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583. Das Auge

Halloween. Paula und Emily hatten sich entschlossen, den Abend als Vampirladys in einer Kneipe zu verbringen.
„Pst!“ Paula tippte ihrer Freundin auf die Schulter, während diese nach ihrem Cocktail griff. „Der Typ da drüben hat ein Auge auf dich geworfen.“
Emily drehte sich um, entdeckte den Mann im Zombiekostüm und blickte auf ihr Glas. „Ich weiß.“ Sie stöhnte genervt und fischte das aus aus ihrem Getränk. „Verdammte Untote! Keinen Anstand mehr am verwesten Leib.“

(c) 2025, Marco Wittler

582. Die Höllenkatze

Ein Schrei gellte durch die Straßen der Stadt. Die Menschen, die eben noch gemütlich durch die Straßen flanierten, drehten sich panisch um und traten die Flucht an.
An der Kreuzung war ein Wesen aufgetaucht, das direkt aus der Höhle gekommen sein musste. Eine Katze so schwarz ie die Nacht mit leuchtend roten Augen.
Sie setzte sich gemütlich hin, kicherte leise.
„Ich liebe mein neues Leuchthalsband. Das versetzt die Menschen an Halloween immer in Angst und Schrecken.

(c) 2025, Marco Wittler

Schwere Entscheidung

Schwere Entscheidung

Ein weiteres Mal schloss er seine Augen, holte tief Luft und versuchte, seine Aufregung unter Kontrolle zu bringen. Mittlerweile hatten sich erste Schweißperlen auf seiner Stirn gebildet, die ihm nach und nach über die Wangen herabrannen und in seinem Hemdkragen verschwanden.
Er öffnete seine Lider und sah vor sich auf den Tisch. »Den Roten oder den Blauen.« Verdammt noch mal. Er hasste es, sich immer wieder aufs Neue entscheiden zu müssen. Er hatte eine Chance von eins zu eins. Nahm er die richtige Farbe, würde sich alles zum Guten wenden, bei der falschen musste es zwangsläufig fatal enden.
»Rot oder blau?« Mit der linken Hand wischte er sich den Schweiß von der Stirn, mit der anderen durch das Haar. »Wie halten die anderen das nur aus? Diese Situation ist einfach unmenschlich und barbarisch.«
Sein Blick fiel auf die Uhr an der Wand. Er hatte nur noch wenige Sekunden. Jetzt galt es. Jetzt musste er die Entscheidung treffen.
Mit zitternder Hand griff er zum roten Kugelschreiber, zog das leere Blatt zu sich und begann endlich zu schreiben.
»Sehr geehrte Damen und Herren.«
In diesem Moment begann die Glocke des Kirchturms zu schlagen. Mitternacht. Der neue Tag hatte begonnen.
Der Geschichtenerzähler atmete erleichtert auf. »Jetzt kann mir niemand vorwerfen, ich hätte nicht schon Gestern mit dem Brief an den Verlag begonnen. Den Rest verschiebe ich dennoch lieber auf Morgen.« Er kicherte. Was eben noch der morgige Tag gewesen war, hatte sich gerade zum Heute verwandelt. »Ich muss dringend ins Bett und noch einmal über alles schlafen. Vielleicht gefällt ihnen mein Manuskript auch gar nicht.«
Er legte Stift und Papier zur Seite, löschte das Licht und ließ seinen Schreibtisch im Dunkeln zurück.

