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  • Schwere Entscheidung

    Schwere Entscheidung

    Ein weiteres Mal schloss er seine Augen, holte tief Luft und versuchte, seine Aufregung unter Kontrolle zu bringen. Mittlerweile hatten sich erste Schweißperlen auf seiner Stirn gebildet, die ihm nach und nach über die Wangen herabrannen und in seinem Hemdkragen verschwanden.
    Er öffnete seine Lider und sah vor sich auf den Tisch. »Den Roten oder den Blauen.« Verdammt noch mal. Er hasste es, sich immer wieder aufs Neue entscheiden zu müssen. Er hatte eine Chance von eins zu eins. Nahm er die richtige Farbe, würde sich alles zum Guten wenden, bei der falschen musste es zwangsläufig fatal enden.
    »Rot oder blau?« Mit der linken Hand wischte er sich den Schweiß von der Stirn, mit der anderen durch das Haar. »Wie halten die anderen das nur aus? Diese Situation ist einfach unmenschlich und barbarisch.«
    Sein Blick fiel auf die Uhr an der Wand. Er hatte nur noch wenige Sekunden. Jetzt galt es. Jetzt musste er die Entscheidung treffen.
    Mit zitternder Hand griff er zum roten Kugelschreiber, zog das leere Blatt zu sich und begann endlich zu schreiben.
    »Sehr geehrte Damen und Herren.«
    In diesem Moment begann die Glocke des Kirchturms zu schlagen. Mitternacht. Der neue Tag hatte begonnen.
    Der Geschichtenerzähler atmete erleichtert auf. »Jetzt kann mir niemand vorwerfen, ich hätte nicht schon Gestern mit dem Brief an den Verlag begonnen. Den Rest verschiebe ich dennoch lieber auf Morgen.« Er kicherte. Was eben noch der morgige Tag gewesen war, hatte sich gerade zum Heute verwandelt. »Ich muss dringend ins Bett und noch einmal über alles schlafen. Vielleicht gefällt ihnen mein Manuskript auch gar nicht.«
    Er legte Stift und Papier zur Seite, löschte das Licht und ließ seinen Schreibtisch im Dunkeln zurück.

    (c) 2025, Marco Wittler

  • Choices

    Choices
    Feinste Schweißperlen bildeten sich auf ihrer Stirn. Hier und jetzt musste sie eine Entscheidung treffen. Sollte sie ihren Weg fortsetzen oder sich dagegen entscheiden und umkehren? Nur noch zwei Scans ihres Daumens. Damit würde sie ihr Schicksal besiegeln. Sie schluckte schwer, schloss die Augen und holte tief Luft.
    Nur einen Schritt weiter. Dann konnte sie sich immer noch entscheiden, die ganze Sache abzubrechen und in ihren Safe Place zurückkehren. Nur mal einen Blick in den Raum dahinter werfen. Was sollte schon großartig geschehen?
    Sie zögerte noch ein paar Sekunden, machte sich noch einmal die Konsequenzen ihres Handelns bewusst, dann presste sie viel zu fest ihren Daumen auf den Scanner.
    Ein leichtes Kribbeln fuhr durch ihre Haut hindurch, setzte sich im Arm fort und fand den Weg in ihren Kopf. Ein Schmerz machte sich dort breit. Nur – war er real oder bloße Einbildung? Eigentlich sollte sie nichts spüren. Davon hatten auch die anderen niemals berichtet.
    Es summte, es klickte. Das Schloss sprang auf. Sie öffnete die Tür und betrat den Raum, der in völliger Stille vor ihr lag.
    Niemand zu sehen. Sie war allein. Vorsichtig setzte sie einen Fuß vor den anderen, ging an den schmalen Boxen vorbei, die spartanisch mit Tisch und Stuhl ausgestattet waren.
    Noch drei, noch zwei, eine. Sie betrat eine der Boxen, ließ sich leise auf dem Stuhl nieder. Der Tisch vor ihr war leer. Lediglich ein weiterer Scanner war in die Platte eingelassen.
    Eine letzte Chance, umzukehren und zu verschwinden. Eine letzte Chance, dem allen hier zu entfliehen, sich in die ausgebreiteten Arme der Freiheit zu begeben.
    Noch einmal Augen schließen, durchatmen und alle Optionen durchdacht. Sie seufzte und legte den Daumen auf den Scanner. Augenblicklich wurde die Wand vor ihr transparent, gab den Blick auf einen Monitor frei. Eine Tastatur leuchtete auf der Tischplatte auf. Programmfenster öffneten sich.
    „Herzlich Willkommen zu deiner Schicht, Emilia. Du hast 98 neue E-Mails.“
    Emilia stöhnte laut auf. Warum sammelten sich nur über die Wochenenden so viele Nachrichten? Sie hasste Montage. Sie hasste ihren Bürojob.
    „Dann mal an die Arbeit. Die erledigt sich leider nicht von selbst.“ Sie öffnete die erste E-Mail und setzte sich an die Beantwortung, während ihre Kollegen nach und nach ihre Boxen aufsuchten.
    (c) 2025, Marco Wittler
  • Erinnerungen an warme Zeiten – Der Sommer im Glas

