Gutenachtgeschichten

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345. In die weite Welt

„Die Welt ist so schön.“, sagte das oberste Blatt am Baum. Das Blatt ganz unten war neidisch. Es konnte nichts sehen. Es entschloss sich, herab zu fallen. „Das war ein großer Fehler.“, hörte es noch. Doch das Blatt landete im Fluss, trieb davon, bis in die weite Welt hinaus.

(c) 2020, Marco Wittler

344. Raser

Lena hatte die Nase voll. Ständig rasten Autos durchs Dorf, hielten sich nicht ans Tempolimit. Sie wollte unbedingt etwas dagegen unternehmen. Lena versteckte sich in einem Busch und ließ bei jedem Raser ihre Kamera aufblitzen. Kurze Zeit später fuhren alle Autos normal schnell.

(c) 2020, Marco Wittler

343. Inkognito

„Leute, schaut mal, ein Delfin.“ Sofort war das Tier von unzähligen Strandtouristen umringt. „Verdammt! Der Verkäufer hat mir extra versprochen, in dieser Verkleidung Ruhe vor den Menschen zu haben.“ Wütend riss sich der Hai die falsche Nase herab und schwamm davon.

(c) 2020, Marco Wittler

342. Blitz und Donner

Lea vermisste Oma, die vor ein paar Tagen gestorben war. „Und jetzt muss es auch noch gewittern. Blöde Woche.“ Lea hatte Angst vor Blitz und Donner und kroch in ihre Kuschelecke. „Du musst keine Angst haben.“, sagte Mama. „Bei jedem Blitz macht Oma ein Erinnerungsfoto von dir.“

(c) 2020, Marco Wittler

341. Konzert

Mia hatte ihren letzten Song gespielt. Sie legte die Ukulele zur Seite, verbeugte sich und genoss den Applaus. Ein tolles Gefühl, in der Corona Zeit vor Publikum auftreten zur dürfen. Kinderzimmerkonzerte vor den versammelten Kuscheltieren, war eine geniale Idee gewesen.

(c) 2020, Marco Wittler

340. Gartenpavillon

Steffi saß wieder im Gartenpavillon. Das war ihr Lieblingsplatz, denn dort war sie nie allein, obwohl sie immer allein war. Denn an diesem Platz passte jemand auf sie auf. Grinsend drehte sie sich zum Wald, zwinkerte dem Waldkobold zu, der ihr ebenfalls grinsend zurück zwinkerte.

(c) 2020, Marco Wittler

339. Sonnenuntergang

Sie saßen auf einer Bank am Meer und warteten auf den romantischen Sonnenuntergang und den aufgehenden Mond. Doch es geschah nicht. Sie bewegten sich nicht weiter. „Sonne, was ist los?“, zischte der Mond. „Ich warte, dass die Menschen weiter gehen. Das ist so romantisch.“

(c) 2020, Marco Wittler

338. Flippers Flucht

Flipper wollte raus aus dem Showbecken, zurück ins Meer. Er flüchtete durch das Loch am Beckenboden, schwamm durch endlos lange Röhren, bis er wieder Licht vor sich sah. Endlich frei! Er durchstieß die Oberfläche. Verdammt! Ein Springbrunnen.

(c) 2020, Marco Wittler

337. Katzenbett

Paula kam spät abends hundemüde von der Arbeit. Verdammte Überstunden. Sie wollte nur noch ins Bett. Sie schaltete das Licht im Schlafzimmer an, entdeckte ihre drei Katzen, die quer auf der Decke lagen. Paula seufzte, schaltete das Licht wieder ab. „Noch eine Nacht auf dem Sofa.“

(c) 2020, Marco Wittler

336. STOPP

Anna und Sofie spielten auf der Blumenwiese Fangen. Plötzlich richtete sich ein Stoppschild aus dem Gras auf. Die Mädchen sahen neugierig hinab. Vor ihnen saßen ein paar Bienen, die gerade Mittagspause machten. Das Schild hatte ihnen das Leben gerettet.

(c) 2020, Marco Wittler