Kindergeschichten
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441. Haustiere
Haustiere
Paul sah sich zufrieden um. Überall, wo Platz war, standen Steine mit aufgemalten Tieren. Endlich hatte auch er Haustiere um sich, obwohl sein Mietvertrag dieses ausdrücklich verbot. Endlich hatte er den Vermieter überlistet.
(c) 2020, Marco Wittler
440. Stolperbeine
Stolperbeine
Die kleine Spinne saß am Rand des Netzes, sah wehmütig auf die Fliege, die in der Mitte klebte. „Verdammter Hunger. Hoffentlich komme ich bald in die Schule und lerne bis acht zu zählen. Dann stolpere ich auch nicht mehr über meine vielen Beine.“
(c) 2020, Marco Wittler
439. Die Fliege
Die Fliege
Der Weg zur Arbeit zog sich heute ganz schön hin. Irgendwann hatte Ivan keine Lust mehr, so weit zu laufen. Er zog die Fliege, die er um den Hals trug, ein Stück nach vorn, gab ihr Schwung und drehte sie im Kreis. Dann hob er ab und flog den restlichen Weg weiter.
(c) 2020, Marco Wittler
438. Gespenstische Angst
Gespenstische Angst
Zitternd schlich ich nachts durch den Flur. Die Angst vor Geistern war groß. Plötzlich schwebte etwas vor mir. Ein Gespenst hing mit geschlossenen Augen in der Luft. „Willst du ich nicht zu Tode erschrecken?“ Es öffnete die Augen, sah mich an. „Nee, ich träume grad so schön.“
(c) 2020, Marco Wittler
437. Tauziehen
Tauziehen
Ali und Layla saßen in ihren Zimmern und hielten ein Seil locker zwischen sich gespannt. „Was wird das?“, fragte Mama. „Tauziehen.“, erklärte Layla. „Würde langweilig, aber keiner will aufgeben und verlieren.“
(c) 2020, Marco Wittler
436. Spiel mit dem Wind
Spiel mit dem Wind
Stürme jagten über’s Land, rissen Bäume um, deckten Dächer ab, bliesen Kuhherden um. Ein Sturm schlug dem anderen auf die Schulter. „Hab dich! Du bist dran.“ Der andere Sturm stöhnte enttäuscht. „Verdammt! Ich hasse es, Fänger zu sein.“
(c) 2020, Marco Wittler
435. Regenwolke
Regenwolke
Piet war stinksauer. Seit Stunden fuhr er zur See, sah in der Ferne den blauen Himmel, doch der Regen endete nicht. Zeitgleich folgte ihm eine Wolke, die aus Zuneigung zu Piet seit Stunden auf ihn hinab regnete.
(c) 2020, Marco Wittler
434. Zunge
Zunge
Fritzi streckte seinem Bruder die Zunge raus. „Lass den Blödsinn, Kleiner.“, meckerte Paul. „Gleich passiert was.“ Fritzi lachte. „Was soll den schon passieren?“. Er streckte erneut die Zunge raus. Just in diesem Moment kackte eine Taube vom Baum herab.
(c) 2020, Marco Wittler
433. Gedankenreise
Gedankenreise
Emmi saß am Strand und genoss mit geschlossenen Augen den Wind. „Was wird das?“, fragte ihr Bruder. „Ich reise in meinen Gedanken.“ „Wie kindisch. Werd endlich erwachsen.“ Emmi spannte in Gedanken ihren Drachen auf und ritt damit auf dem Wind.
(c) 2020, Marco Wittler
432. Entsorgt
„Der Mond geht auf. Die Sterne funkeln am Firmament. Im Licht einer Laterne öffnet sich die Kellertür.
Eine Gestalt, in einen dunklen Mantel gehüllt, die Mütze tief ins Gesicht gezogen, schleppt unter lautem Stöhnen einen schweren Sack aus dem Haus und legt ihn am Straßenrand nieder.
Schon Morgen früh werden sie kommen und ihn mitnehmen. Damit sind dann alle Spuren auf immer beseitigt.“
„Mensch, Paul!“ Lisa stand oben am Fenster. „Kannst du den Müll nicht einmal ohne dieses Theater rausbringen?“
(c) 2024, Marco Wittler