    Wenn der Herbst beginnt, die ersten kalten Wintertage nach uns greifen, wenn es immer länger dunkler bleibt, regnet, schneit und stürmt, dann ist es gut, wenn man Erinnerungen an die schönen Tage hat, an denen die Sonne schien, es warm war und man vielleicht die Füße im Wasser baumeln hatte. Diese Momente habe ich eingefangen, gesammelt und in kleinen Gläsern eingemacht.

    Es sind Dekoglühbirnen in Originalgröße und kleine Einmachgläschen.
    Das Meer besteht aus blauem Kunstharz, der Meeresboden aus Vogelsand. Die Riffe sind Kieselsteine.
    Die kleinen Figuren (Leuchttürme, Schiffe, Walfluken, TARDIS) stammen allesamt aus dem 3D Drucker und wurden von mir per Hand mit kleinen Pinseln und Acrylfarbe bemalt.
    Lediglich die Personen sind gekauft und gehören zum Modellbau.

    Die kleinen Kunstwerke werden zu Gunsten der Nordstadtkatzen verkauft, die aufgefundene Katzen aufpäppelt, kastrieren lässt und – im Falle von älteren Tieren zumeist – diese wieder in die Freiheit entlässt, Kitten in ihr Zuhause für immer vermittelt.
    Die Spende geht direkt an die Nordstadtkatzen auf X/Twitter, eine Pauschale von 5,49€ (innerhalb Deutschland) für versicherten Versand an mich.
    Sobald ein Spendennachweis bei mir eingeht, mache ich den Versand fertig. Wenn du keinen direkten Kontakt zu den Nordstadtkatzen hast, kannst du die Spende auch mir zukommen lassen. Ich leite sie dann weiter.

    Insgesamt sind 24 kleine Dioramen entstanden. Was bereits verkauft wurde, ist markiert.
    Damit du dir ein besseres Bild machen kannst, gibt es jeweils ein Foto und ein 10 Sekunden Video, um die kleinen Kunstwerke von allen Seiten  betrachten zu können.

    Noch zu haben: 9, 10, 12, 13, 14, 15, 17, 18, 19, 20, 23

    Nr. 1-8 (schon weg)

    Nr. 9 (mind. 15€)

    Nr. 10 (mind. 15€)

    Nr. 11 (schon weg)

    Nr. 12 (mind. 20€)
    mit Badenixe

    Nr. 13 (mind. 20€)
    mit Pärchen auf der Klippe)

    Nr. 14 (mind. 15€)

    Nr. 15 (mind. 15€)

    Nr. 16 (schon weg)