(c) 2025, Marco Wittler

Choices

Choices
Feinste Schweißperlen bildeten sich auf ihrer Stirn. Hier und jetzt musste sie eine Entscheidung treffen. Sollte sie ihren Weg fortsetzen oder sich dagegen entscheiden und umkehren? Nur noch zwei Scans ihres Daumens. Damit würde sie ihr Schicksal besiegeln. Sie schluckte schwer, schloss die Augen und holte tief Luft.
Nur einen Schritt weiter. Dann konnte sie sich immer noch entscheiden, die ganze Sache abzubrechen und in ihren Safe Place zurückkehren. Nur mal einen Blick in den Raum dahinter werfen. Was sollte schon großartig geschehen?
Sie zögerte noch ein paar Sekunden, machte sich noch einmal die Konsequenzen ihres Handelns bewusst, dann presste sie viel zu fest ihren Daumen auf den Scanner.
Ein leichtes Kribbeln fuhr durch ihre Haut hindurch, setzte sich im Arm fort und fand den Weg in ihren Kopf. Ein Schmerz machte sich dort breit. Nur – war er real oder bloße Einbildung? Eigentlich sollte sie nichts spüren. Davon hatten auch die anderen niemals berichtet.
Es summte, es klickte. Das Schloss sprang auf. Sie öffnete die Tür und betrat den Raum, der in völliger Stille vor ihr lag.
Niemand zu sehen. Sie war allein. Vorsichtig setzte sie einen Fuß vor den anderen, ging an den schmalen Boxen vorbei, die spartanisch mit Tisch und Stuhl ausgestattet waren.
Noch drei, noch zwei, eine. Sie betrat eine der Boxen, ließ sich leise auf dem Stuhl nieder. Der Tisch vor ihr war leer. Lediglich ein weiterer Scanner war in die Platte eingelassen.
Eine letzte Chance, umzukehren und zu verschwinden. Eine letzte Chance, dem allen hier zu entfliehen, sich in die ausgebreiteten Arme der Freiheit zu begeben.
Noch einmal Augen schließen, durchatmen und alle Optionen durchdacht. Sie seufzte und legte den Daumen auf den Scanner. Augenblicklich wurde die Wand vor ihr transparent, gab den Blick auf einen Monitor frei. Eine Tastatur leuchtete auf der Tischplatte auf. Programmfenster öffneten sich.
„Herzlich Willkommen zu deiner Schicht, Emilia. Du hast 98 neue E-Mails.“
Emilia stöhnte laut auf. Warum sammelten sich nur über die Wochenenden so viele Nachrichten? Sie hasste Montage. Sie hasste ihren Bürojob.
„Dann mal an die Arbeit. Die erledigt sich leider nicht von selbst.“ Sie öffnete die erste E-Mail und setzte sich an die Beantwortung, während ihre Kollegen nach und nach ihre Boxen aufsuchten.
(c) 2025, Marco Wittler

Erinnerungen an warme Zeiten – Der Sommer im Glas

Wenn der Herbst beginnt, die ersten kalten Wintertage nach uns greifen, wenn es immer länger dunkler bleibt, regnet, schneit und stürmt, dann ist es gut, wenn man Erinnerungen an die schönen Tage hat, an denen die Sonne schien, es warm war und man vielleicht die Füße im Wasser baumeln hatte. Diese Momente habe ich eingefangen, gesammelt und in kleinen Gläsern eingemacht.

Es sind Dekoglühbirnen in Originalgröße und kleine Einmachgläschen.
Das Meer besteht aus blauem Kunstharz, der Meeresboden aus Vogelsand. Die Riffe sind Kieselsteine.
Die kleinen Figuren (Leuchttürme, Schiffe, Walfluken, TARDIS) stammen allesamt aus dem 3D Drucker und wurden von mir per Hand mit kleinen Pinseln und Acrylfarbe bemalt.
Lediglich die Personen sind gekauft und gehören zum Modellbau.

Die kleinen Kunstwerke werden zu Gunsten der Nordstadtkatzen verkauft, die aufgefundene Katzen aufpäppelt, kastrieren lässt und – im Falle von älteren Tieren zumeist – diese wieder in die Freiheit entlässt, Kitten in ihr Zuhause für immer vermittelt.
Die Spende geht direkt an die Nordstadtkatzen auf X/Twitter, eine Pauschale von 5,49€ (innerhalb Deutschland) für versicherten Versand an mich.
Sobald ein Spendennachweis bei mir eingeht, mache ich den Versand fertig. Wenn du keinen direkten Kontakt zu den Nordstadtkatzen hast, kannst du die Spende auch mir zukommen lassen. Ich leite sie dann weiter.

Insgesamt sind 24 kleine Dioramen entstanden. Was bereits verkauft wurde, ist markiert.
Damit du dir ein besseres Bild machen kannst, gibt es jeweils ein Foto und ein 10 Sekunden Video, um die kleinen Kunstwerke von allen Seiten  betrachten zu können.

