Kindergeschichten
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148. Schneckentempo
Schneckentempo
Die kleine Schnecke atmete auf. Endlich war der lange Weg nach oben geschafft. Ganze fünf Tage hatte sie dafür gebraucht. Nun konnte sie die Aussicht über den gesamten Spielplatz und die angrenzende Wiese genießen.
Die kroch noch ein paar Zentimeter weiter vor und sah an der langen Rutsche hinab. „Das ist wohl der einzige Rückweg.“
Statt Angst zu haben, begann sie über das ganze Gesicht zu grinsen.
„PURZELBAUM!“
Die kleine Schnecke verkroch sich in ihr Haus und rollte mit hohem Tempo nach unten.
(c) 2023, Marco Wittler
147. Einfach nur Paul
Einfach nur Paul
Paul setzte sich unsicher auf eine Bank am Spielplatz. Nervös blickte er sich um und zupfte immer wieder am Kleid, dass er sich heute zum ersten Mal getraut hatte anzuziehen.
„Hoffentlich fragt mich nicht ständig jemand ob ich jetzt ein Junge oder Mädchen bin. Das nervt mich so. Ich bin einfach nur Paul.“
Jemand kam auf ihn zu. „Hi, ich bin Emma, wer bist du?“
„Ich bin Paul. Einfach nur Paul.“
„Hallo einfach nur Paul. Cooles Kleid. Hast du Lust mit mir zu spielen?“
Paul atmete auf und nickte.
(c) 2023, Marco Wittler
146. Wichtel
Wichtel
Willi Wichtel war erschöpft. Seit dem frühen Morgen war er unterwegs. Nun stand er mitten im Wald, während die Sonne hinter dem Horizont verschwand und die Nacht hereinbrach.
Willi fröstelte. Er bekam Angst. „Was, wenn mich ein wildes Tier aufspürt und frisst? Ich bin so klein, dass ich mich nicht wehren kann.“
Er kauerte sich zitternd unter einem Fliegenpilz zusammen.
„Keine Sorge. Ich gebe auf dich acht.“ Der Pilz ließ seinen Hut herabsinken und versteckte den Wichtel bis zum nächsten Morgen.
(c) 2023, Marco Wittler
144. Theobär Storm bereist die Welt
Theobar Storm bereist die Welt
„Wie schön es wäre, meinen eigenen Namen im Regal der Buchhandlung zu entdecken.“
Teddy Theobär Storm fasste einen Entschluss. Er wollte Autor werden. Nur wie?
„Ich muss die Welt bereisen, recherchieren und die besten Geschichten aller Länder studieren. Nur dann kann ich etwas schreiben, das wirklich gut ist.“
Theobär griff zum Koffer, in den sich zuvor sein Kater geschlichen hatte.
„Uff, ist der schwer. Ich bleibe lieber Zuhause und schreibe über meine Katzen.“
(c) 2023, Marco Wittler
143. Die kleine Hexe fliegt ins All
Die kleine Hexe fliegt ins All
Eine riesige Explosion erhellte die Nacht. Auf ihr ritt eine Rakete dem Himmel entgegen.
„Wie wundervoll. Die Menschen reisen zu den Sternen. Dort warten bestimmt viele Abenteuer.“
In diesem Moment wünschte sich die kleine Hexe nichts sehnlicher, als den Menschen folgen zu dürfen.
Sie dachte nach und formulierte einen neuen Zauberspruch. Mit ihrem Zauberstab erzeugte sie eine Blase um sich, die Sekunden später lautlos und unbemerkt der Rakete folgte.
(c) 2023, Marco Wittler
141. Spur
Spur
Fabio wachte aus seinem Mittagsschlaf auf und wunderte sich. Auf dem Boden entdeckte er einen Notizzettel. „Lust auf ein Abenteuer? Möchtest du etwas entdecken? Folge meinem Weg.“
Ja, das wollte Fabio unbedingt. Er stand auf, folgte den Zetteln. Er ging durch den Flur, folgte einer Kurve durch das Wohnzimmer bis in die Küche.
„Ziel erreicht. Glückwunsch. War bestimmt einfacher, als du dachtest. Wenn du schon hier bist, räum bitte die Spülmaschine aus.“
Fabio stöhnte. Man hatte ihn reingelegt.
(c) 2023, Marco Wittler
137. Sammelleidenschaft
Sammelleidenschaft
Mama kam in den Garten und verdrehte die Augen. „Habe ich dir nicht gesagt, dass du deine Muscheln und Schneckenhäuser entsorgen sollst? In jeder Ecke liegen die Dinger. Man bekommt Angst, dass man darauf tritt.“
„Ach, Mama.“ Die Antwort klang traurig und enttäuscht. „Die haben aber alle einen Sinn.“
Wie auf ein abgesprochenes Stichwort begann es kurz zu regnen. Die Muscheln und Schneckenhäuser füllten sich mit Wasser und lockten durstige Insekten an.
Mama nickte. „Du hilfst damit der Natur.“
(c) 2023, Marco Wittler
059. Zahnfee
Zahnfee
Leise öffnete sich das Fenster. Eine schemenhafte Gestalt schwebte aus der Dunkelheit der Nacht zum Bett. Sie streckte eine Hand aus, fuhr damit unter das Kopfkissen und holte einen Zahn hervor. Zum Ausgleich schon sie einen Taler an dessen Platz.
Die Gestalt verstaute ihren Fund in einem Säckchen und seufzte.
„Hätte ich doch nur einen richtigen Job gelernt. Zahnfee klang so romantisch. Und nun sammle ich alte, stinkende Zähne, die niemand mehr haben will. Und dafr muss ich sogar noch bezahlen.“
(c) 2023, Marco Wittler
025. Warten
Warten
Mama kam in die Küche und blieb verwundert stehen. „Was machst du da?“
„Ich warte“. Ihre Tochter Fine lag am Boden und bewegte sich nicht.
„Ist das nicht ungemütlich? Ich bin mir sicher, dass das Sofa viel weicher sind.“
Fine grinste. „Nö. Ich bin genau an der richtigen Stelle. Dauert auch nicht mehr lange.“
Mama runzelte die Stirn.
„Jetzt!“ Fine riss den Mund auf. Ein Pfannkuchen fiel ihr ins Gesicht.
„Den hat Papa beim Umdrehen zu hoch geworfen. Ich hab gewartet, bis ich ihn essen kann.“
(c) 2023, Marco Wittler