    Nr. 17 (mind. 20€)
    mit Pärchen auf einer Bank auf der Klippe

    Nr. 18 (mind 20€)
    mit Badegast auf der Klippe)

    Nr. 19 (mind. 20€)
    mit Kind mit Schwimmflügeln

    Nr. 20 (mind 20€)
    mit Badenixe, die am Leuchtturm liegt

    Nr. 21, 22 (schon weg)

    Nr. 23 Doctor Who Special Edition (mind. 20€)
    mit TARDIS und zwei zusätzlichen Figuren auf den Riffen

    Nr. 24 (schon weg)

  • Tilda Glitzerstern – Kapitel 4 – Santas Überraschung

    Kapitel 4 – Santas Überraschung

    Im Saal hielten alle Wichtel den Atem an. Manche waren sogar ein wenig neidisch. Immerhin würde er Tilda Glitzerstern bestimmt einen Flug auf dem Schlitten anbieten. So eine Chance bekamen nur die allerwenigsten von ihnen, eigentlich sogar niemand.
    »Ich … ich … ich weiß nicht, ob ich das annehmen kann.« Tilda war dieser Moment so unglaublich unangenehm, dass sie zu stottern begann. Ihr fehlten die richtigen Worte, versuchte trotzdem, irgendwie aus dieser Sache herauszukommen. »Du bist doch bestimmt viel zu beschäftigt, um noch jemanden mitzunehmen. Du, das macht mir nichts aus. Ich bleibe einfach bei meinen Freunden hier am Nordpol und helfe, in den Werkstätten für Ordnung zu sorgen. Das ist eh meine Aufgabe. Vor der möchte ich mich auch nicht drücken.«
    Santa Claus begann zu lachen und schüttelte den Kopf. »Eine Fahrt auf meinem Schlitten? Wie kommst du denn darauf? Nein, das geht nicht. Da ist auch nicht genug Platz. Ich habe etwas anderes für dich.«
    Er griff in seine Manteltasche und holte eine kleine, hölzerne Tür daraus hervor. Sie war gerade große genug, dass Tilda hätte hindurchgehen können.
    »Meine liebe Tilda Glitzerstern, das hier ist meine Überraschung für dich.«
    Während Tilda der Kiefer herunterklappte und ihr erneut die Worte fehlten, hörte man die anderen Wichtel leise auf ihren Plätzen kichern. Diese Überraschung war Santa wirklich gelungen. Wer brauchte schon eine alte Holztür? Damit konnte niemand etwas anfangen. War da etwa ein Gegenstand beim letzten Schrottwichteln übriggeblieben, das er nun loswerden wollte?
    »Ähm, Chef. Mein Zimmer hat schon eine Tür. Ich brauche nicht noch eine.«
    »Nein, nein. Das verstehst du falsch. Das ist nicht irgendeine Tür. Das ist eine ganz besondere Wichteltür. Mit dieser schicke ich dich auf eine weite Reise.«
    Tilda verstand noch immer nicht. »Und was mache ich, wenn ich angekommen bin?«
    Santa legte seine Hand väterlich auf ihre Schulter. »Du wirst Weihnachten kennenlernen.« Er öffnete die Tür, schob Tilda hindurch und schloss sie wieder. Kurz darauf löste sie sich auf. Das Wichtelmädchen war mit ihr verschwunden.

    (c) 2024, Marco Wittler

  • 581. Attacke

    Attacke

    „Nach links!“ Santa Claus vollführte ein waghalsiges Manöver.
    „Zu viel, wieder nach rechts. Jetzt Kurs halten.“
    Sie rasten über eine Straße hinweg, die von beiden Seiten mit Autos zugeparkt war und keinen Platz für eine Landung bot.
    „Noch ein kleines Stück!“ Santa zählte in Gedanken von fünf rückwärts. Bei Null ließ er ein Säckchen fallen, das klatschend auf einem Auto landete, aufriss und einen Mix aus Wasser und Mehl auf dem Lack verteilte.
    „Treffer! Und parkt nicht immer alles voll hier.“

