Autor: Marco

  • Nicki und Klaus 19

    Sonntag, 19. Dezember

    Nicki hatte sich Zeit gelassen. Das Frühstück ließ er aus und kam erst eine Stunde später aus dem Gästezimmer. Mit einer Kiste voller Wunschzettel, leeren Briefbögen und Buntstiften kam er in den Essenssaal. Doch noch in der Tür bleib er verdutzt stehen. Alle Wichtel, alle Elfen und auch Klaus saßen noch an den Tischen und warteten geduldig auf ihn. Der einzige Unterschied zum Freitag war, dass schon alle erwartungsvoll schwiegen und warteten.
    »Du hast uns aber ganz schön hingehalten.«, scherzte Klaus und nahm dem Jungen die Kiste ab.
    »Was hast du denn nun mit uns vor?«
    Nicki setzte sich und breitete ein paar Sachen vor sich aus.
    »Wir werden jetzt gemeinsam die Wunschzettel lesen. Am besten machen wir das in Kleingruppen. Immer drei oder vier von uns setzen sich zusammen, lesen und überlegen sich gemeinsam, wie man eine passende Antwort aufs Papier bekommen könnte. Schreibt, malt, bastelt etwas. Es spielt keine Rolle, ob ihr besonders gut seid oder viel macht. Das Wichtigste ist, dass ihr es mit Liebe macht. Denkt daran, dass die Kinder an uns glauben. Sie wollen nicht enttäuscht werden. Sollten sie eines Tages den Glauben an uns verlieren, werden sie uns nicht mehr brauchen und wir stehen irgendwann alleine da. Und das werden wir hier und heute verhindern.«
    Großer Jubel brandete durch den Saal und alle stürzten sich auf die Stifte und Wunschzettel. Klaus nahm Nicki zur Seite und streckte ihm den Daumen in die Höhe.
    »Das war eine geniale Ansprache von dir. So eine Begeisterung habe ich seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt. Sie sind wie ausgewechselt. Ich glaube das wird das erfolgreichste Weihnachtsfest seit langer Zeit.«

  • Nicki und Klaus 18

    Samstag, 18. Dezember

    In der großen Geschenkehalle hatte sich über Nacht einiges getan. Die letzten freien Plätze zwischen den Maschinen, großen Geschenkebergen und dem Schlitten waren nun von Sportgeräten belegt worden. Da standen Trimmräder, Laufbänder, unzählige Hanteln und mehr.
    »Was ist denn hier los?«, wunderte sich Nicki und sah sich verwirrt um.
    »Wir haben nur noch eine Woche übrig. Dann ist Weihnachten. Es wird Zeit, dass wir die letzten Vorbereitungen beginnen lassen.«, erklärte Klaus.
    Mit einem Grinsen auf den Lippen, das hinter seinem dichten Bart versteckt war, klatschte er laut in die Hände. Nur einen kurzen Augenblick später verstummten alle Elfen und Wichtel. Sie alle sahen nun zu den Eingangstoren, die sich langsam öffneten.
    Mit majestätisch gehobenem Kopf und bedächtigen Schritten kam ein Rentier herein. An seiner roten Nase sah man sofort, dass es Rudolph war. Dicht hinter ihm folgten seine Freunde. Dasher und Dancer, Pracer und Vixen, Comet und Cupid, Donner und Blitzen.
    Nacheinander kamen sie zum Weihnachtsmann, verneigten sich vor ihm und verteilten sich anschließend vor den Laufbändern.
    Klaus holte ein Schweißband aus der Hosentasche, legte es sich um den Kopf und steckte sich eine Trillerpfeife in den Mund.
    »Auf geht’s, Jungs. Jetzt machen wir euch fit für den Flug des Jahres.«
    Er blies in die Pfeife und gab das Startsignal. Sofort rannten die Rentiere los. Ihre Hufe wurden von Sekunde zu Sekunde schneller, bis man ihnen mit den Augen fast nicht mehr folgen konnte.
    Die Elfen und Wichtel feuerten die Tiere an. Scheinbar gab es hier sogar einige Fanclubs. Die meisten Zurufe gab es aber eindeutig für Rudolph. Er war mit Abstand der beliebteste Schlittenzieher des gesamten Nordpols.
    »Na, was meinst du, wer die längste Strecke von allen schafft?«, fragte Klaus.
    Nicki besah sich alle Rentiere ganz genau.
    »Du denkst bestimmt, dass ich mich für Rudolph entscheide, weil er so beliebt, aber ich glaube nicht, dass er es schafft.«
    Klaus sah ihn verdutzt an.
    »Wie kommst du denn darauf, dass er es nicht schaffen könnte? Er ist das Leittier. Er ist der Kräftigste der ganzen Herde.«
    Aber Nicki schüttelte den Kopf.
    »Er ist vielleicht kräftiger als die anderen. Aber er weiß auch, dass er eine Sonderstellung hat. Also ruht er sich auf seinem Ruhm aus. Er geht einfach davon aus, dass ihn niemand schlagen kann. Daher strengt er sich auch nicht so richtig an.«
    Nicki hatte bereits gesehen, dass Rudolph nicht ins Schwitzen kam. Die anderen Rentiere mühten sich dafür umso mehr ab.
    »Ich tippe auf Donner. Seine Beine sind besonders flink.«
    Klaus nickte und blies ein weiteres Mal in die Trillerpfeife.
    »Und der Gewinner ist mit großem Vorsprung: Donner!«
    Großer Jubel brach unter den Fans des Gewinners aus, während von den anderen Teams Buhrufe ertönten.
    »Dann sollten wir die Rentiere mal in Ruhe für die heilige Nacht trainieren lassen. Sie haben einen wirklich anstrengenden Flug vor sich. Was hältst du davon, wenn wir uns in mein Arbeitszimmer zurück ziehen und bei einer Tasse Kakao ein paar Wunschzettel beantworten?«
    Den Vorschlag nahm Nicki nur zu gern an.

