MicroFiction

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124. Künstliche Intelligenz II

Künstliche Intelligenz II

Steve drehte sich auf der Raumschiffsbrücke.
Schon immer nervte dieses Kameraauge. Nun hatte er ein zweites entdeckt.
Das Erd-Büro behielt ihn mit zwei KIs im Auge. Er hatte zu viele Blechschäden verursacht.
„Ich muss sie austricksen und beschäftigen.“
Er dachte nicht lange nach und stellte eine schwere Aufgabe. „Was ist die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und allem anderen?“
Er grinste. Aus einem Buch wusste er, dass die KI nun neun Millionen Jahre beschäftigt sein würden.

(c) 2023, Marco Wittler

123. Künstliche Intelligenz I

Künstliche Intelligenz I

„Ist alles in Ordnung mit dir?“
Der bohrende Blick seiner Begleitung war Steve nicht entgangen. Dieser war allerdings nicht auf ihren gerichtet, sondern auf das Kameraauge der Bord-KI.
„Alles bestens. Ich behalte nur die KI im Auge. Ich bin davon überzeugt, dass man ihr nicht trauen darf.“
Steve kicherte leise. Seit sein Raumschiff über zwei KI Systeme verfügte, beobachteten sie sich gegenseitig und achteten nicht mehr auf ihn. Endlich keine unangenehmen Meldungen mehr an das Büro auf der Erde.

(c) 2023, Marco Wittler

122. Sommerhitze

Sommerhitze

Der kleine Frosch schwitzte. Der Sommer war viel zu warm. „Ich muss zurück zum Teich. Im Wasser kann ich mich abkühlen.“
Er hüpfte los, folgte dem üblichen Weg durch die Wiese. Doch plötzlich waren da Menschen, die ein Picknick machten.
Panisch machte er mit einem großen Sprung kehrt und landete in einem leeren Glas.
„Nein! Hier komme ich nie wieder raus. Die Sonne wird mich grillen.“
Doch die Sonne hatte Mitleid. Sie schickte einen Sonnenstrahl aus, an dem der Frosch ins Freie klettern konnte.

(c) 2023, Marco Wittler

121. Mutprobe

Mutprobe

„Lass es! Das schaffst du nie!“
Drei kleine Spinnen wollten eine vierte von einer unglaublich dummen Mutprobe abhalten. Diese riss sich jedoch los. Mir einem breiten Grinsen rannte sie auf ihren vier Beinen los.
„Du wirst ertrinken und sterben. Das kann nicht gut ausgehen.“
Kurz vor dem Rand des Schwimmbeckens sprang die Spinne hoch, landete auf dem Kopf eines Menschen und sprang weiter, bis sie das andere Ufer des Freibades erreicht hatte. Stolz jubelte sie laut, dass es überall zu hören war.

(c) 2023, Marco Wittler

120. Mörderspinne

Mörderspinne

„Aaaah!“
Sie riss die Augen auf, begann zu kreischen. In weniger als einer Sekunde stand sie mit beiden Füßen auf einem kleinem Stuhl und schrie nach Hilfe.
„Da ist eine riesige Spinne in meiner Küche. Wenn mit niemand hilft, wird sie mich fressen.“
Ihre Freundin kam herein, sah sich um und kicherte leise.
„Die Spinne hat dich reingelegt. Sie ist ein Zwerg.“
Sie nahm der Spinne die Lupe ab, mit der sie sich künstlich größer gemacht hatte und trug das Tier vorsichtig nach draußen.

(c) 2023, Marco Wittler

119. Gefangen im Licht der Nacht

Gefangen im Licht der Nacht

Der alte Leuchtturmwärter saß am späten Abend im Liegestuhl auf dem Deich. Wie so oft blickte er verträumt zum Firmament.
Plötzlich begannen die Sterne über ihm zu tanzen. Sie kamen zur Erde herab, umringten den Mann, nahmen in in ihrer Mitte gefangen.
Lautes Summen schmerzte ihn in seinen Ohren. Er war der Ohnmacht nahe.
Der Leuchtturmwärter begann, wild mit den Armen zu fuchteln, befreite sich aus seinem Lichtkerker und flüchtete in seinen Turm.
„Verdammte Glühwürmchen. Das kriegt ihr zurück.“

(c) 2023, Marco Wittler

118. Lynchturm VII

Lynchturm VII

Der alte Leuchtturmwärter betrat seine Wohnstatt und Arbeitsplatz. Beim ersten Schritt war er schockiert.
Knochen. Überall Knochen. Der ganze Boden voll. Im Flur, in der Küche, selbst in der kleinen Schlafkammer waren sie verstreut. Hier musste etwas ganz Schreckliches passiert sein.
Der Leuchtturmwärter trat ein, schlug schnell die Tür hinter sich zu und stürmte in die Stube.
„Waldi!“ Er blieb vor seinem treuen Hund stehen. „Du sollst deine alten Knochen nicht ausbuddeln und in den Turm holen.“

(c) 2023, Marco Wittler

117. Lynchturm VI

Lynchturm VI

Der alte Leuchtturmwärter stand mit grimmigem Gesicht vor der Glasvitrine.
„Es ist so weit. Ich werde der Welt mein wahres Gesicht zeigen. Das Versteckspiel hat ein Ende.“
Er öffnete die Glastür, griff nach dem dort seit langem gelagerten Totenschädel und blies den Staub vom Knochen. Dann trat er hinaus auf den Balkon des Leuchtturms.
Langsam hob er den Schäbel in die Luft.
„Sein oder nicht sein. Ich erkläre die Shakespear Nordsee Festspiele für eröffnet.“
Das Publikum applaudierte begeistert.

116. Lynchturm V

Lynchturm V

Der alte Leuchtturmwärter wurde aus dem Schlaf gerissen. In der Lampenkammer war etwas krachend auf den Boden gefallen.
„Was geht denn da vor sich?“
Er hastete die Treppe hinauf und blieb erschrocken stehen. Vor ihm stand eine Person, deren Kopf am buchstäblich seidenen Faden zur Seite herabhing.
„Paul!“ Er herrschte den eingeschüchterten Zombie in der Ecke an, der seit kurzem sein Mitbewohner war. „Wenn du den tollpatschigen, fast kopflosen Nick einlädst, sag mir wenigstens vorher Bescheid.“

(c) 2023, Marco Wittler

115. Lynchturm IV

Lynchturm IV

Der alte Leuchtturmwärter betrat die Küche, blickte zur Decke und nickte zufrieden.
Er stieg die schmale Treppe zur Leuchte hinauf. Auch hier war sein Plan aufgegangen. Überall hingen unzählige Leichen von der Decke. Er hatte sie alle überlistet und hingerichtet. Endlich war er die lästigen Qualgeister los.
Der Leuchtturmwärter stieg auf einen Hocker, nahm die klebrigen Fliegenfänger ab und warf sie mitsamt den Insekten in den Müll.
„Nachtlicht kann auch Nachteile haben. Jetzt nicht mehr.“

(c) 2023, Marco Wittler