MicroFiction
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006. Fön
Fliege Ella war entsetzt. Ein dicker Regentropfen hatte sie unerwartet getroffen und ihre Flügel durchnässt. An Fliegen war vorerst nicht mehr zu denken.
„Mach dir mal keine Sorgen, Schatz.“, beruhigte sie ihr Mann Flori. „Ich werde mich darum kümmern. Wir können gleich wieder durchstarten.“
Er griff in seine Tasche, holte eine Bohne daraus hervor und aß sie komplett auf, dass sein Bauch kugelrund wurde. Nur wenige Sekunden furzte er so heftig, dass Ellas Flügel wieder trocken wurden.
(c) 2026, Marco Wittler
005. Winterwunderland
Nach dem Aufstehen lief Flori zum Fenster war sichtlich begeistert.
„Dass ich das noch erleben darf.“
Er blickte auf die weiße Landschaft vor seinem Haus.
„Es hat geschneit. Das ist so wunderschön.“
Er ließ sich nicht lange aufhalten, kletterte durch das Fenster und sprang in die weißen Massen.
„Es gibt noch etwas Schöneres: Schnee, der zuckersüß ist.“, sagte er schmatzend.
„Schatz!“, reif eine erschrockene Frau. „Da ist eine Fliege in meinem Eisbecher versunken. Mach die sofort weg!“
(c) 2026, Marco Wittler
004. Weltreise
Flori machte den letzten Schritt, warf seinen Spazierstock auf den Boden und riss in Jubelpose seine Arme in die Höhe.
„Ich bin der Erste, der die ganze Welt zu Fuß umrundet hat. Ich bin der Größte.“
Seine Frau Ella schüttelte genervt den Kopf. „Flori, die bist eine Fliege und hast eine Mandarine umrundet. Das ist keine große Leistung. Und jetzt räum deinen Stock weg und bring den Müll raus.“
(c) 2026, Marco Wittler
003. Kornkreise
Paul nahm das Getreidefeld genauestens unter die Lupe. Der Kreis platt gedrückter Halme war der Beweis, den er so lange gesucht hatte.
„Ich habe es die ganze Zeit gewusst. Es gibt sie wirklich. Aliens sind heute Nacht mit ihrem Raumschiff hier gelandet und haben eindeutige Spuren hinterlassen. Lacht ihr jetzt immer noch über mich?“
Er blickte seinen Freund an, der sich das Lachen nicht verkneifen konnte.
„Ähm, Paul. Ich hab dort gerade unser Zelt abgebaut. Wir haben hier übernachtet.“
(c) 2026, Marco Wittler
002. Alpaka Albert lässt tief blicken
Noch vor dem Sonnenaufgang verließ Alpaka Albert den Stall. In der luftigen Höhe der Berge fröstelte es ihn, dank seines dichten, lockigen Fells nur wenig.
Er griff zum Fernglas, blickte ins Tal hinab und stöhnte genervt.
„Ich hab es schon im vorderen rechten Huf gespürt. Da sind Touristen auf dem Weg zu uns.“
Er weckte die Anderen. „Es wird Zeit zu gehen. Macht die Windbeutel bereit.“
Kurz darauf standen zwanzig Alpaka auf dem Berg, hielten geöffnete Taschen in den Wind und segelten davon.
(c) 2026, Marco Wittler
001. Alpaka Albert feiert rein
Alpaka Albert feiert rein
Alpaka Albert blickte zur Uhr hinauf und zählte die letzten Sekunden des Jahres herunter.
»Drei, zwei, eins, null. Frohes neues Jahr.«
Er griff zum Glas, stieß mit den WG Kumpels an, als es draußen laut knallte.
Albert verdrehte die Augen, öffnete das Fenster und spuckte im hohen Bogen nach draußen.
Auf der Straße erlosch ein Feuerzeug und ließ sich nicht mehr entzünden.
»Und jetzt ist Ruhe hier.« Albert lachte. »Wenn du Krach machen willst, friss Bohnen und furz mit deinen Leuten um die Wette.«
(c) 2026, Marco Wittler
583. Das Auge
Halloween. Paula und Emily hatten sich entschlossen, den Abend als Vampirladys in einer Kneipe zu verbringen.