  • Nicki und Klaus 17

    Freitag, 17. Dezember

    Erst am Morgen kam Nicki aus seinem Zimmer. Die Wichtel, Elfen und auch Klaus verstummten, als er den großen Speisesaal betrat.
    »Guten Morgen.«, sagte er, als wüsste er nicht, was alle dachten.
    Wortlos stellte er einen großen Karton auf einen kleinen Beistelltisch und setzte sich dann an seinen Platz. Er nahm sich eine Müslischale, füllte sie mit Cornflakes, Kakaopulver und Milch. Ganz ruhig und gemütlich rührte er um und steckte sich dann den ersten Löffel in den Mund.
    »Jetzt sag schon.«, platzte es plötzlich aus Klaus heraus.
    »Was hast du denn die letzten beiden Tage gemacht und was steckt in der Kiste.«
    Nicki begann zu lachen und die anderen stimmten mit ein.
    »Na endlich. Ich dachte, du wirst mich nie fragen.«
    Der Junge stand auf, holte die Kiste und verteilte daraus an jeden Elfen, jeden Wichtel und an Klaus Briefumschläge.
    »Ich habe die ganze Zeit Wunschzettel gelesen und mir überlegt, wie man sie beantworten könnte. Es reicht einfach nicht aus, wenn wir die Geschenkemaschinen programmieren und dann einen kurzen Gruß an die Pakete hängen. Die Kinder, die uns schreiben, haben sehr viel Zeit und Liebe in diese Briefe gesteckt. Sie erwarten einfach, dass wir das bei unserer Antwort auch machen.«
    Er holte einen Brief aus dem Umschlag und zeigte ihn vor. In der Mitte des Blattes war ein Teddybär gemalt, der von ein paar handschriftlichen Sätzen umrandet war.
    »So etwas ist doch viel schöner.«
    Alle nickten.
    »Und deswegen habe ich mir gedacht, dass wir uns am Sonntag, wenn der freie Tag ist, hier zusammen an die Tische setzen und gemeinsam die Briefe beantworten. Wenn sich das unter den Kindern herum spricht, werden auch wieder viel mehr an den Weihnachtsmann glauben und noch mehr Wunschzettel schreiben. Ihr werdet von ihnen nicht mehr so schnell vergessen werden.«
    Großer Jubel hallte durch den Saal und Nicki bekam große Zustimmung zu seinem Plan.
    »Dann werde ich mal schauen, wo ich meine Buntstifte gelassen habe.«, sagte Klaus zufrieden und stand auf.
    Als er am Beistelltisch vorbei kam, fiel ihm ein Umschlag auf, der zu Boden gefallen war. Er hob ihn an und warf einen Blick drauf.
    ›An Leon‹ stand darauf.
    »Dann schau ich doch mal, was da als Antwort drin steht.«, murmelte er und steckte den Brief ein.