    (c) 2024, Marco Wittler

  • Tilda Glitzerstern – Kapitel 3 – Santa Claus erinnert sich

    Kapitel 3 – Santa Claus erinnert sich

    Die allgemeine Unruhe in der Schulaula der Weihnachtswichtel legte sich, nachdem Santa Claus einen Zeigefinger vor die Lippen gelegt und um Stille gebeten hatte. „Es ist alles gut ausgegangen, meine lieben Freunde. Schaut mich an. Ich bin hier. ich bin Santa Claus und bald ist Weihnachten. Ich werde euch meine Geschichte erzählen. Sie hat ein Happy End. Versprochen. Also greift zu Weihnachtskeksen und Kakao. Es wird ein wenig länger dauern.“
    Er nahm in einem großen Ohrensessel Platz, der immer für ihn reserviert war, nahm ebenfalls einen großen Schluck aus seiner Tasse und begann, aus seiner Jugend zu erzählen. „Wisst ihr, ich war nicht immer Santa Claus. Alle einhundert Jahre geben wir unsere wichtige Aufgabe an die nächste Generation weiter. Ein ganz besonderer Wichtel wird auserwählt, der neue Santa Claus zu werden. Dass ich es einmal werden sollte, daran hätte ich im Leben niemals gedacht. Ich wollte es sogar ablehnen.“
    Tilda Glitzerstern erschrak. Alle hundert Jahre wurde ein Wichtel auserwählt, um den Posten des Chefs zu übernehmen? Sie bekam Angst. Irgendwas lief hier völlig falsch. „Moment, Moment, Moment. Ich glaube, ich habe da auch noch ein Wörtchen mitzureden. Ich will nicht Santa Claus werden. Kommt gar nicht in die Tüte. Du kannst deine Überraschung für dich behalten.“
    Santa lachte und schüttelte den Kopf. „Du hast mich missverstanden, Tilda Glitzerstern. Ich muss dich um Verzeihung bitten, wenn ich diesen Eindruck bei dir hinterlassen habe. Meine einhundert Jahre sind noch lange nicht vorbei. Ich möchte dir lediglich erzählen, warum wir uns so ähnlich sind.“

    Der kleine Claus hatte lange überlegt, ob er der Zeremonie wirklich beiwohnen sollte. Dieses Weihnachten ging ihm schon lange auf die Nerven. So viele Jahre hatte er sich in der Schule und später in den Werkstätten am Nordpol viel Mühe gegeben, um Santa Claus glücklich zu machen und um der beste Weihnachtswichtel aller Zeiten zu werden. Er hatte auf das größte Geschenk aller Zeiten gehofft. Doch so sehr er sich auch angestrengt hatte, er bekam stets ein ähnlich besonderes Geschenk, wie alle anderen Wichtel auch, egal wie fleißig oder faul sie im letzten Jahr gewesen waren.
    Der kleine Claus hatte es unfair gefunden. irgendwann hatte er aufgehört fleißig zu sein und gab nur noch Widerworte. Er hatte das Weihnachtsfest zu hassen gelernt.

    „Doch eines Tages hatte ich mit meinem Vorgänger ein ganz langes Gespräch. Er nahm mich mit auf seine Reise am Weihnachtsabend und hat mir in den Wohnzimmern der Welt die Augen geöffnet. Am Tag danach wurde ich selbst zu Santa Claus.“
    “Du willst mich wirklich mitnehmen?“ Das Wichtelmädchen bekam glänzende Augen.
    “Nein, meine liebe Tilda Glitzerstern. Für dich habe ich etwas ganz anderes im Sinn. Ich bin mir sicher, dass es dir gefallen wird.“

    (c) 2024, Marco Wittler

  • 580. Karten auf den Tisch

    Karten auf den Tisch

    Rudolph legte seine Karten auf den Tisch. „Drei Buben. Mach das erstmal nach.“
    Santa Claus bebte. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn. Konnte er mithalten? Doch dann grinste er breit. „Fünf Asse! Ich habe gewonnen.“
    „Fünf? Es gibt nur vier. Du hast betrogen. Zur Strafe bist du jetzt dran.“
    Santa fröstelte. Er hasste es, Geschenke in die Schuhe von Joggern zu legen. Die stanken bis zum Himmel.
    Rudolph war zufrieden. Es hatte sich gelohnt, dem Chef eine zusätzliche Karte unterzujubeln.

