Nacht
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149. Düfte
Düfte
Die kleine Maus hatte ein breites Grinsen im Gesicht, als sie ihre Bettdecke bis zur Nase hinauf zog. Der Duft, der sie umgab, war die beste Einschlafhilfe und die beste Vorbereitung für süße Träume.
Ein letztes Mal blickte sie über ihr Bett hinweg. Die vielen leckeren Kekse, die sie auf der Decke angenäht hatte, waren eine richtig tolle Idee gewesen.
„Und Morgen verspeise ich euch alle zum Frühstück.“
Dann schlief die kleine Maus schnell ein und ließ ihr Schnarchen im ganzen Haus erschallen.
(c) 2023, Marco Wittler
146. Wichtel
Wichtel
Willi Wichtel war erschöpft. Seit dem frühen Morgen war er unterwegs. Nun stand er mitten im Wald, während die Sonne hinter dem Horizont verschwand und die Nacht hereinbrach.
Willi fröstelte. Er bekam Angst. „Was, wenn mich ein wildes Tier aufspürt und frisst? Ich bin so klein, dass ich mich nicht wehren kann.“
Er kauerte sich zitternd unter einem Fliegenpilz zusammen.
„Keine Sorge. Ich gebe auf dich acht.“ Der Pilz ließ seinen Hut herabsinken und versteckte den Wichtel bis zum nächsten Morgen.
(c) 2023, Marco Wittler
143. Die kleine Hexe fliegt ins All
Die kleine Hexe fliegt ins All
Eine riesige Explosion erhellte die Nacht. Auf ihr ritt eine Rakete dem Himmel entgegen.
„Wie wundervoll. Die Menschen reisen zu den Sternen. Dort warten bestimmt viele Abenteuer.“
In diesem Moment wünschte sich die kleine Hexe nichts sehnlicher, als den Menschen folgen zu dürfen.
Sie dachte nach und formulierte einen neuen Zauberspruch. Mit ihrem Zauberstab erzeugte sie eine Blase um sich, die Sekunden später lautlos und unbemerkt der Rakete folgte.
(c) 2023, Marco Wittler
126. Nachtlicht
Nachtlicht
Hanna stand am Fenster, hatte die Schreibtischlampe ganz nah an die Glasscheibe gerückt und schaltete immer wieder das Licht an und aus. Im Sekundentakt ließ sie helle Strahlen in die Nacht hinaus.
„Was machst du da?“
Mama, die das seltsame Treiben vom Hausflur aus durch die geöffnete Tür gesehen hatte, wunderte sich.
„Ich bin ein Leuchtturm.“ Die Antwort war für Hanna völlig selbstverständlich. „Ich zeige den Fledermäusen den Weg, damit sie in der Dunkelheit nicht gegen unser Haus fliegen.“
(c) 2023, Marco Wittler
104. Gesang
Papa hörte am späten Abend Gesang aus dem Kinderzimmer. Lief noch das Radio? Die Kinder sollten schon längst schlafen.
Er schlich hinein, drückte den Abschaltknopf des Geräts. Es verstummte allerdings nicht.
„Was geht denn da vor?“
Er sah hinter das Radio und entdeckte dort den Hamster, der mit Leibeskräften sang.
„Ich weiß, dass du nachtaktiv bist, aber für dich gilt auch die Nachtruhe.“
Der Hamster stemmte die Pfoten in die Seiten. „Ich muss aber für Deutschland sucht den Superhamster üben.“
(c) 2023, Marco Wittler
059. Zahnfee
Zahnfee
Leise öffnete sich das Fenster. Eine schemenhafte Gestalt schwebte aus der Dunkelheit der Nacht zum Bett. Sie streckte eine Hand aus, fuhr damit unter das Kopfkissen und holte einen Zahn hervor. Zum Ausgleich schon sie einen Taler an dessen Platz.
Die Gestalt verstaute ihren Fund in einem Säckchen und seufzte.
„Hätte ich doch nur einen richtigen Job gelernt. Zahnfee klang so romantisch. Und nun sammle ich alte, stinkende Zähne, die niemand mehr haben will. Und dafr muss ich sogar noch bezahlen.“
(c) 2023, Marco Wittler