  • Nicki und Klaus 16

    Donnerstag, 16. Dezember

    Nicki ließ sich den ganzen Tag nicht blicken. Sein Frühstück und Mittagessen hatte er sich schnell aus der Küche geholt und war dann sofort wieder im Gästezimmer verschwunden. Klaus war so neugierig, dass immer wieder im Flur auf und ab ging, sein Ohr lauschend an die Tür hielt und dann wieder seines Weges ging.
    »Wenn ich doch bloß wüsste, was der Bengel da drinnen ausheckt. Nur zu gern würde ich hinein stürmen und nachschauen.«
    Also klopfte er an und drückte die Klinke herunter.
    »Draußen bleiben.«, war Nickis kurze Reaktion darauf. Klugerweise hatte er hinter sich abgeschlossen.
    »Nicht schlecht.«, murmelte Klaus.
    »Er ist ziemlich schlau.«
    Es blieb dem Weihnachtsmann also nichts weiter übrig, als im Arbeitszimmer zu warten.

    Nicki hatte es fast geschafft. Ein letzter Brief lag auf dem kleinen Tisch und wartete darauf, gelesen zu werden. Er öffnete den Umschlag und holte einen Zettel hervor, auf dem die Tinte schon leicht verwischt war. Offensichtlich hatte das Kind beim Schreiben geweint.

    Lieber Weihnachtsmann.
    Mein Wunsch ist in diesem Jahr ganz anders als sonst. Ich will gar keine Spielzeuge oder Bücher von dir haben. Dieses Mal brauche ich deine Hilfe.
    Mein bester Freund, der Nicki, ist auf der Suche nach dir. Jeder hat ihm erzählt, dass es dich nicht gibt. Also will er es allen anderen beweisen. Kannst du ihm nicht einfach mal ein Foto von dir schicken oder ihm einen Besuch abstatten, auch wenn deine Zeit an Weihnachten sehr knapp ist?
    Nicki war zwar vor ein paar Tagen sehr böse zu mir. Er hat behauptet, dass es den Osterhasen nicht gibt. Ich weiß, dass er das nicht absichtlich gemacht hat. Trotzdem hat es mich sehr verletzt, dass er mich ein Baby genannt hat.
    Ich habe ihm das mittlerweile verziehen, konnte es ihm aber noch nicht sagen, da er nicht mehr zur Schule kommt. Er ist krank geworden. Gerade deswegen wäre es doch schön, wenn du zu ihm kommen würdest, denn mit einer Grippe kann er nicht nach dir suchen.
    Mehr wünsche ich mir gar nicht in diesem Jahr. Ich möchte einfach nur, dass mein Freund seinen größten Wunsch erfüllt bekommt.

    Dein Leon.

    P.S.: Solltest du den Osterhasen persönlich kennen, dann richte ihm doch einen Gruß von mir aus. Ich freue mich schon sehr darauf, wenn er nächstes Jahr wieder zu mir kommt.

    Nicki wusste gar nicht, was er denken sollte. So vieles ging ihm nun durch den Kopf. Plötzlich tat es ihm Leid, dass er seinem Freund so in den Rücken gefallen war. Ihm lief eine Träne über die Wange.
    »Ich weiß doch schon längst, dass es den Weihnachtsmann gibt. Das haben schon viele für unmöglich gehalten. Warum sollte es dann nicht auch den Osterhasen geben? Das werde ich Leon sagen, wenn ich wieder zu Hause bin.«
    Er nahm sich ein Blatt Papier und begann mit den Buntstiften ein Bild des Osterhasen zu malen.
    »Ich bin mir sicher, dass ihm das als Antwort gefallen wird. Und nächstes Jahr werde ich mit ihm zusammen auf die Suche nach dem Osterhasen gehen, egal ob mich dann alle auslachen. Freunde lassen sich niemals allein.«