    (c) 2024, Marco Wittler

  • 579. Geschwindigkeitsrekord

    Geschwindigkeitsrekord

    „Verdammte Saukälte. Warum müssen wir gerade heute blitzen? Ich will zurück ins Revier und Telefondienst schieben. Bei dem Wetter rast doch niemand.“
    Wachtmeister Schulze beschwerte sich nicht zum ersten Mal bei seinem Kollegen.
    Plötzlich hörten sie ein Rumpeln. Ein Fahrzeug kam mit unglaublicher Geschwindigkeit heran.
    „Den kriegen wir!“
    Ein großer Schlitten, raste vorbei. Der Blitzer konnte nicht schnell genug auslösen.
    „Ich hasse den Weihnachtsmann mit seinem Schlitten.“

    (c) 2024, Marco Wittler

  • Tilda Glitzerstern – Kapitel 2 – Was ist Weihnachten?

    Kapitel 2 – Was ist Weihnachten?

    Tilda Glitzerstern stand auf. Mit kleinen, leisen Schritten schlich sie zur Bühne. Sie ließ sich extra Zeit, obwohl sie die neidischen Blicke der anderen Wichtel auf sich spüren konnte. Sie hoffte, dass Santa Claus es sich noch einmal überlegen, seinen Fehler bemerken und jemand anderes zu sich rufen würde. Doch er blieb still und wartete geduldig. sie stieg die kleine Treppe zur Bühne hinauf und stand schließlich dem Chef gegenüber.
    Diese gütigen Augen unter den dicken Augenbrauen und über dem buschigen Bart sollten Tilda eigentlich beruhigen. Das Gegenteil war aber der Fall. Sie begann zu zittern.
    Santa Claus bemerkte das sofort. Er griff schnell in seine linke Manteltasche. „Magst du einen Keks? Also ich liebe Kekse und sie beruhigen mich immer.“ Er sah Tilda an, dass er damit keinen Erfolg haben würde. Also suchte er noch auf der anderen Seite. Zum Glück befand sich darin noch ein vom letzten Weihnachtsfest übrig gebliebener kleiner Teddybär. „Ich möchte dir meinen Teddy schenken. Er soll dir allzeit Kraft schenken, Mut geben und Ängste vertreiben.“
    Misstrauisch zog Tilda ihre rechte Augenbraue hoch. War das etwa ein Trick? Egal. Sie griff nach dem Stofftier und fühlte sich tatsächlich sofort ein klein wenig besser. Sie beruhigte sich, das Zittern verschwand.
    Santa Claus hockte sich hin. Er mochte es nicht, auf die Wichtel von oben herabzuschauen. Er blieb lieber auf Augenhöhe.
    “Ich habe gehört, dass du mit Weihnachten nicht viel anfangen kannst, dass du den Sinn dahinter nicht verstehst und dich darüber wunderst, warum wir uns so viel Arbeit machen, den Kindern auf der ganzen Welt Geschenke zu bringen.“
    War das eine Fangfrage, vielleicht eine Falle? Tilda wusste nicht, was sie von diesen offenen Worten halten sollte. Sie ließ sich Zeit, überlegte, wägte ab. Schließlich nickte sie kaum merklich, dann entschlossener und deutlicher.
    „Wir arbeiten das ganze Jahr so hart und geben dann einfach alles weg. Ganz ohne Gegenleistung. Sogar die unartigen Kinder bekommen Geschenke. Das verstehe ich nicht. Sie verdienen das doch gar nicht. Warum tun wir uns diesen ganzen Stress jedes Jahr aufs Neue an?“ Sie blickte Santa ernst und direkt in die Augen. „Ich habe diese Fragen so oft den Lehrern in der Schule gestellt, aber niemand konnte mir eine Antwort darauf geben.“
    Santa lächelte. „Du gefällst mir, Tilda Glitzerstern. Ich habe auch mal so gedacht und an Weihnachten gezweifelt.“
    Die Wichtel in der Aula waren geschockt. Mit dieser Antwort hatten sie nicht gerechnet. Ausgerechnet Santa Claus hatte an das Weihnachtsfest nicht geglaubt. Das durfte einfach nicht wahr sein.

