Märchen
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403. Das Kaninchen kommt zu spät
„Ich bin zu spät. Ich komme niemals rechtzeitig zum Tee.“
Das Kaninchen blickte verzweifelt auf seine Taschenuhr. „Ach, wäre ich doch nie zum Schneewandern in die Berge aufgebrochen.“
„Komm, lass das mal meine Sorge sein.“
Hinter einem Berg kam ein Bär hervor. Grinsend packte er mit seinen scharfen Krallen an einen Baum, riss lange Rindenstücke ab und stellte das Kaninchen darauf. Er gab ihm einen Schubs.
Unter lautem Gejubel fuhr es den Berg hinab und kam rechtzeitig zum Tee.
(c) 2024, Marco Wittler
402. Heiße Rhythmen
„Das ist keine gute Idee. Wir sollten nicht hier oben sein. Der Vulkan könnte jederzeit ausbrechen.“
Er lachte seinen Begleiter aus. „Das ist doch gerade mein Plan. Ich werde es dir zeigen.“ Er holte eine Schaufel aus seiner Tasche, grub mehrere Löcher in unterschiedlicher Tiefe in den brodelnden Berg.
„Schnell weg hier. Es geht gleich los.“
Sie rannten hinab ins Tal. Minuten später brach die feurige Hölle aus. Lava strömte durch die gegrabenen Löcher und erzeugte dabei eine kleine Melodie.
(c) 204, Marco Wittler
401. Die Fledermaus und das Licht des Mondes
Die kleine Fledermaus blickte unsicher aus ihrer Höhle nach draußen. „Wenn es so dunkel ist, traue ich mich nicht in die Nacht. Ich könnte gefressen werden. Lieber Mond, bitte hilf mir.“
Der Mond, der ein großes Herz besaß, schob die Wolken zur Seite und ließ sein Licht herab. Dieses spiegelte sich in einem nahen See. So hatte die kleine Fledermaus besonders viel Licht von oben und unten.
Sie startete in die Nacht hinaus und fing einen Sack voll Mücken für ihr Nachtmahl.
(c) 2024, Marco Wittler
400. Geisterstunde
Geisterstunde
Mitternacht. Geisterstunde. Im Schloss machten sich die Geister bereit zu spuken. Einer von ihnen hielt zitternd eine leuchtende Kerze in der Hand. „Was ist los?“, fragten ihn die anderen. „Ich habe Angst, dass mir ein Mensch begegnet. Die sollen so gruselig sein.“
(c) 2020, Marco Wittler
399. Formel Eins
Formel Eins
Die Formel1 Fahrer am Nürburgring wurden nervös. Das vorhergehende Rennen, das am Tag zuvor begonnen hatte, war noch nicht beendet, obwohl es nur aus einer Runde bestand. Und da kamen sie um die letzte Kurve, die Teilnehmer des ersten BobbyCar Cups des örtlichen Kindergartens.
(c) 2020, Marco Wittler
398. Flughafen
Flughafen
Finn staunte über das weite Flugfeld. Ständig starteten und landeten Flugzeuge. „Gute Reise.“, flüsterte er und warf einen Papierflieger. „Der kommt nicht weit.“, lachtete sein großer Bruder. Der Flieger taumelte, dann stieg er steil empor und verschwand in den Wolken.
(c) 2020, Marco Wittler
397. Es lebe der König
Es lebe der König
Der König erhob sich vom Sterbebett, sah auf seine tote Hülle hinab. Mit breitem Grinsen freute er sich auf seine Widergeburt. „Der König ist tot.“, rief er die magische Formel. „Es lebe der König.“ Erst dann entdeckte er die lachenden Geister seiner verstorbenen Vorfahren.
(c) 2020, Marco Wittler
396. Emoji (II)
Emoji
Lachend hüpfte das kleine Emoji durch die Welt, stolperte über eine Stein, kullerte einen Abhang hinab und blieb kopfüber in einem Busch hängen. Sein grinsender Mund hing nun verkehrt herum. „Na, toll. Jetzt denkt jeder, ich hätte schlechte Laune.“
(c) 2020, Marco Wittler
395. Emoji (I)
Emoji
Hannah kam in die Küche und zog gleich alle Blicke auf sich. An ihrer Brust prangte ein schlecht gelaunter Emoji. „Was?“, fragte sie genervt. „Jetzt kann jeder sofort meine Laune sehen und stellt keine blöden Fragen mehr. Win-Win-Situation.“
(c) 2020, Marco Wittler
394. Ring
Ein Ring
Er hörte ein Murmeln aus dem Schlafsack seiner Frau. Neugierig öffnete er ihn und sah hinein. Sie lag dort, starrte mit irrem Blick auf den Ehering. „Ein Ring ihn zu knechten …“ Er hörte. Ich das teuflische Lachen, bevor er sich zum willigen Zombie wandelte.
(c) 2020, Marco Wittler