  • Nicki und Klaus 15

    Mittwoch, 15. Dezember

    Der Tag war anstrengend gewesen. Mehrere tausend Geschenke hatten die Wichtel und Elfen in der großen Halle hergestellt und verpackt. Der Sack des Weihnachtsmanns füllte sich immer mehr.
    Am Abend kam Nicki, der kräftig mit angepackt hatte, zurück ins Haus und fand Klaus in dessen Büro.
    »Was machst du denn hier?«, wollte Nicki wissen und setzte sich auf die andere Seite des großen Schreibtischs, der mit riesigen Papierstapeln bedeckt war.
    Klaus zog sich Brille zur Nasenspitze herunter und sah über die Ränder hinweg zu seinem jungen Gast.
    »Das hier sind alles Wunschzettel, die mir die Kinder aus der ganzen Welt geschickt haben. Jeden Abend sitze ich hier nach der Arbeit und versuche, sie zu beantworten, was bei dieser Menge gar nicht so einfach ist.«
    Eine Antwortkarte nach der anderen ging durch die Hände des Weihnachtsmanns. Es dauerte immer nur ein paar Sekunden, bis er etwas geschrieben hatte.
    »Viel zu Lesen bekommen die Kinder aber nicht, kann das sein?«, fragte Nicki.
    Klaus nickte und seufzte.
    »Nach so vielen Jahrzehnten und Jahrhunderten, die ich diesen Job bereits mache, fällt mir nicht mehr viel ein. Es ist alles irgendwie zur Routine geworden.«
    Nicki nahm sich einen Wunschbrief und las ihn sich durch. Dann nahm er die dazu passende Antwortkarte und las sie ebenfalls.
    ›Ich hoffe, dir gefällt dein Geschenk. Liebe Grüße vom Weihnachtsmann.‹
    Nicki schüttelte den Kopf.
    »Das ist ganz schön lieblos. Ich bin mir sicher, dass sich die Kinder über ein paar Zeilen mehr richtig freuen würden.«
    Nicki und Klaus sahen sich schweigend an, bevor der Junge plötzlich von einem Ohr zum anderen grinste.
    »Ich hab da eine Idee.«
    Er griff sich einen großen Stapel Wunschzettel, klemmte sie sich unter die Arme und verschwand damit.
    »Wir sehen uns Morgen.«, rief er laut, bevor in das Gästezimmer flitzte und die Tür hinter sich verschloss.