Noch zu haben: 9, 10, 12, 13, 14, 15, 17, 18, 19, 20, 23

Nr. 1-8 (schon weg)

Nr. 9 (mind. 15€)

Nr. 10 (mind. 15€)

Nr. 11 (schon weg)

Nr. 12 (mind. 20€)
mit Badenixe

Nr. 13 (mind. 20€)
mit Pärchen auf der Klippe)

Nr. 14 (mind. 15€)

Nr. 15 (mind. 15€)

Nr. 16 (schon weg)

Nr. 17 (mind. 20€)
mit Pärchen auf einer Bank auf der Klippe

Nr. 18 (mind 20€)
mit Badegast auf der Klippe)

Nr. 19 (mind. 20€)
mit Kind mit Schwimmflügeln

Nr. 20 (mind 20€)
mit Badenixe, die am Leuchtturm liegt

Nr. 21, 22 (schon weg)

Nr. 23 Doctor Who Special Edition (mind. 20€)
mit TARDIS und zwei zusätzlichen Figuren auf den Riffen

Nr. 24 (schon weg)

Tilda Glitzerstern – Kapitel 4 – Santas Überraschung

Kapitel 4 – Santas Überraschung

Im Saal hielten alle Wichtel den Atem an. Manche waren sogar ein wenig neidisch. Immerhin würde er Tilda Glitzerstern bestimmt einen Flug auf dem Schlitten anbieten. So eine Chance bekamen nur die allerwenigsten von ihnen, eigentlich sogar niemand.
»Ich … ich … ich weiß nicht, ob ich das annehmen kann.« Tilda war dieser Moment so unglaublich unangenehm, dass sie zu stottern begann. Ihr fehlten die richtigen Worte, versuchte trotzdem, irgendwie aus dieser Sache herauszukommen. »Du bist doch bestimmt viel zu beschäftigt, um noch jemanden mitzunehmen. Du, das macht mir nichts aus. Ich bleibe einfach bei meinen Freunden hier am Nordpol und helfe, in den Werkstätten für Ordnung zu sorgen. Das ist eh meine Aufgabe. Vor der möchte ich mich auch nicht drücken.«
Santa Claus begann zu lachen und schüttelte den Kopf. »Eine Fahrt auf meinem Schlitten? Wie kommst du denn darauf? Nein, das geht nicht. Da ist auch nicht genug Platz. Ich habe etwas anderes für dich.«
Er griff in seine Manteltasche und holte eine kleine, hölzerne Tür daraus hervor. Sie war gerade große genug, dass Tilda hätte hindurchgehen können.
»Meine liebe Tilda Glitzerstern, das hier ist meine Überraschung für dich.«
Während Tilda der Kiefer herunterklappte und ihr erneut die Worte fehlten, hörte man die anderen Wichtel leise auf ihren Plätzen kichern. Diese Überraschung war Santa wirklich gelungen. Wer brauchte schon eine alte Holztür? Damit konnte niemand etwas anfangen. War da etwa ein Gegenstand beim letzten Schrottwichteln übriggeblieben, das er nun loswerden wollte?
»Ähm, Chef. Mein Zimmer hat schon eine Tür. Ich brauche nicht noch eine.«
»Nein, nein. Das verstehst du falsch. Das ist nicht irgendeine Tür. Das ist eine ganz besondere Wichteltür. Mit dieser schicke ich dich auf eine weite Reise.«
Tilda verstand noch immer nicht. »Und was mache ich, wenn ich angekommen bin?«
Santa legte seine Hand väterlich auf ihre Schulter. »Du wirst Weihnachten kennenlernen.« Er öffnete die Tür, schob Tilda hindurch und schloss sie wieder. Kurz darauf löste sie sich auf. Das Wichtelmädchen war mit ihr verschwunden.

(c) 2024, Marco Wittler

581. Attacke

Attacke

„Nach links!“ Santa Claus vollführte ein waghalsiges Manöver.
„Zu viel, wieder nach rechts. Jetzt Kurs halten.“
Sie rasten über eine Straße hinweg, die von beiden Seiten mit Autos zugeparkt war und keinen Platz für eine Landung bot.
„Noch ein kleines Stück!“ Santa zählte in Gedanken von fünf rückwärts. Bei Null ließ er ein Säckchen fallen, das klatschend auf einem Auto landete, aufriss und einen Mix aus Wasser und Mehl auf dem Lack verteilte.
„Treffer! Und parkt nicht immer alles voll hier.“

