Der Vampir

Neulich, es war nachts um Viere,
ging ich müde vor die Türe.
In den Schlaf zu finden fiel mir schwer.
Mich störte schon seit Stunden das städtische Lichtermeer.
Frische Luft, das wusste ich, macht müde.
In der Ferne bellte ein einsamer Rüde.

Und plötzlich stand jemand auf dem Trottoir,
vor dem mir Angst und Bang war.
Er trug Frack und Zylinder,
um den Hals einen seidenen Binder.
Er blieb stehen, starrte mich begierig an.
Ich spürte es genau, er wollte an meine Kehle ran.

Ich schluckte schwer, wollte nur noch weg,
doch kam ich vor Angst nicht mehr vom Fleck.
Die knorrige Hand streckte er nach mir aus.
Ich wollte nur zurück in mein sicheres Haus.
Er griff nach mir, packte meine Kehle.
Weh mir! Weh oh mir! Er wollte meine Seele.

Langsam öffnete er seine Lippen.
Sein Geifer tropfte mir auf meine Rippen.
Seine langen, spitzen Zähne sich im Mondlicht zeigten
und meine Schreckensschreie panisch streikten.
Er wollte mir das Shirt aufreißen
und mich in die pochenden Adern beißen.

Doch dann geschah es, als er sein Gebiss entblößte,
dass sich dieses von ganz alleine aus seinem Munde löste.
Die Zahnprothese fiel ganz munter
auf den Boden runter.
Dabei brach sie entzwei.
Die Gefahr war nun vorbei.

»Verdammt!«, heulte er. »Jetzt muss zum Zahnarzt heute Nacht ich gehen.
Das Maleur muss er sich schnell ansehen.
Vielleicht kann man es noch reparieren
und dann aufpolieren.
Kannst du solange auf mich warten?
Wir könnten in ein paar Stunden nochmal mein Nachtmahl starten.

Ich nickte stumm,
dachte so bei mir, ja bin ich dumm?
Ging schnell zurück ins Haus,
sagte mir, dem diene ich sicher nicht als Schmaus.
Soll er in der Früh im Sonnenlicht zu Staub zerfallen,
und dabei vor Schmerz sich in den Asphalt krallen.

(c) 2021, Marco Wittler

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