  • Nicki und Klaus 14

    Dienstag, 14. Dezember

    Nicki war zusammen mit den Elfen und Wichteln aufgestanden und nach dem Frühstück in die Geschenkehalle gegangen. Es musste noch ein riesiger Berg voller Wunschzettel abgearbeitet werden.
    »Möchtest du auch mal die Geschenkemaschine bedienen?«, fragte der Chefwichtel.
    Nicki war überrascht. Er hatte zwar schon ein paar Mal darüber nachgedacht und es sich insgeheim gewünscht, aber hätte im Traum nicht daran gedacht, dass er es auch wirklich machen dürfte.
    »Ja.«, flüsterte er mit zittriger Stimme.
    Gemeinsam gingen die zwei hinüber zu den Materialien.
    »In Ordnung. Was willst du herstellen?«, fragte der Wichtel.
    »Einen Teddybären.«, antwortete Nicki.
    »Gut. Dann brauchen wir Garn, Teddystoff, Füllmaterial und Knopfaufgen.«
    Sie sammelten die nötigen Sachen zusammen und legten sie auf ein Fließband. Direkt daneben war ein Feld mit nummerierten Knöpfen. Der Code für einen Teddy lautete zweiundvierzig. Dieser musste eingetippt und bestätigt werden.
    Nach dem Drücken auf einen roten Knopf, begann die Maschine zu arbeiten und holte sich über das Fließband die Materialien in sich hinein. Nicki lief langsam daneben her und besah sich alles ganz genau. Kurz bevor die Sachen in der Maschine verschwanden, eilten bereits ein paar weitere Wichtel heran und wollten die nächsten Geschenke vorbereiten.
    »Vorsicht! Aus dem Weg! Eilige Geschenke!«, riefen sie und hasteten durch die Halle.
    Leider konnten sie nicht genau sehen, wohin sie liefen. Die Sicht war ihnen von einigen Kartons versperrt, die sie vor sich her schoben.
    Nicki versuchte ihnen aus dem Weg zu gehen und stolperte. Rückwärts fiel er auf das Fließband und verschwand in der Maschine.
    »Du meine Güte. Was machen wir denn jetzt?«, brüllte der Chefwichtel verzweifelt und suchte nach einer Öffnung, um den Jungen zu befreien. Doch da war nichts. Man konnte die Maschine nicht einmal abschalten.
    »Da bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als auf der anderen Seite zu warten und zu hoffen, dass ihm nichts passiert ist.«
    Sofort eilte er um die große Maschine herum. Der Ausgang war bereits beleuchtet. Es konnte sich also nur noch um wenige Sekunden handeln. Es öffnete sich eine Tür und ein großes Geschenk kam zum Vorschein.
    Sofort holte der Wichtel eine Schere aus seiner Arbeitstasche und schnitt die rote Schleife auf. Er öffnete das Paket und fand einen riesigen Teddybären vor sich.
    »Wo ist bloß der Junge geblieben? Ob er sich in der Maschine verklemmt hat?«
    Verzweifelt warf er einen vorsichtigen Blick in die Maschine, konnte aber nichts sehen.
    »Ich bin hier.«, rief Nicki mit dumpfer Stimme.
    »Wo ist hier?«, fragte der Wichtel.
    »Ich stecke im Teddybären.«
    »Wo steckst du?«, musste der Wichtel erneut fragen, weil er es nicht glauben wollte.
    »Ich bin hier im Teddybären.«, erklang Nickis genervte Stimme ein weiteres Mal.
    Erleichtert begann der Wichtel zu lachen und trennte den Bärenkopf vom restlichen Stofftier. Darunter kam dann ein Menschenkopf zum Vorschein.
    »Ich bin in Ordnung.«, sagte Nicki und schnappte nach Luft.
    »Mir ist nichts passiert. Aber so eine Fahrt will ich nicht noch einmal erleben. Da macht eine Achterbahn mehr Spaß.«

