Leuchtturm

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118. Lynchturm VII

Lynchturm VII

Der alte Leuchtturmwärter betrat seine Wohnstatt und Arbeitsplatz. Beim ersten Schritt war er schockiert.
Knochen. Überall Knochen. Der ganze Boden voll. Im Flur, in der Küche, selbst in der kleinen Schlafkammer waren sie verstreut. Hier musste etwas ganz Schreckliches passiert sein.
Der Leuchtturmwärter trat ein, schlug schnell die Tür hinter sich zu und stürmte in die Stube.
„Waldi!“ Er blieb vor seinem treuen Hund stehen. „Du sollst deine alten Knochen nicht ausbuddeln und in den Turm holen.“

(c) 2023, Marco Wittler

117. Lynchturm VI

Lynchturm VI

Der alte Leuchtturmwärter stand mit grimmigem Gesicht vor der Glasvitrine.
„Es ist so weit. Ich werde der Welt mein wahres Gesicht zeigen. Das Versteckspiel hat ein Ende.“
Er öffnete die Glastür, griff nach dem dort seit langem gelagerten Totenschädel und blies den Staub vom Knochen. Dann trat er hinaus auf den Balkon des Leuchtturms.
Langsam hob er den Schäbel in die Luft.
„Sein oder nicht sein. Ich erkläre die Shakespear Nordsee Festspiele für eröffnet.“
Das Publikum applaudierte begeistert.

116. Lynchturm V

Lynchturm V

Der alte Leuchtturmwärter wurde aus dem Schlaf gerissen. In der Lampenkammer war etwas krachend auf den Boden gefallen.
„Was geht denn da vor sich?“
Er hastete die Treppe hinauf und blieb erschrocken stehen. Vor ihm stand eine Person, deren Kopf am buchstäblich seidenen Faden zur Seite herabhing.
„Paul!“ Er herrschte den eingeschüchterten Zombie in der Ecke an, der seit kurzem sein Mitbewohner war. „Wenn du den tollpatschigen, fast kopflosen Nick einlädst, sag mir wenigstens vorher Bescheid.“

(c) 2023, Marco Wittler

115. Lynchturm IV

Lynchturm IV

Der alte Leuchtturmwärter betrat die Küche, blickte zur Decke und nickte zufrieden.
Er stieg die schmale Treppe zur Leuchte hinauf. Auch hier war sein Plan aufgegangen. Überall hingen unzählige Leichen von der Decke. Er hatte sie alle überlistet und hingerichtet. Endlich war er die lästigen Qualgeister los.
Der Leuchtturmwärter stieg auf einen Hocker, nahm die klebrigen Fliegenfänger ab und warf sie mitsamt den Insekten in den Müll.
„Nachtlicht kann auch Nachteile haben. Jetzt nicht mehr.“

(c) 2023, Marco Wittler

114. Lynchturm III

Lynchturm III

Müde kroch der alte Leuchtturmwärter aus seinem Blick. Nur mit kleinen Augenschlitzen mühte er sich die Treppe hoch. In der obersten Etage erschrak er. Vor seinen Füßen lag ein lebloser Körper, daneben der abgetrennte Kopf.
„Kannst du nicht einmal aufpassen, Paul? Ständig stolperst du über irgendwas und verlierst deinen Kopf. Das nächste Mal, wenn sich ein Zombie als WG-Partner bewirbt, sage ich nein. Diese Tollpatschigkeit hält man ja im Kopf nicht aus.“

(c) 2023, Marco Wittler

113. Lynchturm II

Lynchturm II

Die Tür des Leuchtturms öffnete sich. Der Wärter trat ein.Pfeifend stieg er die schmale Treppe hinauf, den Einkauf in seiner Hand.
Plötzlich erschrak er. Auf dem alten Sofa lag etwas. Es war groß, rund und konnte nur …
„Ein menschlicher Schädel. Wer ist so skrupellos, dass er einen Menschen in meinem Leuchtturm tötet?“
Der Wärter ließ die Tasche fallen, wählte die 110 am Telefon. Während es tutete sah er zurück und entdeckte seinen Fehler. Auf dem Sofa lag der Kohlkopf vom gestrigen Einkauf.

(c) 2023, Marco Wittler

112. Lynchturm I

Lynchturm I

Der alte Leuchtturmwärter saß gemütlich in seinem Sessel. Hin und wieder warf er einen Blick nach oben, um das Licht zu kontrollieren, bevor seine Nase wieder in einen spannenden Krimi steckte.
Plötzlich hörte er einen Schrei. „Da hängt ein angetrennter Kopf. Ruft die Polizei.“
Schnell lief er zur Tür und seufzte genervt.
„Leute. Jetzt ehrlich?“ Kopfschüttelnd entfernte er den geschnitzten Kürbis vom Seil. Dass selbst an Halloween die Passanten so empfindlich waren, verstand er nicht.

(c) 2023, Marco Wittler

111. Leuchtturm der Angst

Leuchtturm der Angst

Der alte Leuchtturmwärter saß noch spät in der Nacht in seinem Liegestuhl auf dem Deich und genoss den einsamen Blick auf das unendliche Sternenmeer.
Ein heller Stern löste vom Firmament, stürzte der Erde entgegen, zog einen langen Schweif hinter sich her und verblasste.
Fast zeitgleich begann der Boden unter den Füßen des Wärters zu beben. Schnell stand er auf und legte die Hand auf die Wand des Leuchtturms.
„Keine Angst, Kumpel. Das war nur eine Sternschnuppe. Du musst nicht zittern.“

(c) 2023, Marco Wittler

110. Die gestreifte Todesfalle

Die gestreifte Todesfalle

Unter Mühen öffnete er die stählernde Zugangstür des Leuchtturms. Rost rieselte aus den Scharnieren.
Dem Techniker schauerte es. Die Schauergeschichten über diesen Ort hatte er oft genug gehört. Ein Leuchtturm, der Menschen töten sollte.
Er stieg die Treppe hinauf, öffnete mit einem Spezialschlüssel die Leuchte und beugte sich für die Wartung hinein.
Plötzlich bekam er einen Stoß. Die Glastür knallte zu und schloss ihn ein.
Ein verrücktes Lachen erschallte durch den Leuchtturm.

(c) 2023, Marco Wittler

109. Krimi

Krimi

„Der Boden knarzte. Er …“
Sie machte beim Lesen eine kurze Pause.
„… erschrak. Schnell warf er…“ Wieder unterbrach sie die Lektüre, seufzte leise.
„… einen Blick über seine Schulter und sah…“
Es war zum aus der Haut fahren. „Wie soll ich die Spannung in dem Krimi genießen können, wenn ich nicht einen Satz am Stück beenden kann?“
Sie ärgerte sich, den Job als Leuchtturmwärterin angenommen zu haben. Das sich unaufhörlich drehende Licht ging ihr schon in der ersten Nacht auf die Nerven.

(c) 2023, Marco Wittler