Kindergeschichten
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251. Die einsame Tanne
Die große Tanne, inmitten des Marktplatzes, warf traurige Blicke in die umstehenden Häuser.
»Ich würde so gern in einer warmen Stube stehen, geschmückt mit Glaskugeln, Strohsternen und Lichtern. Aber leider stehe ich hier einsam und allein.«
Für einen kurzen Augenblick zogen Wolken auf, ließen Schnee fallen und brachten die Äste des Baum zum funkeln.
»Schaut mal, wie schön der Baum im Mondlicht aussieht.« Die Menschen kamen aus ihren Häusern, umringten die Tanne und sangen gemeinsam Lieder.
(c) 2023, Marco Wittler
Santasaurus Rex – Teil 02
»Aber wenn ich es euch doch sage. Diese Wesen, die sich in alte Tierhäute kleiden, müssen Zauberer sein. Sie verfügen über magische Kräfte. Ich kenne kein einziges Tier, das das Feuer beherrscht. Ihr wisst, dass ich weit herumgekommen bin und alles gesehen habe.«
Die Dinosaurier in der großen Höhle hatten das Boo umringt und seinem Bericht gelauscht. Die einen hatten ungläubig die Köpfe geschüttelt, anderen hatte das Maul vor Erstaunen offen gestanden. Eine dritte Gruppe hatte Angst bekommen. Wer das Feuer beherrschte, musste gefährlich sein.
»Egal, ob das nun stimmt oder nicht, niemand wird nach draußen gehen und nach den Zauberwesen sehen. Sollten sie tatsächlich existieren und uns nicht wohl gesonnen sein, darf niemand von uns gefährdet oder unser Versteck an sie verraten werden.« Damit hatte der große Langhals eigentlich alles gesagt, was gesagt werden musste.
»Ihr bleibt hier und lasst diese … Dinger in Ruhe. Wenn wir Glück haben, entdecken sie uns nicht und ziehen irgendwann weiter. Zur Sicherheit stellen wir trotzdem einen Wachtposten am Höhleneingang auf.«
Das Boo war enttäuscht. Da hatte es eine große Entdeckung gemacht und durfte ihr nun nicht nachgehen. »Nicht mit mir.«, dachte es sich und begann, einen Plan zu schmieden.
(c) 2023, Marco Wittler
250. Die Weihnachtskugel
»Ich will das nicht. Ich brauche einen eigenen Ast.«
Die Weihnachtskugel landete trotzdem neben einem alten, schäbigen Glasglöckchen, das kaum noch Glanz hatte. »Och, nee, warum gerade hier? Nun wird mich niemand mehr beachten.« Sie seufzte.
Doch dann zog ein leichter Windhauch durch den Raum, strich am Ast entlang und bewegte ihn. Die Kugel und das Glöckchen stießen aneinander und spielten eine gemeinsame Melodie.
»Wow. Wir passen ja doch super zueinander.«, freute sich die Kugel.
(c) 2023, Marco Wittler
Santasaurus Rex – Teil 01
Das Boo blickte dem riesigen Flugsaurier furchtlos in die Augen. Die mächtigen Schwingen und scharfen Krallen machten ihm keine Angst.
»Ich bin das Boo. Ich lassen mich von niemandem einschüchtern.« Es hielt sich die eigenen Klauen vor den Schnabel und kicherte. Der große Pteranodon tat es ihm gleich, als wären sie Zwillinge.
»Das Boo wandte sich vom Spiel mit dem zugefrorenen Teich ab. Dieses aufgewölbte Stück Eis war einfach zu verlockend. »Wenn ich dich nur mitnehmen könnte. Meine Freunde würden sich so sehr gruseln, als wäre noch einmal Halloween.«
Es seufzte, während es mit kräftigen Flügelschlägen abhob und in die Dunkelheit davonflog. Der Weg nach Hause war nicht weit. Das Boo kannte ihn gut. Trotzdem war da etwas Neues. »Was ist denn das?« Am Fuße des Gebirges flammte ein Licht auf. »Ein Feuer? Das muss ich mir genauer anschauen. Wenn der Wald brennt, sind wir in Gefahr und ich muss die anderen warnen.«
Es segelte einer kleinen Höhle entgegen, in der sich kleine, nackte Wesen befanden, die sich am Feuer wärmten.