  • Nicki und Klaus 13

    Montag, 13. Dezember

    Am heutigen Morgen hatte sich Nicki extra einen Wecker gestellt, um pünktlich zu erwachen. Schon beim ersten Klingeln sprang der Junge aus dem Bett und machte sich schnell fertig.
    »Heute will ich alles mitbekommen. Immerhin kommt Weihnachten langsam näher. Da gibt es doch bestimmt noch eine Menge zu tun.«
    Nach einem schnellen Frühstück lief Nicki hinüber in die Geschenkehalle. Dort staunte er nicht schlecht, denn in der Nacht hatten die Weihnachtswichtel eine weitere Geschenkemaschine aufgestellt.
    »Was ist denn hier los?«, fragte er neugierig.
    In diesem Moment gesellte sich Klaus zu ihm und hatte sofort eine Antwort parat.
    »Wir haben die erste Hälfte des Adventskalenders hinter uns gebracht. Heute beginnt die zweite Hälfte. Ab heute lassen es meine Jungs und Mädels so richtig krachen. Alles beginnt mit einer Wette.«
    »Was für eine Wette?«, wollte Nicki wissen. Doch da hörte er bereits eine laute Stimme, die aus einem Lautsprecher ertönte.
    »Herzlich Willkommen, meine Damen und Herren im Geschenkestadion des Nordpols. Ich darf sie zur zweiten Halbzeit des Weihnachtsspiels begrüßen. Die beiden Mannschaften haben sich bereits warm gemacht und warten nun auf den Anpfiff des Unparteiischen.«
    Klaus nickte, steckte sich eine Trillerpfeife zwischen die Lippen und nahm seinen Platz vor den beiden Maschinen ein.
    »Das heutige Spiel wird Schiedsrichter Klaus leiten, der für seine große Fairness bekannt ist. Er wird also keine Fouls und keine Tricks gestatten.«
    Klaus holte tief Luft und blies in die Pfeife.
    »Das Spiel hat begonnen. Auf der linken Seite rennen die Elfen sofort los, ergreifen sich ihre Arbeitsmaterialien und füttern damit die Geschenkemaschine. Die Wichtel auf der anderen Seite machen es ihnen gleich und legen sich ebenfalls mächtig ins Zeug. Es entwickelt sich ein Kopf an Kopf Rennen, das an Dramatik keinen Vergleich findet.«
    Nicki war von den Vorgängen in der großen Halle gefesselt. Es war von Anfang an spannend.
    »Die Maschinen beginnen zu rattern, zu schnaufen, zu arbeiten. In ihrem Inneren werden die ersten Geschenke hergestellt. Wir sind schon ganz gespannt darauf, was gleich am anderen Ende heraus kommen wird.«
    In diesem Moment leuchteten ein paar Lampen auf, die auf die Ausgangsöffnungen der Maschinen gerichtet waren.
    »Und da kommt das erste Geschenk. Es sind die Elfen, die den ersten Punkt vorlegen. Es ist … es ist … eine Holzeisenbahn. Das ist einfach unglaublich. Das müssen die Wichtel erst einmal überbieten. Und da sind sie auch schon und präsentieren ein blaues Schaukelpferd. Das ist ja noch besser als der Start im letzten Jahr. Da hatten sie nur eine braune Farbe geschafft. Meine Damen und Herren, sie werden hier wahrlich mit größten Höchstleistungen verwöhnt. Doch ruhen wir uns nicht darauf aus, denn schon kündigen sich die nächsten Geschenke an.«
    Im Laufe der nächsten Minuten erschienen immer mehr Spielzeuge, die Kinder in der ganzen Welt glücklich machen würden. Nickis Augen begannen immer wieder zu leuchten.
    »Und nun befindet sich das Match in der Schlussphase. Es ist unglaublich spannend. Bis jetzt halten beide Mannschaften ein wackliges Unentschieden. Aber wer wird am Ende gewinnen? Die Maschinen sind bereit, ihr Letztes zu geben.«
    Doch plötzlich stieg aus der Elfenmaschine Rauch auf.
    »Oh nein, was ist das? Sollte am Ende ein Getriebeschaden über Sieg und Niederlage entscheiden? Hoffentlich halten die Elfen noch ein paar Sekunden durch.«
    Die Wichtel jubelten bereits und freuten sich auf ihr letztes Produkt. Ihre Maschine gurgelte laut und spuckte eine kleine Plüschmaus aus.
    »Sehen sie sich das an, verehrte Zuschauer. Es ist nur eine kleine Maus geworden. Da hat wohl jemand an der Programmierung Mist gebaut. Das sieht unseren Wichteln aber gar nicht ähnlich. Jetzt können sie nur noch hoffen, dass die Elfen ausscheiden. Doch danach sieht es nicht mehr unbedingt aus. Die Maschine raucht immer mehr, aber es sollten wenige Sekunden reichen, um den Sieg perfekt zu machen. Und da öffnet sich der Ausgang und zum Vorschein kommt … Nein, das ist unglaublich. Das ist die Königsklasse. Es ist ein Teddybär mit roter Schleife. Damit haben sich die Elfen aber mächtig ins Zeug gelegt. So eine Leistung haben wir seit Jahren nicht mehr miterleben dürfen. Damit holen die Elfen zum vierten Mal in Folge den Jahressieg. Und schon liegen sich die Spieler in den Armen und jubeln.«
    Nicki klatschte begeistert in die Hände. Das war viel spannender als jedes Fußballspiel gewesen.

