glück gehabt. Noch einmal überlebt.
(c) 2020, Marco Wittler
348. Quietsch
Die Tür quietschte. Tom holte Öl, gab ein paar Tropfen auf die Scharniere und bewegte die Tür erneut. Es quietschte wieder. „Kann doch gar nicht sein.“ Tom sah hinter die Tür, entdeckte dort das Meerschweinchen seiner Tochter, das ihm verwegen zuzwinkerte.
(c) 2020, Marco Wittler
347. Mittwoch
„Endlich Mittwoch! Endlich Bergfest! Ist nicht mehr lang bis zum Wochende.“, rief er freudig beim Blick auf den Kalender. „Bergfest? Kann ich auch.“, antwortete sie, türmten die Dreckwäsche auf und erklomm grinsend den Gipfel.
(c) 2020, Marco Wittler
346. Sabbertropfen
Ein Sabbertropfen löste sich vom Munde
Drehte um die Lippe eine Runde
Danach im Barte er verschwand
Lebte fortan unerkannt
Mit einem Hopfentropfen hier am Kinn
Macht das alles einen Sinn?
(c) 2020, Marco Wittler
345. In die weite Welt
„Die Welt ist so schön.“, sagte das oberste Blatt am Baum. Das Blatt ganz unten war neidisch. Es konnte nichts sehen. Es entschloss sich, herab zu fallen. „Das war ein großer Fehler.“, hörte es noch. Doch das Blatt landete im Fluss, trieb davon, bis in die weite Welt hinaus.
(c) 2020, Marco Wittler
344. Raser
Lena hatte die Nase voll. Ständig rasten Autos durchs Dorf, hielten sich nicht ans Tempolimit. Sie wollte unbedingt etwas dagegen unternehmen. Lena versteckte sich in einem Busch und ließ bei jedem Raser ihre Kamera aufblitzen. Kurze Zeit später fuhren alle Autos normal schnell.
(c) 2020, Marco Wittler