»Das müssen Zauberer sein. Sie beherrschen das Feuer. Das muss ich gleich meinen Freunden berichten.«
249. Die Schneeflocke hat verschlafen
»Ich hab verschlafen«!
Die kleine Schneeflocke war zu spät dran. Alle anderen hatten die Erde bereits weiß gefärbt. »Schnell hinterher.« Sie stürzte sich in die Tiefe.
Der Wind trieb die Flocke hin und her. Wo sollte sie landen? Sie suchte einen besonderen Platz.
Zu spät. Sie wurde von der Spitze eines Nadelbaums eingefangen. »Mist. Das war wohl nichts.« Doch kurz darauf blieben Menschen vor dem Baum stehen und staunten. »Schaut, dort oben funkelt der Weihnachtsstern.«
(c) 2023, Marco Wittler
212. Milchstraße
Milchstraße
Paolo holte eine Flasche Hafermilch aus dem Kühlschrank.
„Was hast du vor?“ Seine Schwester legte ihre Stirn in Falten. „Die magst du doch gar nicht.“
Paolo legte den Zeigefinger auf die Lippen. „Stör mich nicht. Ich bin kreativ.“
Er öffnete die Flasche und kippte mehrere Schluck auf dem Küchentisch. Dann nahm er ein paar Schokostreusel und ließ sie in die Flüssigkeit fallen. Er griff zum Handy und machte ein Foto.
„Wir sollen ein Bild der Milchstraße machen und ich hab keine Lust zu malen.“
(c) 2023, Marco Wittler
190. Tanz
Tanz
Mila stand mit Kopfhörern im Garten und tanzte wild.
Mit jeder verstreichenden Sekunde wurde sie dabei wilder.
Mama, die auf der Terrasse einen Kaffee trank, sah eine Weile zu, bis sie irgendwann mit den Schultern zuckte, sich ebenfalls auf die Wiese stellte und einfach mit einstieg.
Mila blieb stehen und nahm die Kopfhörer ab. „Findest du es etwa lustig, mich nachzumachen?“
„Ich wollte doch nur mit dir tanzen.“
Mila verdrehte die Augen. „Ich tanze nicht. Ich habe eine Fliege in meinem Kleid.“
(c) 2023, Marco Wittler
189. Blaue Flecken
Blaue Flecken
„Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du dich nicht mit anderen prügeln sollst.“ Mama war wütend. Die blauen Flecken an Armen und Beinen hatten sich schwer verstecken lassen. Sie waren groß und zahlreich.
„Ich verspreche dir, dass das niemals wieder vorkommt.“
Mama seufzte und wusste jetzt schon, dass sie darauf nicht vertrauen konnte.
Sie ging in die Küche, wo der Muffinteig auf sie wartete. Nur … wo war die Schüssel mit den Blaubeeren geblieben?
„Verdammt! Ich wurde reingelegt.“
(c) 2023, Marco Wittler
188. Sternenfest
Sternenfest
Im Nachthimmel wurde gefeiert. Kleine und große Sterne tanzten umher. Sie hielten sich an den Händen, sangen und wirbelten im Kreis.
Doch plötzlich stolperte einer von ihnen, geriet ins Trudeln und stürzte der nichtsahnenden Erde entgegen. Als er in die Atmosphäre eindrang, begann er zu glühen und zog einen langen Schweif hinter sich her.
„Wow, ist das schön.“ Die anderen Sterne waren begeistert und ließen sich ebenfalls fallen. Gemeinsam erzeugten sie einen riesigen Sternschnuppenregen.
(c) 2023, Marco Wittler
180. Pfützen
Pfützen
„Musst du jetzt echt nach draußen gehen?“ Papa sah aus dem Fenster und den Wolken nach, die gerade hinter dem Horizont verschwanden. „Es hat stundenlang geregnet. Alles ist nass. Deine Klamotten werden bestimmt dreckig.“
Hannah nickte. Ich gebe auch auf alle Pfützen acht. Versprochen.“
„Ok.“ Papa seufzte und ließ Hannah raus.
Sie blickte sich. Jetzt war sie allein. „Ich habs versprochen. Ich gebe auf jede einzelne Pfütze acht.“
Sie sprang los, ließ das Wasser spritzen. Keine Pfütze kam zu kurz.
(c) 2023, Marco Wittler