  • Nicki und Klaus 12

    Sonntag, 12. Dezember

    Nicki erwachte irgendwann am Morgen. Als er auf seine Armbanduhr sah, schreckte er sofort hoch.
    »Du meine Güte. Es ist ja schon viel zu spät.«
    Er sprang aus dem Bett, zog sich seine Sachen an und machte sich im Bad fertig. Mit der Zahnbürste im Mund murmelte er die ganze Zeit vor sich.
    »Wie konnte ich nur verschlafen. Das ist mir noch nie passiert. Ich werde bestimmt viel verpassen.«
    Er spülte die Zahnpasta aus und verließ sein Zimmer. Mit schnellem Schritt lief er durch das Haus des Weihnachtsmanns und begab sich sofort in die große Geschenkehalle. Doch da gab es eine Überraschung.
    »Was ist denn hier los?«, fragte sich Nicki.
    Und genau das war das Problem. Es war nämlich gar nichts los. Alle Maschinen standen still. Von den vielen Wichteln und Elfen war nichts zu sehen. Die Halle war leer und still.
    »Wo sind die denn alle?«
    Nicki lief sofort zurück ins Haus und rief nach Klaus.
    »Wo seid ihr denn alle?«
    Klaus, der mittlerweile die laute Stimme des Jungen gehört hatte, kam in den Flur.
    »Was ist denn mit dir los? Ist etwas passiert? Ist Rudolphs rote Nase erloschen oder ist an meinem Schlitten eine Kufe abgebrochen?«
    Nicki schüttelte den Kopf.
    »Keins von beidem. Aber es wird nicht gearbeitet. Die Geschenke werden nicht mehr hergestellt und in den Weihnachtssack gefüllt. Wie soll denn da das Fest rechtzeitig stattfinden können?«
    Klaus musste grinsen. Er nahm den Jungen an die Hand und nahm ihn mit in sein kleines Büro, in dem sich unzählige Papierstapel aneinander reihten. Hier gab es keine Ordnung. Alles war ein wildes Durcheinander.
    »Schau doch mal auf den Kalender.«
    Nicki sah genau hin.
    »Es ist der zwölfte Dezember. Es ist also die Hälfte der Zeit vorbei. Da muss doch was passieren.«
    Klaus schüttelte den Kopf.
    »Beruhig dich. Alles ist in bester Ordnung. Auch meine Elfen, Wichtel und ich brauchen hin und wieder einen Ruhetag. Heute ist Sonntag. Da wird nicht gearbeitet. Also komm mit mir mit. Wir werden jetzt ganz gemütlich frühstücken gehen.«
    Zu zweit gingen sie durch das Haus und betraten einen riesigen Speisesaal. An den langen Tischen saßen alle Weihnachtshelfer. Gemeinsam aßen und tranken sie und erholten sich von der anstrengenden Woche.

  • Nicki und Klaus 11

    Samstag, 11. Dezember

    Nicki wachte am frühen Morgen auf und rieb sich die Augen. Der gestrige Tag war ihm gut in Erinnerung geblieben. Der Rundgang durch die große Geschenkehalle des Weihnachtsmanns war sehr beeindruckend gewesen.
    Am einen Ende stand eine große Maschine, die ununterbrochen von den Weihnachtselfen mit Holz, Stoffe, kleine Metallteile, Farben Geschenkpapier, Klebeband, bunte Schleifen und mehr gefüttert wurde. Die ganze Zeit summte, brummte und rumorte sie vor sich hin, bis schließlich am Ende fertig verpackte Geschenke von den Weihnachtswichteln entgegen genommen und im großen Sack des Weihnachtsmanns verstaut wurden.
    In einer Ecke der Halle stand eine sehr kleine Maschine. Zwischendurch wurde sie mit Papier, Pappe und tütenweise kleinen Buchstaben gefüttert.
    »Was passiert denn dort drin?«, hatte Nicki gefragt.
    »Das ist die Maschine, die schöne Kinderbücher druckt. Aber weil nicht mehr so viele Kinder lesen, sondern viel lieber vor dem Fernseher oder Computer sitzen, reicht ihre Größe völlig aus.«, hatte einer der Wichtel traurig erklärt.
    Es herrschte ein buntes Treiben in wilder Hektik. Nicki konnte sich gar nicht vorstellen, dass hier alles seine Ordnung hatte. Daher hatte er sich vorgenommen, mit Klaus beim Frühstück darüber zu reden. Nach einem großen Schluck Kakao aus einer noch viel größeren Tasse, stellte er die neugierige Frage.
    »Woher weißt du eigentlich, welchem Kind du welches Geschenk geben sollst? Ich habe nur den riesigen Sack und die unglaublich vielen Geschenke gesehen. Kommst du denn da nicht durcheinander?«
    Klaus grinste und strich sich gemütlich über seinen üppigen Bart.
    »Wenn ich mit meinem Schlitten unterwegs bin, habe ich immer einen meiner Weihnachtswichtel bei mir, der dann für die richtige Reihenfolge der Geschenke zuständig ist. Das ist eine ehrenvolle, aber auch extrem anstrengende Aufgabe. Deswegen machen sie das auch nur ein einziges Mal. Dadurch kommt jeder einmal dran. Wie sie das dann während des Fluges schaffen, weiß ich selbst nicht. Das ist ein großes Wichtelgeheimnis.«
    Diese Antwort reichte Nicki völlig aus. Aber da fiel ihm bereits eine weitere Frage ein.
    »Ich habe vor ein paar Jahren einen Hamster auf meinen Wunschzettel geschrieben, aber keinen bekommen. War ich damals nicht artig genug?«
    Klaus schüttelte den Kopf.
    Ich verschenke schon lange keine Haustiere mehr. Viele Kinder wünschen sich eins, aber nach ein paar Tagen wird es ihnen zu anstrengend, sich darum zu kümmern. So ein Lebewesen braucht viel Zeit und Liebe. Also wollen sie es nachher wieder umtauschen. Am Ende sah es so aus, dass wir hier ein Tierheim hatten, das größer als die Geschenkehalle war. Das war gar nicht schön und für die Tiere tat es mir viel zu Leid. Also überlasse ich das lieber den Eltern. Wenn sie meinen, ein Tier verschenken zu müssen, dann sollen sie auch die Verantwortung dafür tragen.«
    Nicki nickte und trank einen weiteren Schluck Kakao, bevor er sich wieder auf den Weg in die große Halle machte, in der er den Rest des Tages den Wichteln und Elfen bei der Arbeit zusah.