    (c) 2024, Marco Wittler

  • Tilda Glitzerstern – Kapitel 1 – Die jungen Wichtel

    Kapitel 1 – Die jungen Wichtel

    Mit großer Spannung war der heutige Tag erwartet worden. Schon seit Wochen hatten sich die jungen Wichtel darauf vorbereitet. Sie saßen in der Schulaula, vor ihnen je eine Tasse mit dampfendem Kakao und einem Tellerchen frisch gebackener Kekse. Doch daran verschwendeten sie, bis auf eine Ausnahme, keinen Gedanken.
    „Was macht ihr denn alle für Drama daraus? Der Chef von unserem Laden kommt vorbei. Das ist doch nicht Besonders. Macht euch nicht ins Hemd deswegen.“ Tilda Glitzerstern lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und streckte ihre kurzen Beinchen so weit aus, dass sie damit immer wieder die Schultasche ihres Vorderwichtels umstieß, der jedes Mal genervt die Augen verdrehte und stöhnte.
    „Hör endlich auf zu stören, Tilda.“, wurde sie von ihrer Freundin Emilia Eisblume flüsternd getadelt. „Ist nicht unsere Schuld, dass du immer noch nicht weißt, worum es hier eigentlich geht. Du hättest eben in der Schule besser aufpassen müssen.“ Sie schluckte, wurde rot im Gesicht und senkte den Blick. „Entschuldige bitte. Ich wollte nicht so grob sein.“
    Tilda nickte. „Und ich wollte nicht so vorlaut sein.“ Als Zeichen des gegenseitigen Verständnisses, reichten sie sich beide Hände und lächelten sich an.
    In genau diesem Moment betrat der Chef die Bühne, ging mit festen Schritten auf das Mikrofon zu und hielt sich nicht mit einer langen Rede auf.
    „Vielen Dank, dass ihr alle gekommen seid. Ich freue mich, alle zu sehen, die den Beginn des Weihnachtsfestes nicht mehr erwarten können, und ich freue mich auch, dass Tilda Glitzerstern sich die Zeit genommen hat.“ Santa Claus blickte sie direkt an. Seinem warmen Lächeln konnte einfach niemand widerstehen.
    “Magst du zu mir auf die Bühne kommen? ich habe eine Überraschung für dich.“
    Es wurde still im Saal. Alle Augen richteten sich auf Tilda, die nur zu gern im ewigen Eis des Nordpols versunken wäre. Nun war sie es, die feuerrote Wangen bekam. „Ähm, ich glaube, da muss eine Verwechslung vorliegen. ich bin diejenige, die die schlechtesten Noten bekommen und unlustige Bilder von dir an die Tafel gemalt hat. Du kannst unmöglich mich meinen.“
    Doch Santa Claus winkte sie immer noch zu sich. „Nein, nein. Ich bin extra wegen dir hierher gekommen. Na los, trau dich. Ich beiße auch nicht.“ Er grinste. „Es sein denn, du bist ein leckerer Weihnachtskeks, denn dann könnte ich für nichts garantieren. Du bist doch kein Weihnachtskeks, oder?“

    (c) 2024, Marco Wittler

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