„Pst!“ Paula tippte ihrer Freundin auf die Schulter, während diese nach ihrem Cocktail griff. „Der Typ da drüben hat ein Auge auf dich geworfen.“
Emily drehte sich um, entdeckte den Mann im Zombiekostüm und blickte auf ihr Glas. „Ich weiß.“ Sie stöhnte genervt und fischte das aus aus ihrem Getränk. „Verdammte Untote! Keinen Anstand mehr am verwesten Leib.“
(c) 2025, Marco Wittler
582. Die Höllenkatze
Ein Schrei gellte durch die Straßen der Stadt. Die Menschen, die eben noch gemütlich durch die Straßen flanierten, drehten sich panisch um und traten die Flucht an.
An der Kreuzung war ein Wesen aufgetaucht, das direkt aus der Höhle gekommen sein musste. Eine Katze so schwarz ie die Nacht mit leuchtend roten Augen.
Sie setzte sich gemütlich hin, kicherte leise.
„Ich liebe mein neues Leuchthalsband. Das versetzt die Menschen an Halloween immer in Angst und Schrecken.
(c) 2025, Marco Wittler
Tilda Glitzerstern – Kapitel 4 – Santas Überraschung
Kapitel 4 – Santas Überraschung
Im Saal hielten alle Wichtel den Atem an. Manche waren sogar ein wenig neidisch. Immerhin würde er Tilda Glitzerstern bestimmt einen Flug auf dem Schlitten anbieten. So eine Chance bekamen nur die allerwenigsten von ihnen, eigentlich sogar niemand.
»Ich … ich … ich weiß nicht, ob ich das annehmen kann.« Tilda war dieser Moment so unglaublich unangenehm, dass sie zu stottern begann. Ihr fehlten die richtigen Worte, versuchte trotzdem, irgendwie aus dieser Sache herauszukommen. »Du bist doch bestimmt viel zu beschäftigt, um noch jemanden mitzunehmen. Du, das macht mir nichts aus. Ich bleibe einfach bei meinen Freunden hier am Nordpol und helfe, in den Werkstätten für Ordnung zu sorgen. Das ist eh meine Aufgabe. Vor der möchte ich mich auch nicht drücken.«
Santa Claus begann zu lachen und schüttelte den Kopf. »Eine Fahrt auf meinem Schlitten? Wie kommst du denn darauf? Nein, das geht nicht. Da ist auch nicht genug Platz. Ich habe etwas anderes für dich.«
Er griff in seine Manteltasche und holte eine kleine, hölzerne Tür daraus hervor. Sie war gerade große genug, dass Tilda hätte hindurchgehen können.
»Meine liebe Tilda Glitzerstern, das hier ist meine Überraschung für dich.«
Während Tilda der Kiefer herunterklappte und ihr erneut die Worte fehlten, hörte man die anderen Wichtel leise auf ihren Plätzen kichern. Diese Überraschung war Santa wirklich gelungen. Wer brauchte schon eine alte Holztür? Damit konnte niemand etwas anfangen. War da etwa ein Gegenstand beim letzten Schrottwichteln übriggeblieben, das er nun loswerden wollte?
»Ähm, Chef. Mein Zimmer hat schon eine Tür. Ich brauche nicht noch eine.«
»Nein, nein. Das verstehst du falsch. Das ist nicht irgendeine Tür. Das ist eine ganz besondere Wichteltür. Mit dieser schicke ich dich auf eine weite Reise.«
Tilda verstand noch immer nicht. »Und was mache ich, wenn ich angekommen bin?«
Santa legte seine Hand väterlich auf ihre Schulter. »Du wirst Weihnachten kennenlernen.« Er öffnete die Tür, schob Tilda hindurch und schloss sie wieder. Kurz darauf löste sie sich auf. Das Wichtelmädchen war mit ihr verschwunden.
(c) 2024, Marco Wittler
581. Attacke
Attacke
„Nach links!“ Santa Claus vollführte ein waghalsiges Manöver.
„Zu viel, wieder nach rechts. Jetzt Kurs halten.“
Sie rasten über eine Straße hinweg, die von beiden Seiten mit Autos zugeparkt war und keinen Platz für eine Landung bot.
„Noch ein kleines Stück!“ Santa zählte in Gedanken von fünf rückwärts. Bei Null ließ er ein Säckchen fallen, das klatschend auf einem Auto landete, aufriss und einen Mix aus Wasser und Mehl auf dem Lack verteilte.
„Treffer! Und parkt nicht immer alles voll hier.“
(c) 2024, Marco Wittler