  • Nicki und Klaus 10

    Freitag, 10. Dezember

    Die Nacht war noch nicht ganz vorüber, als sie Die Ränder der Arktis erreichten. Nicki hatte sich eigentlich vorgenommen, noch etwas zu schlafen, aber dafür war er dann doch viel zu aufgeregt gewesen. Es gab zu viel zu sehen.
    Bei ihrem Flug zum Nordpol hatten sie Deutschland, Dänemark, Schweden und Norwegen hinter sich gelassen. Von nun an gab es bis zum Ziel nur noch Eis und Schnee.
    Nicki sah auf seine Armbanduhr und dann wieder in die Ferne.
    »Klaus, wo bleibt denn die Sonne? Sollte sie nicht langsam aufgehen?«
    Klaus musste laut lachen und schüttelte den Kopf.
    »Wir befinden uns hier in der Nähe des Nordpols. Während des Winters bleibt es rund um die Uhr dunkel. Die Sonne befindet sich jetzt auf der anderen Seite der Erde. Über der Antarktis scheint sie nun ohne Pause. Aber in ein paar Monaten ist es wieder umgekehrt.«
    Nicki wunderte sich. In allen Filmen, in denen die Spielzeugfabriken des Weihnachtsmannes gezeigt wurden, war es tagsüber hell.
    »Du kennst es aus dem Fernseher anders, stimmt’s?«
    Der Junge nickte und brachte Klaus ein weiteres Mal zum Lachen.
    »Das liegt daran, dass die Filmemacher aus Hollywood alle keine Ahnung haben. Ich hab schon ein paar Mal versucht, ihnen zu erklären, was richtig ist, aber sie wollte mir nie glauben, wer ich bin. Kannst du dir das vorstellen?«
    Sie flogen weiter und weiter, bis hinter dem Horizont ein kleines Licht auftauchte, das mit jeder Minute größer wurde.
    »Das ist unser Flugziel. Der Nordpol. Dort lebe und arbeite ich. Wenn du magst, werde ich dir alles zeigen.«
    Der Schlitten setzte zur Landung an und blieb schließlich vor einem großen Gebäude stehen.
    »Werden mich meine Eltern eigentlich nicht vermissen, wenn ich ein paar Tage nicht nach Hause komme?«
    Klaus schüttelte den Kopf.
    »Dafür habe ich gesorgt. Deine Großmutter kümmert sich um alles. Sie wird deinen Eltern erzählen, dass du ein paar Tage bei ihr schlafen wirst, weil du noch immer sauer bist.«
    Nacheinander stiegen sie vom Schlitten herab und betraten das Gebäude.

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