(c) 2024, Marco Wittler

Tilda Glitzerstern – Kapitel 3 – Santa Claus erinnert sich

Kapitel 3 – Santa Claus erinnert sich

Die allgemeine Unruhe in der Schulaula der Weihnachtswichtel legte sich, nachdem Santa Claus einen Zeigefinger vor die Lippen gelegt und um Stille gebeten hatte. „Es ist alles gut ausgegangen, meine lieben Freunde. Schaut mich an. Ich bin hier. ich bin Santa Claus und bald ist Weihnachten. Ich werde euch meine Geschichte erzählen. Sie hat ein Happy End. Versprochen. Also greift zu Weihnachtskeksen und Kakao. Es wird ein wenig länger dauern.“
Er nahm in einem großen Ohrensessel Platz, der immer für ihn reserviert war, nahm ebenfalls einen großen Schluck aus seiner Tasse und begann, aus seiner Jugend zu erzählen. „Wisst ihr, ich war nicht immer Santa Claus. Alle einhundert Jahre geben wir unsere wichtige Aufgabe an die nächste Generation weiter. Ein ganz besonderer Wichtel wird auserwählt, der neue Santa Claus zu werden. Dass ich es einmal werden sollte, daran hätte ich im Leben niemals gedacht. Ich wollte es sogar ablehnen.“
Tilda Glitzerstern erschrak. Alle hundert Jahre wurde ein Wichtel auserwählt, um den Posten des Chefs zu übernehmen? Sie bekam Angst. Irgendwas lief hier völlig falsch. „Moment, Moment, Moment. Ich glaube, ich habe da auch noch ein Wörtchen mitzureden. Ich will nicht Santa Claus werden. Kommt gar nicht in die Tüte. Du kannst deine Überraschung für dich behalten.“
Santa lachte und schüttelte den Kopf. „Du hast mich missverstanden, Tilda Glitzerstern. Ich muss dich um Verzeihung bitten, wenn ich diesen Eindruck bei dir hinterlassen habe. Meine einhundert Jahre sind noch lange nicht vorbei. Ich möchte dir lediglich erzählen, warum wir uns so ähnlich sind.“

Der kleine Claus hatte lange überlegt, ob er der Zeremonie wirklich beiwohnen sollte. Dieses Weihnachten ging ihm schon lange auf die Nerven. So viele Jahre hatte er sich in der Schule und später in den Werkstätten am Nordpol viel Mühe gegeben, um Santa Claus glücklich zu machen und um der beste Weihnachtswichtel aller Zeiten zu werden. Er hatte auf das größte Geschenk aller Zeiten gehofft. Doch so sehr er sich auch angestrengt hatte, er bekam stets ein ähnlich besonderes Geschenk, wie alle anderen Wichtel auch, egal wie fleißig oder faul sie im letzten Jahr gewesen waren.
Der kleine Claus hatte es unfair gefunden. irgendwann hatte er aufgehört fleißig zu sein und gab nur noch Widerworte. Er hatte das Weihnachtsfest zu hassen gelernt.

„Doch eines Tages hatte ich mit meinem Vorgänger ein ganz langes Gespräch. Er nahm mich mit auf seine Reise am Weihnachtsabend und hat mir in den Wohnzimmern der Welt die Augen geöffnet. Am Tag danach wurde ich selbst zu Santa Claus.“
“Du willst mich wirklich mitnehmen?“ Das Wichtelmädchen bekam glänzende Augen.
“Nein, meine liebe Tilda Glitzerstern. Für dich habe ich etwas ganz anderes im Sinn. Ich bin mir sicher, dass es dir gefallen wird.“

(c) 2024, Marco Wittler

580. Karten auf den Tisch

Karten auf den Tisch

Rudolph legte seine Karten auf den Tisch. „Drei Buben. Mach das erstmal nach.“
Santa Claus bebte. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn. Konnte er mithalten? Doch dann grinste er breit. „Fünf Asse! Ich habe gewonnen.“
„Fünf? Es gibt nur vier. Du hast betrogen. Zur Strafe bist du jetzt dran.“
Santa fröstelte. Er hasste es, Geschenke in die Schuhe von Joggern zu legen. Die stanken bis zum Himmel.
Rudolph war zufrieden. Es hatte sich gelohnt, dem Chef eine zusätzliche Karte unterzujubeln.

(c) 2024, Marco Wittler

579. Geschwindigkeitsrekord

Geschwindigkeitsrekord

„Verdammte Saukälte. Warum müssen wir gerade heute blitzen? Ich will zurück ins Revier und Telefondienst schieben. Bei dem Wetter rast doch niemand.“
Wachtmeister Schulze beschwerte sich nicht zum ersten Mal bei seinem Kollegen.
Plötzlich hörten sie ein Rumpeln. Ein Fahrzeug kam mit unglaublicher Geschwindigkeit heran.
„Den kriegen wir!“
Ein großer Schlitten, raste vorbei. Der Blitzer konnte nicht schnell genug auslösen.
„Ich hasse den Weihnachtsmann mit seinem Schlitten.“

(c) 2024, Marco Wittler