MicroFiction

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074. Schatten

Schatten

Nach mehreren Stunden des Marschierens ließ sich ein Wanderer im Schatten eines großen Baums nieder und schlief ein.
Während er die Zeit mit Träumen verbrachte, wanderte die Sonne am Himmel weiter und war nun dabei, dem Wanderer das Gesicht zu verbrennen.
„Pst! Wind, ich brauche deine Hilfe.“ Der Baum winkte mit seinen Blättern. Der Wind kam mit leichter Brise und drückte die Äste des Baums ein Stück. Der Wanderer lag nun wieder im sicheren Schatten.

(c) 2023, Marco Wittler

073. Katastrophenkunst

Katastrophenkunst

Rumms! Bumms!
Bär Bruno blickte mit weit aufgerissenen Augen auf das Bild, das er gerade vom Regenbogen gemalt hatte. Ein kräftiger Windstoß hatte es von der Staffelei in eine Pfütze geblasen.
„Nein. NEIN! Das war so viel Arbeit. Was mache ich denn jetzt?“
Plötzlich kamen aus allen Himmelsrichtungen Schmetterlinge angeflogen, die sich auf Brunos Hauswand setzten und dort das zerstörte Bild nachstellten.
Bruno seufzte glücklich. „Ihr seid mir ja ein toller, bunter Haufen. Ich mag euch. Danke.“

(c) 2023, Marco Wittler

072. Elefantenohren

Elefantenohren

„Irgendwas ist seltsam mit Erich. Schaut ihn euch doch mal an. Er hält schon seit einer ganzen Weile seine Ohren so seltsam.“
Tiger Tom ging näher und begann plötzlich zu grinsen.
„Hast du auch noch einen Platz für mich frei?“
Unter den Ohren hatte er kleine Vögel, Affen und andere Tiere entdeckt, die vor dem strömenden Regen Schutz gesucht hatten.
„Klar. Setz dich unter meinen Bauch. Da ist genug Platz für einen großen Tiger.“

(c) 2023, Marco Wittler

070. Nachtarbeit

Nachtarbeit

Der Autor saß über seiner Schreibmaschine und suchte nach den richtigen Worten für sein Buch. Stunde um Stunde hatte er damit verbracht, bis es Nacht geworden war.
Plötzlich wurde es dunkel.
„Wie soll ich denn jetzt arbeiten? Ich brauche Licht.“
Er klopfte mit dem Finger gegen die Lampe und bekam sofort Antwort.
„Wir streiken. Wir wollen in Zukunft alle Überstunden und einen Nachtzuschlag, ansonsten wird dein Buch niemals fertig.“
Der Autor seufzte. Sie hatten ihn in der Hand.

(c) 2023, Marco Wittler

069. Gummibärchen

Gummibärchen

„Es gibt nichts Schöneres vorstellen, als ein Gummibärchen zu sein. Wir können wild durch die Gegend springen und kommen höher und weiter als alle anderen Tiere aus der Tüte.“
Die Gummibären hüpften um die Wette. Wer als erster den Tisch überquert hatte, sollte zum Sieger gekürt werden.
Plötzlich war da diese Hand. Sie schnappte sich die Gummibären und stopfte sie in einen gierigen Mund.
„Bin echt froh, dass ich groß, schwer und langsam bin.“ Der Weingummidino lachte in seiner Tüte.

(c) 2023, Marco Wittler

068. Ameisen

Ameisen

„Ich hasse es, eine Ameise zu sein. Wie sollen wir überhaupt in den Bus einsteigen? Das schaffen wir nie.“
Papa Ameise grinste. „Anton, lass das meine Sorge sein. Ich habe einen Plan.“
Sie erreichten gerade rechtzeitig ihr Ziel. Papa Ameise kletterte auf den Schuh eines Menschen. Anton folgte ihm. Sekunden später wurden sie unbemerkt in das Fahrzeug getragen.
„Ich habe noch nie ein Ticket kaufen müssen. Klein sein hat auch Vorteile.“

(c) 2023, Marco Wittler

067. Anglerfisch

Anglerfisch

„Hab dich nicht so.“ Achim bettelte seit einer halben Stunde, doch sein Freund Walter schüttelte unentwegt den Kopf.
„Und wenn du mir einen Goldschatz anbietest, ich werde dir nicht helfen.“
„Was ist schon dabei? Wir gehen doch nur angeln. Was soll da schon großartig passieren?“
Regenwurm Walter richtete sich auf und zeigte auf seinen Körper. „Hallo! Ich bin ein Wurm. Sobald ein Fisch anbeißt, bin ich futsch.“
Anglerfisch Achim grinste. „Ich schneide dich wieder raus. Versprochen.“

(c) 2023, Marco Wittler

066. Antriebslos

Antriebslos

„Ich weiß nicht was ich noch machen soll. Der Antrieb ist hin, Captain. Wir sind zwischen den Galaxien gestrandet.“
Der Captain schlug auf die Armlehne. Das konnte und wollte er nicht akzeptieren. Sollte er mitten im Nirgendwo sterben? Nein.
„Ich kümmere mich selbst darum.“
Er rannte in die Kombüse, schnappte sich mehrere Dosen Bohnen und begab sich zum Antrieb. Dort hockte er sich hin und wartete auf die Wirkung seiner Mahlzeit.
PUPS! Das Raumschiff setzte sich in Bewegung.

(c) 2023, Marco Wittler

065. Brieftauben

Brieftauben

Der Inspektor wischte sich den Schweiß von der Stirn. Nur noch die Tür öffnen. Mit ganz viel Glück würde er den Fall dann lösen können.
Er zog die Waffe und stürmte in den Raum.
„Alles fallen lassen! Das Gebäude ist umstellt. Hier kommt niemand mehr raus.“
Der Taubenschwarm erschrak. Nun waren sie doch noch aufgeflogen. Der jahrelange Diebstahl von Briefen war ihnen am Ende doch noch zum Verhängnis geworden.
Sie gingen als Brieftauben-Gang in die Kriminalgeschichte ein.

(c) 2023, Marco Wittler

064. Kurs Schwarzes Loch

Kurs Schwarzes Loch

Der Captain tippte auf das Display in der Armlehne und zeichnete einen Logbucheintrag auf.
„Ich habe die Risiken und die Möglichkeiten auf neue Forschungsergebnisse abgewogen. Dabei ist meine Entscheidung gefallen. Wir dringen mit unserem Raumschiff in das schwarze Loch vor.“
Er gab der jungen Frau am Steuer ein Zeichen. Doch statt den Antrieb einzuschalten, reichte sie ihm eine Schraube.
„Papa, kannst du nicht ein einziges Mal eine Schraube ganz normal in die Wand drehen?“

(c) 2023, Marco Wittler