Kuriose Feiertage: 02. Januar – Waldmännchentag

In der achten Rauhnacht durch den Wald ich ging.
Reif sich dort in Spinnweben verfing.
Eine Düsterwelt mich hier umfing,
als ich ihn zertrat, den Fleckschierling.

Von da an hört ich böse Geister
oder war da auch ein Hexenmeister?
Kam nicht mehr vorwärts, war gefangen wie in Kleister,
kämpfte verzweifelt an, aber er wurd immer feister.

Da vernahm ich eine Stimme, laut wie Pauken und Trompeten:
„Meinen Schierling hast du grad zertreten.
Kamst vom Wege ab, hast dich verlaufen in den Beeten.
Dafür nehm ich dir ab all deine Moneten“

Heiß schoss es mir durch meinen Kopf:
„Das muss der Waldmann sein, ich armer Tropf.“
Schon packt er mich an meinem Zopf,
nimmt von meinem Mantel mir den ersten Knopf.

Es werden zwei, dann drei und vier,
es wird mir Angst und Bange hier.
Bei jedem Griff steigt seine Gier.
Was macht er nur mit mir?

Ich renne los und laufe weg,
springe über eine kleine Heck.
Er jagt mich weiterhin durch Pfütz und Dreck,
verlier dabei den Mantel und Gepäck

Es geht um Büsche, Bäume, Wurzeln, ich lauf im Nachtslalom,
will nur weg aus diesem Wald-Sodom.
Mit letzter Kraft ich ihm entkomm.
Ich versprech, von nun an werde ich lammfromm.

(c) 2021, Marco Wittler

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